Der Standort Kirchberg und seine Kirche
Das alte Pfarrdorf Menz hat natürlich auch eine Kirche, deren erste urkundliche Erwähnung mit ihrem "rector" Meinardus auf das Jahr 1275 zurückzuführen ist. Die Kirche, ähnlich der Leitzkauer Schlosskirche, war auf weite Entfernung hin sichtbar. Sie lag auf einer der bedeutendsten, wohl kaum durch die Natur allseitig ganz regelmäßig abgerundeten Sanddüne einer Dünenreihe am westlichen Rand des alten Elbtales. Die Höhenmarke am Sockel der Kirche gibt über 61,76 m über dem Meeresspiegel an. Der Volksmund der Gegend scherzte um 1900: In Menz gehe das Wasser den Berg hinauf, weil das Taufwasser zur Kirche hinauf getragen werden musste. Der heutige Kirchberg diente über Jahrtausende hinweg kultischen Zwecken, bis im 12ten Jahrhundert von Leitzkau aus eine christliche Gebets- und Wallfahrtsstätte erbaut wurde.
Historisch interessant sind die wechselnden Besitzverhältnisse des Gebäudes im Laufe der Jahrhunderte. Erwähnenswert ist hier vor allem die Patronatsherrschaft der Königborner Adelsfamilien von Treskow, von Bardeleben und von Schulenburg ab 1652. 1275 wurde die Kirche St. Paulus erstmals urkundlich erwähnt. Wahrscheinlich war es ein Holzlehmbau. Sehenswerte Reliefs mit entsprechenden Familienwappen finden sich noch heute über Eingängen und Fenstern des barocken Bruchsteinbaues. Dessen kleinere, spätromanische Vorgängerkirche war zwischen 1500 und 1525 sowie noch einmal 1730 in weiten Teilen vergrößert und völlig umgestaltet worden. in den folgenden Jahrhunderten wechselte mehrfach das Patronat und es gab vielfältige Umbaumaßnahmen. Bis 1944 war die Kirche ein barocker Putzbau mit einem quadratischen Fachwerkturm, der noch vielen Menzern in Erinnerung ist. Am 21. Januar 1944 zerstörten amerikanischen Bomben unter anderem die Kirche, wobei nur die Umfassungswände erhalten werden konnten.
Durch die Ablösung des Innenputzes wurden Hinweise auf Vorgängerbauten sichtbar, die 1953 zu umfassenden Grabungsarbeiten führten. Bei diesen Arbeiten wurden nicht nur die Grundmauern der ursprünglichen romanischen Kirche entdeckt, sondern darüber hinaus verschiedene historische Einrichtungsgegenstände wie alte Taufsteine und Epitaphe, Grabgewölbe der Adelsfamilie von Treskow sowie frühere Gräberfelder und aufschlussreiche Bodenfunde. Von 1957 - 1959 wurden dann nach Beendigung der Grabungsarbeiten mit Unterstützung der Menzer Kirchengemeinde die Kirche wieder aufgebaut. Einen weiteren Bauabschnitt waren dem Einbau der Orgel und der Aufbau des Turms vorbehalten. Die Orgel wurde 1964 geweiht. Nicht mehr aufgesetzt wurde ein im Barock errichteter Glockenturm, der durch den Anbau eines unverputzten Turmschaftes (heute Sakristei) ersetzt wurde. Am 18. Oktober 1959 konnte der Abschluss der Wiederaufbauarbeiten mit einem Einweihungsgottesdienst in der Kirche St. Paulus gefeiert werden, wobei den Vortag in der Kirche der Superintendant I. R. Gerhard Schlegelmilch und er stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates des Kirchenspiel Menz, Fritz Schmiel, hielten. 2011/2012 wurde der Turmanbau auf etwa 24 Meter erhöht und erhielt eine Spitze.
Quelle: Förderverein Kirche St. Paulus und Kirchberg Menz e.V.