Im Jahr 1867 entwickelte Alexander Graham Bell eine Versuchsanordnung, bei der Schallwellen der menschlichen Sprache eine Membran vibrieren ließen. Dadurch entstanden in einer Drahtspule Stromschwankungen, die nach der Übertragung auf ein gleichartiges Gerät wieder Töne hervorbrachten. Bell erhielt für seine Erfindung die Patentnummer 174.465 und war damit nur um zwei Stunden schneller als der Amerikaner Elisha Gray. Damals konnte noch niemand ahnen, dass die Erfindung zu einem der einträglichsten Patente aller Zeiten werden sollte. Im Jahr 1876 wurde über den „Bellschen Sprachtelegraphen“ schließlich zwischen Boston und Cambridge das erste Ferngespräch der Welt geführt. Schon in den Anfangszeiten der Telefonie konnte auf Werbung nicht verzichtet werden, in Inseraten im „Neuen Wiener Tagblatt“ wurde um Teilnehmer geworben. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, musste in erster Linie Aufklärung in Sachen Telefon betrieben werden: „Das Telephon ist ein Apparat, der dem Besitzer desselben die Möglichkeit bietet, auf große Entfernungen mit anderen Personen, die den gleichen Apparat besitzen, so zu sprechen, daß die Betreffenden sich nicht nur vollkommen gut verstehen, sondern einander auch an der Stimme erkennen.“
Entwicklung in Österreich
Ein Jahr nach dem Start des Netzbetriebes in Österreich gab es bereits 1.000 Teilnehmer.
Für all jene, die über keinen Anschluss verfügten, wurde im April 1882 in der Wiener Börse die erste „öffentliche Sprechstelle“ eröffnet. Für die Benutzung dieser Sprechstelle war eine festgelegte Gebühr zu entrichten – konkret musste eine „Sprechkarte“ erworben werden. Die Gebühren für die Benützung öffentlicher Sprechstellen betrugen für eine Gesprächsdauer von fünf Minuten im lokalen Wiener sowie auch in sonstigen lokalen Netzen 20 Kreuzer.
Unterdessen wurde der Netzaufbau zügig fortgesetzt: Bis 1883 waren die Städte Graz, Prag, Triest, Lemberg, Czernowitz und Pilsen angeschlossen. Mit der Telefonverbindung Wien – Brünn wurden erstmals Gespräche zwischen zwei österreichischen Städten möglich. Für Gespräche von Stadt zu Stadt wurden besondere Gebühren eingehoben: So kostete ein gewöhnliches Gespräch mit einer Gesprächsdauer von fünf Minuten von Wien nach Prag ab 18. September 1889 1 Gulden, für ein „dringendes“ Gespräch mussten 3 Gulden bezahlt werden.
Im Eigentum der Monarchie
Im Jahr 1887 erließ das k.k. Handelsministerium die erste österreichische Telefonverordnung, auch die Zuständigkeit für das Telefon wurde der k.k. Post- und Telegraphenverwaltung zugeschrieben. Seit 1887 wurden keine neuen Privatkonzessionen mehr erteilt, von den Betreibern der elf bestehenden privaten Netze wurden die Konzessionen zurückgekauft. Daher befand sich ab 1895 das gesamte österreichische Telefonnetz im Eigentum
der Monarchie.
Das Telefon Seiner Majestät
Erst 1898 wurde die Hofburg an das Telefonnetz angeschlossen. Der „Telephon-Apparat“ Seiner Majestät soll jedoch nicht mehr als eine Dekoration für den kaiserlichen Schreibtisch gewesen sein, der Legende nach wurde er nämlich niemals benutzt.
Selbst wählen
Im Jahre 1910 kamen schließlich die ersten Telefone, die mit einer Wählscheibe und einem
Hörer ausgestattet waren, auf den Markt. Zugleich bereitete die Post- und Telegraphenverwaltung mit der Umstellung der Verbindungen innerhalb eines Ortes vom handvermittelten Dienst auf Selbstwählverkehr eine kleine Revolution vor. Nun konnten die Teilnehmer erstmals ihre Gesprächspartner innerhalb eines Ortes direkt und ohne Vermittlungshilfe erreichen. Dennoch mussten die Fräuleins vom Amt nicht um ihren Job fürchten: Telefonate über die eigene Ortsgrenze hinaus wurden noch immer handvermittelt hergestellt. Schon in den Anfangsjahren der Telefonie gab es Verbindungen in die österreichischen Kronländer. Allerdings wurden diese Leitungen bis etwa 1920
ausnahmslos über Freileitungstrassen geführt.
Durch Stürme, Eislasten im Winter oder umgestürzte Bäume kam es naturgemäß häufig zu Störungen. Zwar konnte man schon viel früher Kabel unterirdisch verlegen, allerdings hatte man im Fernverkehr das Problem, dass man auf längeren Kabelstrecken den Gesprächspartner nur schwer verstehen konnte. Erst durch Erfindung der sogenannten Pupin-Spule und der Liebschen Verstärkerröhre des Österreichers Herbert von Lieben konnte dieses Problem gelöst werden. Das erste unterirdische Kabel dieser Art ging in Österreich 1921 auf der Strecke Wien–St.Pölten–Linz– Nürnberg in Betrieb, weitere Fernkabel führten bald von Wien nach Budapest, von Linz über Innsbruck in die Schweiz oder von Innsbruck nach München.
Einzigartig in Österreich: Das „Vierteltelefon“
In den folgenden Jahren „explodierte“ die Anzahl der Anschlüsse. Waren es 1891 noch 440, konnten 1895 schon 19.000 Anschlüsse gezählt werden. Dennoch war die Teilnahme am Telefondienst noch lange nichts Alltägliches, nicht zuletzt die relativ teure „Abonnementgebühr“ verhinderte die weitere Verbreitung. Aus diesem Grund wurde das sogenannte „Gesellschaftsanschluss-System“ erfunden. 1905 wurden in der Zentrale in Meidling die ersten Gesellschaftsleitungen für zwei oder vier Teilnehmer eingerichtet.
Mit dem „Vierteltelefon“ nutzten die Teilnehmer gemeinsam dieselbe Leitung. Zunächst wurden 40 solcher Gesellschaftsleitungen zum Testen aufgebaut, bald jedoch war das sogenannte „Ortsbatterie-Gesellschaftssystem“ in ganz Wien im Einsatz. Dadurch konnte etwa 18.000 Teilnehmern, die nur selten zum Hörer griffen, ein günstiger Anschluss geboten werden.
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