HISTORY-CACHE: Rurauen zwischen Ophoven + Kempen
Update: 06.04.2022 - Der alte Cachewirt ist leider zerbrochen oder wurde zerstört. Daher ist der Cache um ein paar Meter verzogen. Bitte tarnt ihn wieder gut, da hier an schönen Tagen viele Radel-, Wander-, Angel- und Hundemuggel unterwegs sein können (klar, die wissen auch, wo es schön ist!).
Wie immer die Hinweise vorneweg:
Ihr befindet Euch im Naturschutzgebiet „Untere Ruraue“. Bitte verhaltet Euch entsprechend! Für viele Tiere und Pflanzen sind die Uferbereiche und Altarme wertvolle Lebensräume. Ihr könnt hier die Spuren von Bibern sehen und Wildgänse gibt es eigentlich immer. Wenn Ihr Glück habt, im Herbst sogar Kranichschwärme am Himmel.
Barrierefreiheit: gut geeignet für Gehörlose (das nachfolgende Listing braucht Ihr nicht zwingend, um den Cache zu finden), Rolli-Fahrer und Sehbehinderte werden Assistenz benötigen.
Die T-Wertung ergibt sich aus der Entfernung zum nächsten Parkplatz. Wir schätzen ihn eher einfacher ein.
Jetzt aber zur Geschichte.
Heute sausen wir auf dem Radweg durch das deutsch-niederländische Knotenpunktsystem. In der Ferne sehen wir die Straßenbrücke über die Rur. Der Fluss ist an seinem Oberlauf durch den Rursee reguliert und fließt meistens friedlich in seinem weitgehend begradigten Bett. Dass er auch „anders“ kann, haben wir im Juli 2021 erleben müssen. Durch Starkregen waren der Rursee und die Zuflüsse am Oberlauf so stark angeschwollen, dass es wortwörtlich kein Halten mehr gab. Ophoven musste gar evakuiert werden, die Menschen fanden in Birgelen Zuflucht. Auch durch andere Dörfer floss das Wasser, Straßen und Brücken waren gesperrt. Feuerwehr, THW und viele Helfer kämpften teilweise mit schwerem Gerät gegen die Fluten.
Wie müssen wir uns die Situation vor 200 oder 300 Jahren vorstellen?
Da stieg dann auch schon einmal der Pfarrer in einen wackeligen Kahn, um auf einem auswärts gelegenen und vom Wasser abgeschnittenen Hof die Sterbesakramente zu spenden. Der Überlieferung nach fanden er und der Knecht, der ihn abholte, ihren Trost in der Bibel-Episode vom Sturm auf dem See.
Zwischen Ophoven und Kempen gab es eine Fähre, und zwar mindestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts. Das wissen wir aus tragischem Anlass recht genau: Im März 1718 kamen 14 oder 15 Menschen bei einem Fährunglück ums Leben, die meisten davon Frauen auf dem Heimweg von einer Wallfahrt nach Birgelen.
Auf der Karte, die in den Jahren der französischen Besetzung des Rheinlandes unter der Federführung von Colonel Tranchot Anfang des 19. Jahrhunderts angefertigt wurde, ist im Bereich der heutigen Brücke das Wort „Bateau“ (Boot) zu erkennen. Etwa dort befand sich die Fähre.
Einen festen Fahrplan kannte man nicht. Der Fährmann musste rund um die Uhr in Bereitschaft sein. Für das Jahr 1829 ist eine Beschwerde dokumentiert – die Fahrgäste hätten zu lange gewartet. Es blieb bei einem Verweis seitens des Kempener Bürgermeisters an den Fährmann. Schließlich waren die Wartezeiten objektiv kaum messbar, denn wer hatte zu der Zeit schon eine Uhr dabei?
Allerdings waren die Tage der Fähre sowieso gezählt. Flussauf- und -abwärts entstanden Brücken, die auch von Fuhrwerken genutzt werden konnten, anders als unsere Fähre hier. So entstand eine Ur-Ur-Großmutter der heutigen Brücke im Jahre 1852. Die Benutzung war gebührenpflichtig, was wenige Monate später dazu führte, dass eine etwas knauserige Reisegruppe nur einen der ihren über die Brücke schickte und dieser bei Nacht und Nebel das Fährboot klaute, um den Rest abzuholen. Das ging gründlich schief und seitdem liegt die Fähre am Grund der Rur, wenn sie nicht längst über die Maas in die Nordsee gespült wurde. Immerhin kamen bei der Aktion keine Menschen zu Schaden. Die Fähre ist aber seitdem Geschichte.
Quellen….auch lesenswert, wenn Ihr mehr erfahren wollt:
Tranchot-Karte: www.tim-online.nrw.de/tim-online2/ (bitte genau so eingeben, sonst landet Ihr woanders)
Helmut Hawinkels, Sagen und Geschichten aus den Heinsberger Landen, Gollenstede Verlag, Heinsberg 2019
www.rurkempen.de - Webseite des Ortsring Rurkempen