Auf einer Anhöhe westlich der Ortschaft Siedlinghausen ragen zwei Felsformationen aus der sonst durch Wiesen geprägten Landschaft, welche auch als "Krähenstein" und "Käppelchen" bezeichnet werden. Diese beiden geologisch schützenswerten Aufschlüsse vermitteln tiefe Einblicke in die Erdgeschichte, weshalb sie im Jahre 2008 nicht nur den Status eines Geotopes, sondern auch den eines Naturdenkmals erhielten und seitdem besonderen Schutz der Stadt Winterberg-Siedlinghausen genießen. Nachdem im Januar 2007 ein Großteil des Fichtenbestandes dem Orkan Kyrill zum Opfer gefallen ist, entschied die Gemeinde Siedlinghausen auf den beiden Kuppen Ziegen anzusiedeln, nicht nur um auch in Zukunft den Zugang zu diesen beiden felsigen Erhebungen zu gewährleisten, sondern auch um die Gesteine vor Verwitterungsprozessen infolge des Pflanzenbewuchses zu schützen.
Für diesen Earthcache begeben wir uns auf die nördlichere der beiden Erhebungen, den "Krähenstein" der das Umland mit einer Höhe von 557 Metern über NHN überragt.
Geologischer Überblick des Sauerlandes:
Das Sauerland ist Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges, welches überwiegend aus Sedimentgesteinen, wie Tonschiefern, Sandsteinen, Grauwacken und Kalksteinen aus der Devon-Zeit (419 bis 358 Millionen Jahre) aufgebaut ist. Neben diesen Sedimentgesteinen findet man, vor allem im östlichen Sauerland, auch Gesteine vulkanischen Ursprungs. Diese ehemals horizontal abgelagerten Sedimentgesteine wurden in der folgenden Karbon-Zeit (358 bis 298 Millionen Jahren) durch plattentektonische Prozesse seitlich zusammengedrückt, gefaltet und überschoben. Es bildete sich ein Gebirge, welches aber in der Folgezeit durch witterungsbedingte Alterationsprozesse schnell wieder eingeebnet wurde. Das heutige Erscheinungsbild erhielt das Sauerland erst in jüngerer Zeit, als am Ende des Tertiärs/im Quartär (23 Millionen Jahre bis heute) Hebungsprozesse einsetzten und sich allmählich Flüsse in die sich hebende Landschaft einschnitten.
Abb.1: Quarzkeratophyrtuffit am Käppelchen.
Geologie des Krähensteins:
Der geologische Untergrund des Krähensteins stammt aus dem Mitteldevon und hat ein Alter von ca. 385 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit erstreckte sich dort, wo heute der Ort Siedlinghausen liegt, ein ausgedehntes Meer, welches große Teile Europas bedeckte. Am Grunde dieses Meeres setzten sich nach und nach feine Tontrübe und Sand ab, die vom entfernt gelegenen Festland über Flüsse eingeschwemmt wurden. Aus diesem ausgedehnten Meer ragten vereinzelt Vulkane, die große Mengen an Vulkanasche ausstießen. Luftströmungen trugen diese Aschelagen weit hinauf aufs Meer, wo sie allmählich herabregneten, so dass innerhalb der sonst marinen Ton- und Sandschichten auch vulkanische Aschelagen mit eingelagert wurden. In der Folgezeit wurden diese Schichtpakete durch eine anhaltende Ablagerung von jüngeren Sedimenten überlagert und so immer tiefer in den Untergrund versenkt. So stieg durch das Eigengewicht der überlagernden Gesteine allmählich der Druck innerhalb der Sand-, Ton- und Aschelagen, so dass diese immer stärker zusammengedrückt und schließlich verfestigt wurden. Aus den ehemals lockeren Sanden wurden feste Sandsteine, die Tonlagen wurden zu Tonsteinen und aus den Aschelagen bildeten sich allmählich Tuffite.
In der Folgezeit wurden diese nun verfestigten Ablagerungen durch die oben angesprochenen plattentektonischen Prozesse seitlich stark eingeengt, so dass diese stark verfaltet und entlang von Brüchen im Untergrund auch überschoben wurden. Als Folge der starken Verfaltung bildeten sich vielerorts auch Risse im Gestein. Durch diese flossen silliziumdioxidhaltige Lösungen aus dem Erdinneren, welche in den Rissen in Form von Quarz auskristallisierten und auch als Quarzklüfte bezeichnet werden (vgl. auffällige weiße Streifen im Gestein).
So entstand in der Karbon-Zeit während der sogenannten variszischen Orogenese ein massives Gebirge, was sich auch noch heutzutage über große Teile Mitteleuropas nachvollziehen lässt und sich von Südirland über den europäischen Kontinent bis hin nach Westpolen erstreckt. Im Bereich des Sauerlandes entstand ein Gebirge, welches geologisch dem rechtsrheinischen Schiefergebirge zugeordnet wird.
Neben diesen großdimensionalen Prozessen kam es durch die starken, seitlich gerichteten, Drücke der variszischen Gebirgsbildung auch kleindimensional zu mineralogischen Umbildungen innerhalb der ehemals lockeren, durch den Druck der Auflast aber schon verfestigten Sedimente. Durch Einregelung der plattigen Tonminerale senkrecht zur Hauptdruckrichtung entstanden innerhalb der Tonsteine engständige parallele Flächen, welche, wie die Tonminerale, senkrecht zur Hauptdruckrichung orientiert sind und entlang derer sich das Gestein leicht spalten lässt. Der Geologe nennt diese Flächen "Schieferungsflächen" und das Gestein dementsprechend Tonschiefer. Von diesen Umwandlungsprozessen betroffen waren aber nicht nur die Tonsteine, sondern auch die Tuffite, die sich zu Quarzkeratophyrtuffiten umbildeten.
Nach Beendigung der variszischen Orogenese kam es in der Folgezeit zu witterungsbedingten Alterationsprozessen der Gesteine, wodurch das Gebirge wieder recht schnell abgetragen und schließlich eingeebnet wurde. Dabei wurden die weicheren Schiefer schneller erodiert als das härtere vulkanische Gestein. Begünstigt durch junge/rezente Hebungsprozesse, die am Ende des Tertiärs/im Quartär einsetzten, schnitten sich die Flüsse allmählich in die Rumpffläche des variszischen Gebirges ein und präparierten so im Laufe der Zeit die beiden härteren Quarzkeratophyrtuffit-Züge des Krähensteins und Käppelchens, eingebettet in den weicheren Tonschiefer der Fredeburg-Schichten, heraus.
Abb.2: Geologisches 3D Blockbild der Umgebung um den Krähenstein. Die umgebenden weichen Schiefer der Fredeburg-Schichten wurden erodiert im Gegensatz zu den härteren Quarzkeratophyrtuffiten (eigene Grafik auf Basis des DGMs von Geobasis NRW).
Was ist ein Keratophyr?
Der Begriff Keratophyr leitet sich von den griechischen Worten "keras" (Horn) und "phyro" (vermengen) ab, und bedeutet so viel wie "vermischtes" Gestein mit hornsteinartigem Gefüge. Es ist ein helles, oft grau-grünes Erguss-/Ganggestein, welches zu den Alkaligesteinen gehört und typisch für einen in initialen, submarinen Vulkanismus ist. Seine Grundmasse besteht vor allem aus Alkalifeldspäten und Chlorit, in der Einsprenglinge aus Feldspäten (Albit, Anorthoklas) schwimmen. Ist der Quarzgehalt größer als 5 Vol.-%, spricht man von einem Quarzkeratophyr.
Aufgaben:
Um diesen Earthcache loggen zu dürfen, begebt euch bitte vom Zugangspunkt an die angegebenen Koordinaten. Nehmt dort Platz auf der Bank, genießt die wunderbare Aussicht und beantwortet bitte folgende Fragen:
1. Schaut vom Kreuz in südöstliche Richtung (Richtung Bauernhof) und beschreibt das Gelände bis zur Bundesstraße. Was könnte der Grund für dieses landschaftliche Aussehen sein? Angenommen, in 1000 Jahren würdet ihr noch einmal hier stehen, wie hätte sich die Landschaft wohl verändert?
2. Nimm einen der zahlreich auf dem Krähenstein liegenden losen Steine und schaue ihn dir an (Bitte nicht hämmern, oder irgendwo abbrechen, um das Naturdenkmal nicht zu zerstören.). Beschreibe mit eigenen Worten Farbe, Körnigkeit, auffällige Flächen, Struktur oder sonstige Besonderheiten.
3. Wie bezeichnen Geowissenschaftler den Umwandlungsprozess vom Locker- zum Festgestein?
4. Macht ein Foto von euch, eurem GPS, eurem Avatar oder sonst einem persönlichen Gegenstand mit dem Kreuz auf dem Krähenstein im Hintergrund!
Sende die Antworten bitte per E-Mail (nicht via Message-Board) an unsere Adresse.
Loggen könnt ihr sofort nach dem Absenden der Antworten. Sollte etwas nicht stimmen, melden wir uns bei dir!
Logs ohne Antworten und/oder ohne Foto werden kommentarlos gelöscht (vgl. https://www.gc-reviewer.de/fotobeweis-bei-earthcaches-wieder-zugelassen/)!
Bitte beachten: Der Krähenstein ist ein Naturdenkmal und Geotop, d.h. er darf betreten werden aber ohne die Felsen zu beschädigen, also bitte nicht klettern und dergleichen! Auf dem Weg zum Kreuz müssen die Wege nicht verlassen werden. Bitte haltet Abstand zu den Ziegen und hinterlasst keinen Müll. Beim Betreten und Verlassen des Geländes verschließt das Tor im Eingangsbereich bitte wieder!
Quellen:
- Infotafel des Geologischen Dienstes NRW am "Krähenstein"
- Lexikon Mineralienatlas - Fossilienatlas
- Wikipedia