Dies ist eine weitere Station auf einer meiner Lieblingsradstrecken, hier zwischen dem Dolmar bei Kühndorf und der Hohen Maas bei Meiningen, wenn auch in diesem Fall etwas abseits des Weges.
Wo sich heute sogenanntes "Un- oder Ödland" befindet, stand bis Mitte der Sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ein Ausflugslokal mit "Tanzboden". Was dann geschah, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen: Starben die Wirtsleute? Sind sie weggezogen? Fakt ist, das Haus wurde geschlossen, verlassen und dem Verfall preisgegeben; es wurde im weiteren Verlauf geplündert. Ein, zwei Jahre noch wurde das Areal von den Hundesportlern aus Rohr genutzt, dann passierte hier nichts mehr, und die Natur eroberte sich peu à peu das Gelände zurück. Das lange Zeit einzige Foto, das ich über die Existenz des Anwesens auftreiben konnte, ist eine amerikanische Luftaufnahme von 1945 (Quelle: Offene Geodaten des Thüringer Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation)
LP-Freunde werden enttäuscht sein: außer ein paar Grundmauern ist von der Örtlichkeit nichts mehr zu sehen. Wer jedoch Ruhe abseits des Getümmels sucht, wird diesen Ort lieben. Bis auf eine kleine lauschige Lichtung ist alles zugewachsen. Das machte auch die Mittelung der Koordinaten schwierig - bitte bei der Suche berücksichtigen. Für die ersten drei Finder habe ich mein Abzeichenkästchen geplündert.
Update vom 18.06.2021 - zwischenzeitlich sind weitere Informationen und Bilder aufgetaucht.
Diese Aufnahmen entstammen dem Buch "1200 Jahre Rohr":
Interessant ist hier die Bezeichnung "Hessenkuppe" und die Verortung zu Meiningen.

Kaupert hießen die Wirtsleute, die die Hessenkoppe betrieben.

Folgende Informationen erhielt ich in den letzten Tagen dankenswerterweise von einem Meininger Heimatforscher:
Im Staatsarchiv Gotha gibt es Unterlagen zum Streit des Schlossers Karl Kaupert in Meiningen gegen Rohr wegen seines Gesuchs um Erteilung der Erlaubnis zum Betreiben einer Schankwirtschaft auf der Hessenkoppe. (Leider ohne Jahresangabe)
- Im Meininger Tageblatt v. 26.5.1935 findet sich ein kleines Gedicht über die Hessenkoppe:
Noch viel zu wenig ist bekannt
Das in der Nähe uns bescherte
So wunderhübsche Fleckchen Erde,
Das Hessenkupe ist benannt.
...
Unterschrieben ist das Gedichtchen mit Chr. K. Ob das eine Tochter oder ein Sohn des Wirtes Karl Kaupert war?
- 1959 hatte die Meininger Pionierorganisation das Objekt übernommen, bald aber wieder zurückgegeben;
- 1963 ließen sich die Rohrer Hundesportler hier nieder. Weil es wegen der Abgeschiedenheit des Hauses immer wieder zu Zerstörungen kam, schufen die sich ein neues Domizil auf dem Harzerberg.
- Julius Greif schlägt 1964 vor, das leerstehende Gebäude der Jugend zu übergeben. Das Foto lässt erkennen, dass das Haus noch in brauchbarem Zustand ist. (Freies Wort v. 2.7.64) (Artikel und Foto liegen mir leider nicht vor)
- Ende der 70er (wohl eher 60er?) bemühte sich die Gemeinde Rohr um einen Pächter, fand aber keinen wegen der abgelegenen Lage und der (fehlenden) Wasserversorgung. Schließlich wurden "auf Veranlassung des Ministeriums für Staatssicherheit die letzten Ruinenteile dem Erdboden gleichgemacht". Mitglieder der AG Foto hatten nämlich dort "Portrait- und Aktaufnahmen angefertigt". Dem Ministerium gefiel das nicht, weil "man mit langbrennweitigen Objektiven Militärspionage (Dolmar) betreiben könne. Es wurden auch Filme beschlagnahmt."
Zum Cache: In so einem Wirtshaus ist doch bestimmt noch was im Topf?! Seit der "Renovierung" im Juni 2021 wird hier magnetisch gekocht. Dabei wurde auch gleich die Speisekarte mitrenoviert; für Vegetarier ist allerdings noch nichts dabei. Um an den Cache zu gelangen ist es nicht erforderlich, das Cachegehäuse abzunehmen; wer trotzdem mal reinschauen möchte (klar, wollen alle!) bringt es bitte wieder so an, wie vorgefunden. Das neue Design ist natürlich für Muggel und insbesondere Muggelkinder attraktiver als das alte; ich hoffe dennoch, daß der Cache eine Weile vor Ort bleibt.
Der Wirtschaftsweg ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. Bitte macht den Cache nicht bei Dämmerung oder nachts; gelegentlich sind hier Jäger zu Gange. Ob ihr nur einen kurzen Abstecher hierher macht, oder die Suche in eine ganze Wanderung einbindet, das liegt ganz bei euch.