Klinkerstraßen durchzogen einst das Oldenburger Land. Ihr Baustoff, der Klinker, entsteht durch Sinterung von Ton bei einer Temperatur (ca. 1200°C), wobei der Ziegel eine hohe Festigkeit und hohe Dichte erhält. Dadurch wird er extrem widerstandsfähig. Als Rohmaterial wird bis heute kalkmergelarmer sog. Bockhorner Lehm bevorzugt, der in der friesischen Wehde im Raum Varel und im ostfriesischen Nenndorf abgebaut wird. Die Färbung beim Brand entsteht durch einen ungewöhnlich hohen Anteil von Kieselsäure, Bitter- und Tonerde, Eisenoxiden sowie Kali und Natron.
Als Geburtsjahr des Klinkerstrassenbaus im Oldenburger Land gilt 1838. In diesem Jahr wurde auf Veranlassung des Oldenburger Großherzogs der Postweg von Varel nach Jever (sog. Ellenser Damm) versuchsweise mit Bockhorner Klinker befestigt.
Hohe Druckfestigkeit, große Kanten- und Schlagfestigkeit, geringe Abnutzung , Wartungsfreundlichkeit und völlige Frostsicherheit: diese Vorteile führten schnell zum planmäßigen Ausbau vieler unbefestigter Wege durch hochkant gestellte Klinker.
Die erforderliche Ziegeleiarbeit wurde früher von Landwirten im Nebenerwerb betrieben die sogenannten "Tichelbuurn". Sie benutzten als Brennmaterial häufig Torf.
Zum Straßenbau wurde die 4. und 5. Sortierung eines Brandes in Eigenarbeit verlegt, wobei je nach Verkehrsgröße eine entsprechende Bettung erstellt werden mußte. Ursprünglich führte neben den Straßen ein breiter Sandweg, auf dem die Pferde zur Schonung der Hufe trabten. Heute sind diese Sommerwege oft überwachsen. Viele dieser alten Klinkerstrassen sind inzwischen asphaltiert, da sie den Ansprüchen moderner Fahrzeuge nicht genügen.
Quelle: Ammerland Tourist Information