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Der Lengenfelder Sommerkeller Traditional Cache

Hidden : 10/24/2020
Difficulty:
1.5 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   micro (micro)

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Geocache Description:


Eine Stätte der Erholung nach harter Arbeit, ein Schauplatz fröhlichen Lebens und Treibens bei ausgelassenen Festen, ein Rastplatz für fromme Pilger: all das war der Lengenfelder Sommerkeller.
Er lag an der linken Seite der Straße von Lengenfeld nach Oberostendorf, kaum eine halbe Stunde von Lengenfeld entfernt. Von diesem sehr alten, schon im Jahre 1059 erwähnten Ort, der dem Besucher mit mehreren stattlichen, auf das 15. Jahhundert zurückgehenden Bauernhöfen und einer interessaten spätmittelalterlichen Kirche aufwarten kann, war er auch auf einem Fußweg durch Feld und Wald erreichbar.
Die Wallfahrt zur Stockkapelle dürfte wohl der Grund dafür gewesen sein, dass dort schon sehr früh eine Brauerei mit einer Tafernwirtschaft in Betrieb genommen wurde. Diese Brauerei mit Wirtschaft wird schon im Jahre 1700 erwähnt.
Erst viel später legte man von seiten der Brauerei einen Sommerkeller an. Das war im Jahre 1862 der Fall. Eine Brandversicherungsurkunde aus diesem Jahre lautet auf den Namen Geyer Johann. Als Besitzer der Brauerei werden u. a. genannt:
Völk Gottfried; seine Ehefrau Annemarie, geborene Prestele.
Geyer Johann, geb. 1844 in Holzhausen, gest. 1904. Seine Ehefrau Theresia, geborene Schäffler, geb. 1848, gest. 1932.
Preisinger Martin, geb. 1871 in Schwabsoien, ges. 1924. Seine Ehefrau Josefa, geborene Geyer, geb. 1876, gest. 1932.
Der Keller war ein ebenerdiger Bau mit geschmackvoll gestalteter Fassade, an den sich auf der linken Seite ein Stadel anschloss. Vor diesem Stadel stand ein Pumpbrunnen. Eine aus 35 Stufen bestehende, aus Ziegelsteinen gemauerte Wendeltreppe führte in den Bierkeller hinab, der mit einem Tonnengewölbe und Stichkappen für die Fenster versehen war. Man konnte also wirklich von einem "tiefen Keller" sprechen, und man versteht es gut, dass die Gäste das vorzüglich gelagerte und herrlich gekühlte Bier gar nicht genug rühmen können. Der Schankbetrieb wurde von der Brauerei stets verpachtet. Als letzte Bedienung wird eine Anna Seefelder mit ihrer Tochter Viktoria genannt, die nach Aufgabe des Schankbetriebes einen Kramerladen in Lengenfeld aufmachte.
Eine sehr nett gestaltete Schenke mit Bierausschank - es gab braunes und weißes Bier (Scheps) - und eine kleine Küche war auch vorhanden. Zum Bier konnte man sich an einer trefflich mundenden Vespermahlzeit, bestehend aus würzigem Bauernbrot, Butter und Wurst, Backsteinkäse und selbst hergestelltem Kümmelkäse, laben. Zur Sommerzeit, an schönen Tagen, genoss man diese Köstlichkeiten am liebsten im Freien, in dem großen, mit vielen Bäumen bepflanzten und von einer Hecke umgebenen Wirtschaftsgarten.
Aber noch etwas besaß der Lengenfelder Sommerkeller, was eine besondere Attraktion für die Gäste darstellte: eine Kegelbahn. Sie bildete wohl einen Hauptanreiz für Gesellschaften und Vereine, ihre Festlichkeiten in diesem Keller abzuhalten.  
Wer waren nun die Gäste des Sommerkellers? Sie kamen aus allen Bevölkerungsschichten. Da ließen sich die Bauern der Umgebung mit ihren Dienstboten, besonders zur Erntezeit, das frische Bier gut schmecken. Keinen geringeren Durst hatten die Arbeiter der naheliegenden Kiesgrube. Gerne legten auch die Fuhrleute eine kurze Rast unter den schattigen Bäumen des Gartens ein und tranken 3 Quartel im Maßkrug. Schließlich stellten sich auch noch die Wallfahrer von der Stockkapelle als Gäste ein.
Hoch ging es her an den "blauen Montagen" und an den sogenannten Gesellschaften, die meist am Mittwoch oder Donnerstag stattfanden. Pfarrer, Lehrer und Studenten, kurz alles, was zur "Gesellschaft" gehörte, war hier anzutreffen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es allgemein sehr bedauert wurde, als im Jahre 1907 der damalige Besitzer der Brauerei, Herr Martin Preisinger, den Brauereibetrieb und den Bierausschank einstellte. Für Lengenfeld und Umgebung erlosch damit ein Stück Heimat, eine Stätte des Frohsinns und der Gemütlichkeit. Der Bierkeller wurde notdürftig zu einer Wohnung umgestaltet und vermietet und im Jahre 1922 ganz abgerissen. Die Lage des Gebäudes, der Kegelbahn und des Pumpbrunnens ist aber auch heute noch deutlich zu erkennen.

Leider war der Keller nach seiner Aufhebung Schauplatz einer grauenvollen Tat. Der Täter hieß Adam Angerer und war am 4. April 1888 in Kösching bei Ingolstadt geboren. Zur Zeit des Verbrechens bewohnte er mit seiner Frau und 4 Kindern die Kellerwohnung. Er hatte schon bei verschiedenen Bauern in Blonhofen, Aufkirch und Helmishofen gearbeitet. Zuletzt war er beim Bau der Bahnlinie Kaufbeuren-Schongau beschäftigt. Allgemein galt er als brutaler und sexuell abartig veranlagter Mensch.

Am Morgen des 21. August 1921 an einem Sonntag - überfiel er die Lehrerstochter Mina Kappelmayer vor seinem Hause, zog sie in einen Haferacker und überwältigte sie. Dann zerrte er sie die 35 Stufen hinunter in den ehemaligen Bierkeller und ermordete sie dort mit einer herzförmigen Hacke. Diese Hacke ist heute noch in Lengenfeld vorhanden. Während der folgenden Nacht grub er den Leichnam in der Kegelbahn ein. Um alle Spuren seiner Untat zu verwischen, schnitt er am nächsten Tag an dieser Stelle auf einem Sägeschragen Holz. Als er bei dieser Tätigkeit gefragt wurde, ob er wisse, wo sich das Mädel, dessen verschwinden natürlich schon aufgefallen war, denn befinde, antwortete er in seinem niederbayerischen Dialekt: "Die werden wohl d' Wagenleut' verzogen haben".
Polizei und Bewohner der umliegenden Ortschaften suchten tagelang vergeblich nach der Vermissten. Endlich am Donnerstagabend, entdeckte man den Leichnam, der sich in einem schauerlichen Zustand befand. Angerer wurde noch am gleichen Abend in Kinsau verhaftet, wo er mit seinen Arbeitskollegen von der Bahn am Biertisch zusammensaß. Man lieferte ihn in das Landgericht Memmingen ein. Dort wurde er wegen Raubmord mit Notzucht zum Tode verurteilt. Ein Polizeikommando erschoss ihn am 20. Dezember 1921 in der Justizstrafvollstreckungsanstalt zu Augsburg. Angeres Frau, auf die natürlich auch ein Verdacht auf Mithilfe zum Mord fiel, wurde freigesprochen, das sie nachweisen konnte, dass sie zur Zeit der Mordtat gerade Wasser in Lengenfeld geholt hatte, da der Pumpbrunnen wegen der damals herrschenden Trockenheit versiegt war. Die Frau wurde mit ihren Kindern aus ihrer Wohnung ausquartiert, der Keller später zugeschüttet, um die Erinnerung an das grauenvolle Geschehen nicht immer wieder aufs Neue zu wecken.
Das bedauernswerte Opfer fand seine letzte Ruhestätte in seinem Heimatort Eurishofen, wo heute noch der Grabstein von 1921 an der Friedhofsmauer zu sehen ist. Darauf steht folgende Inschrift:
Familie Kappelmayer
2 Söhne im Weltkrieg gefallen
"MINA"

So viel über den Lengenfelder Keller, der nicht ganz der Vergessenheit anheimfallen soll; denn er spiegelt ein Stück Zeit- und Heimatgeschichte wider mit all ihrer Lebenslust und ihrer Freude an Gemütlichkeit und gesellschaftlichem Treiben und einem schrecklichen Verbrechen.


Die Unterlagen lieferten die Familien Völk und Prestele in Lengenfeld, die Gemeindekanzlei Lengenfeld und die Staatsanwaltschaft Memmingen.
An Literatur wurde herangezogen:
Kurat Frank: Deutsche Gaue
Dr. Richard Dertsch, Stadt und Landkreis Kaufbeuren.

Additional Hints (Decrypt)

Uäyg jvr iba Mnhoreunaq vz Teüara.

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)