Hier wurde nicht nur vermessen, sondern es wurden wirtschaftliche Intressen durchgesetzt.
Vogelsang, unternehmungslustiger Sohn eines wohlhabenden Bremer Tabakhändlers und bereits in West- und Südafrika sowie in Ostafrika tätig gewesen, lernte im Jahr 1882 den Bremer Kaufmann und Tabakhändler Adolf Lüderitz kennen und wurde in dessen Firma F. A. E. Lüderitz eingestellt und 1883 nach Angra Pequena (später Lüderitzbucht) geschickt. Lüderitz wollte dort Land kaufen, auf dem man nicht nur Handel treiben, sondern auch deutsche Bürger ansiedeln konnte.
In Angra Pequena am 9. April 1883 angekommen, erwarb Vogelsang schon am 1. Mai 1883 durch einen Kaufvertrag mit dem Bethanier-Häuptling Josef Frederiks II den Hafen von Angra Pequena und das umliegende Land im Umkreis von 5 Meilen für 100 britische Pfund in Gold und 200 Gewehre mit Zubehör. In einem zweiten Vertrag sicherte er der Firma einen 20 Meilen tiefen Küstenstreifen vom Oranje bis zu 26° südlicher Breite. Bei den Vertragsschließungen ließ Vogelsang offen, ob es sich um deutsche oder die kürzere englische Meile handeln sollte. Adolf Lüderitz berief sich später auf die deutlich längere deutsche Meile (7,420 im Vergleich zu 1,609 Kilometer).[1] Diese Irreführung ging als sogenannter „Meilenschwindel“ in die Geschichte ein.