**********Update 11.03.2023: Hier haben die Winterstürme für Chaos gesorgt, darum haben wir erneut einen neuen Platz gefunden - Koords und Hint wurden aktualisiert. Da die Koords hier springen können, folgt eurem Cacher-Instinkt.***********************
Helga Kuschinowa (oder Olga Kuşinowa) 1914-1944

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Diese kleine Cacheserie soll an fünf junge Frauen erinnern, die in diesem Wald von Gestapo-Mitarbeitern getötet wurden. Wir wissen nicht, wo sie genau herkamen. Wir wissen nicht ihre Geburtsdaten. Nicht einmal die korrekte Schreibweise ihrer Namen ist immer eindeutig. Wir wissen, dass sie "Ostarbeiterinnen" waren, in den allermeisten Fällen ein beschönigender Ausdruck für Zwangsarbeiterinnen. Wir wissen, dass sie am 13. Oktober 1944 unter dem Vorwurf, geplündert zu haben, innerhalb von zwei Tagen ohne rechtsstaatliches Verfahren erschossen und verscharrt wurden. In den 1950er Jahren wurden sie dann in würdige Gräber in der sowjetischen Kriegsgräberstätte in Rurberg/Eifel umgebettet. (Auch dort gibt es einen Cache: GC747D5)
Update 09.05.2021: Den Cache in Rurberg haben wir heute besucht. Anschließend haben wir hier das Foto der Grabstätte sowie eine weitere mögliche Namensvariante hinzugefügt.
Update 17.12.2021: In diesem Jahr fand am Volkstrauertag eine Gedenkveranstaltung für die fünf jungen Frauen statt. Die Initiatoren waren die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Regiogruppe Mönchengladbach-Viersen), Pax Christi (Gruppe Viersen), Versöhnungsbund (Region Viersen), Friedensbündnis Mönchengladbach und der DGB Mönchengladbach. Auch Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) war dabei.
Da wir das individuelle Schicksal von Sina, Helga, Wera, Tonja und Maria nicht kennen....wer waren ihre Eltern? wen haben sie geliebt? hatten sie selbst Kinder?...., haben wir andere Quellen gesucht, die das Leben der "Ostarbeiterinnen" beschreiben.
Bitte betretet, wenn Ihr hier im Wald unterwegs seid, auf gar keinen Fall die ehemaligen Militärzonen (Warnschilder) und achtet die Privatsphäre der Menschen auf den Campingplätzen.
Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte werden Assistenz benötigen, Gehörlose eher nicht, da die Menge an Schriftsprache nicht zwingend zum Heben des Caches benötigt werden.
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Alltag
Die sogenannten "Ostarbeiterinnen" mussten in Lagern leben. An ihrer Kleidung musste ein Aufnäher "OST" angebracht sein. Häufig waren ihnen einfache Rechte, wie das Benutzen von Straßenbahnen oder - schlimmer - Bunkern verwehrt.
Die Ausbeutung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter fand dabei ganz "offiziell" statt. Sie waren im Straßenbild und in den Betrieben üblich.
Aus dem Bundesarchiv hierzu:
"Die Lebensbedingungen in den Zivilarbeiterlagern waren sehr unterschiedlich. [...] Während die Lebens- und Arbeitsbedingungen westeuropäischer Arbeitskräfte zumindest anfangs noch weniger restriktiv waren, hatten Lager für die als 'fremdvölkisch' klassifizierten osteuropäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter von vornherein den Charakter von Haftstätten. Lager für osteuropäische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter waren umzäunt und bewacht, die Inhaftierten durch besondere Abzeichen an der Kleidung ('P' für Polen, 'OST' für 'Ostarbeiter', die Bezeichnung für sowjetische Zivilarbeiter) gekennzeichnet. Bei geforderter höherer Arbeitsleistung wurden sie schlechter verpflegt als westeuropäische Arbeitskräfte, durften weder Radio hören noch Zeitung lesen und keinen Kontakt zur deutschen Zivilbevölkerung pflegen. Schwere körperliche Arbeit, Repressionsmaßnahmen, mangelhafte Ernährung, fehlende medizinische Versorgung sowie katastrophale sanitäre Bedingungen führten zu Unterernähung, Entkräftung und im Verlauf des Krieges regelmäßig zum Tod von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern."
Quelle: bundesarchiv.de (auch für das Hintergrundbild)

Aus dem Augenzeuginnenbericht von Babara S., den wir beim Verein GELSENZENTRUM gefunden haben. Für die Erlaubnis, ihn hier zu verwenden, herzlichen Dank!
"(...) Dann mußten wir auf Lastwagen und ich kam nach Gelsenkirchen, nach Nordstern. Als wir im Lager Brinkstraße abstiegen, war sofort Polizei da. Wir durften nicht sprechen, auch nicht mit den anderen, die schon im Lager waren. Ein Pole hat zu uns Guten Tag gesagt, da kam Fischer, der Lagerleiter und hat ihn sofort geschlagen. Wir mussten weinen, dass er ihn für nichts und wieder nichts so geschlagen hat, nur weil er Guten Tag gesagt hatte. (...) Wir durften nicht raus, nicht mit der Straßenbahn fahren und auch nicht auf dem Bürgersteig gehen. Da wurden wir oft runter gestoßen. Runter, hieß es, du musst in der Mitte der Straßen gehen, wir gehen hier. (...) Ich musste aber manchmal auch nach Bottrop, zur Zeche Jacobi, da hatten wir dann die Erlaubnis, die Straßenbahn zu nehmen. Das ging aber nicht immer. Eine Schaffnerin war sehr böse, die hat uns immer rausgeschmissen. Wir mussten ja das Ost (Ostarbeiterkennzeichen, d. Verf.) tragen, daran hat man uns ja erkannt. (...) Das Lager war rund herum mit Stacheldraht eingezäunt, dass wir ja nicht weglaufen. (...) Arbeiten mußte ich zuerst auf der Anlage III/IV auf dem Holzplatz. Dort mußten wir Waggons ausladen. Das waren große, schwere Hölzer, die dann geschnitten wurden. Nachher, ich weiß das Datum aber nicht mehr, kam ich nach I/II. Dort habe ich dann am Leseband gearbeitet. Als die Bundesgartenschau war, da konnte man sich die alten Anlagen anschauen und ich habe gesagt, hier habe ich auch gearbeitet. Da meinte einer, auf Nordstern haben doch nie Frauen gearbeitet. Naja, wenn einer jünger ist, dann weiß er das ja nicht."
Quelle: Roland Schlenker, "Ihre Arbeitskraft ist auf das schärfste anzuspannen - Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterlager in Gelsenkirchen 1940-1945". Essen 2003, gefunden bei: gelsenzentrum.de
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Der Abend
Wenn wir am Abend von der Arbeit gehn,
lockt uns kein Heim mit buntem Lampenschimmer.
Wir bleiben zögernd auf den Gängen stehn,
weil es uns graut vor unsrem dunklen Zimmer.
Man nahm uns jetzt zur Strafe noch das Licht,
denn irgendwer hat irgendwas verbrochen.
Was eigentlich, erfährt das Lager nicht.
Nun hausen wir im Dunklen schon seit Wochen.
So steht man denn in dem Arkadengang
und schaut zum Himmel auf in all die Sterne.
Die Abende sind jetzt so schön und lang,
und voller Stimmen ist noch die Kaserne.
Es ist, als lernten wir erst jetzt verstehn,
wie wunderbar die gold'nen Sterne scheinen.
Und überhaupt, man sollte schlafen gehn,
dann müßte man nicht jeden Abend weinen.
Ilse Weber