(Un)vergessener Weltmeister
Unseren ersten Cache widmen wir einem außergewöhnlichen Menschen, der leider oft in den Aufzählungen der Radsport-Weltmeister vergessen wird: Albert Richter.
Neben seinen sportlichen Erfolgen zeichnete sich Richter in Zeiten des Nationalsozialismus durch seine kompromisslose Art und Zivilcourage aus.
Leben:
Albert Richter wurde am 14.10.1912 in Köln geboren und wuchs im Stadtteil Ehrenfeld in einer musikalisch geprägten Familie auf. Köln war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine der Hochburgen des deutschen Radsports (v.a. Bahnrad). Gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters trainierte Albert Richter heimlich. Bereits mit 19 Jahren galt er als der beste rheinische Amateur-Sprinter, sodass sich die Presse für ihn zu interessieren begann. Trotz widriger Umstände (Verletzungen, Arbeitslosigkeit) errang er beachtliche sportliche Erfolge:
- 1932: Sieger des „Grand Prix de Paris“, Flieger, Amateure
- 1932: Weltmeister als Amateur-Flieger (Sprinter)
Von der Familie, seinem Trainer und Manager und nicht zuletzt seinen Erfolgen zu Beginn der 30er Jahre ermutigt, wurde Richter zum Radprofi und zog nach Paris. Dort erlernte er schnell die französische Sprache und wurde von der dortigen Presse aufgrund seiner Erfolge auch der „Deutsche Achtzylinder“ genannt. Seine sportlichen Erfolge in dieser Zeit:
- 1933–1939: Deutscher Meister der Flieger, Profis
- 1934 und 1935: Vizeweltmeister, insgesamt fünf Mal dritter
- 1936: Sieger Großer Preis der Nationen
- 1934 und 1938: Sieger des „Grand Prix de Paris“, Flieger, Profis
- 9. Dezember 1939: „Großer Preis von Berlin“
Richter lebte bei Machtergreifung der Nazis in Paris und schloss sich einer internationalen „Sprinter-Wandertruppe“ an, in der viele Fahrer untereinander befreundet waren und oft ihre Freizeit gemeinsam verbrachten. Zusammen mit dem Belgier Jef Scherens und dem Franzosen Louis Gérardin waren sie als die „drei Musketiere“ bekannt. Augenzeugen berichten, dass Richter bei der Siegerehrung zur Deutschen Meisterschaft 1934 in Hannover den "Deutschen Gruß" unterließ.
Obwohl sein jüdischer Trainer und Manager Ernst Berliner in die Niederlande emigrieren musste, um den Nationalsozialisten zu entgehen, blieb er weiterhin der Manager Richters. Zum Verdruss der politischen Führung trat Richter auf internationalen Veranstaltungen im Trikot mit dem Reichsadler statt dem Hakenkreuz auf der Brust an. Mehrfache Versuche der Gestapo, Richter als Spitzel anzuwerben, blieben erfolglos.
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges ging Richter zwar nach Deutschland zurück, trug sich aber mit dem Gedanken auszuwandern: Bei Kriegsausbruch 1939 ist seine Aussage verbürgt, „dass er am liebsten nach Frankreich auswandern wolle, weil er nicht auf seine ‚Brüder‘ dort schießen wolle.“
Sein Schweizer Sprinterkollege Sepp Dinkelkamp sagte später über ihn: „Gerne bestätige ich Ihnen, dass Albert ein Antinazi war. Schon lange Zeit vor dem Kriege sah er das Treiben und die Machenschaften dieser „Verbrecherbande“, so nannte Albert die Nazis … Hätte er mit den Nazis mitgemacht, wäre es für ihn von großem Vorteil gewesen. Albert wählte den anderen Weg.“
Am 31. Dezember 1939 verließ Richter seine Heimatstadt Köln mit dem Zug in Richtung Schweiz. Neben seinen Koffern hatte er sein Rad dabei, in dessen Reifen 12.700 Reichsmark versteckt waren, die dem im Ausland lebenden Kölner Juden Alfred Schweizer gehörten. Richter hatte ihm vor geraumer Zeit versprochen, dieses Geld zu schmuggeln, obwohl sein Manager ihn davor gewarnt hatte. Kontrolleure durchsuchten Augenzeugen zufolge gezielt Richters Gepäck und wurden schnell in den Reifen Richters Fahrrad fündig. Noch am selben Abend wurde Richter in das Gerichtsgefängnis von Lörrach verbracht. Als sein Bruder ihn dort später besuchen wollte, lag Richters Leiche blutverschmiert und mit Löchern in der Kleidung in der Totenhalle des Krankenhauses. Es liegt nahe, dass er ohne Gerichtsprozess von Schergen des NS-Regimes erschossen wurde. Seine Todesumstände konnten jedoch nie abschließend geklärt werden, als Todesdatum wird offiziell der 02.01.1940 angegeben.
In der ersten offiziellen Presseversion über den mysteriösen Tod Richters war von einem Skiunfall die Rede, bis zwei holländische Augenzeugen von Richters Verhaftung wegen Devisenschmuggels berichteten. Danach wurde „auf der Flucht erschossen“ als Todesursache angegeben. Anschließend erschien eine weitere Meldung in der Zeitung des Deutschen Radfahrer-Verbandes (DRV), in der von Selbstmord die Rede war. Sie schloss mit den Worten: „Sein Name ist für alle Zeiten in unseren Reihen gelöscht.“
Quelle: Wikipedia
Zum Cache:
Kleine Anleitung zum Öffnen des Caches: Erst den Code einstellen, dann den Bügel mit einem kleinen Ruck herunterziehen. Anschließend lässt sich der Wirt öffnen. Gewalt ist nicht nötig.
Nachdem alles wieder an seinem Platz ist, die Nummernkombination bitte wieder gut verstellen!