Wie immer ein paar Worte vorab....
Achtet, wenn Ihr hier im Wald unterwegs seid, unbedingt die Privatsphäre der Menschen auf den Campingplätzen. Solltet Ihr auf Schilder treffen, die auf militärische Sperrzonen hinweisen, dann beachtet auch diese und bringt Euch nicht in Gefahr.
Für Rolli-Fahrer ist der Cache vermutlich nicht erreichbar, Sehbehinderte werden Assistenz brauchen. Gehörlose sollten keine Probleme haben, der lange Text im Listing ist für das Finden des Caches an sich nicht erforderlich.
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Wenn wir hier heute im Wald spazieren gehen, ist es ruhig, friedlich, höchstens matschig. Gleichwohl stoßen wir, wenn wir die Augen offenhalten, recht oft auf die Spuren der einstigen militärischen Nutzung - recht eindeutig in Form von Warn- und Verbotsschildern in bestimmten Teilen des Waldes, etwas unauffälliger in der Nähe des Caches, wo man am Weg noch zwei große Zement-Blöcke sieht, die frühere Durchfahrtsperren halten konnten.

In den 1980er Jahren strotzte diese Gegend entlang der niederländischen Grenze vor Waffen, hier im Wald waren es konkret Pershing 1a-Raketen (Quelle des Bildes: wikipedia, unter der Creative Commons Attribution 2.0 Generic license). Spazierengehen war nicht möglich.
Die dazu passenden Atomsprengköpfe lagerten in Teveren und hätten rasch hierher transportiert werden können. Militärische Abschreckung war für alle damals etablierten politischen Parteien das Mittel der Wahl, um einen neuen Krieg zu verhindern. Die Theorie: wenn die eigene Seite nur immer mehr und immer schlagkräftigere Waffensysteme entwickelt und aufstellt, würde die andere Seite eines Tages die Überlegenheit erkennen, in den Verhandlungen einlenken und selber die Stationierung ihrer Raketen stoppen. Das war im Kern auch der Inhalt des sog. NATO-Doppelbeschlusses: weiter verhandeln UND weiter aufrüsten, auch hier im Wald. Fatal dabei nur: "der Ostblock", die andere Seite, dachte genauso, nur eben anders herum. Das Ergebnis ist heute als "Wettrüsten" bekannt, die 1980er Jahre gelten daher als eines der gefährlichsten Jahrzehnte der Menschheit.
Ein weiteres Ergebnis war allerdings, dass eine wachsende Zahl von Menschen diese Entwicklung kritisch sahen. Die Friedensbewegung mobilisierte hunderttausende, die zu Demos in die großen Städte kamen. Unterstützung fanden sie in Schriftstellern wie Heinrich Böll, Künstlern wie Joseph Beuys und Musikern wie BAP oder Joan Baez.

(Bild mit Joan Baez in Frankfurt, Quelle: wikipedia unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)
Aber eben auch sieben- oder achthundert Menschen nahmen den Zug in die "Provinz" nach Arsbeck. Das klingt nicht nach vielen Demonstranten, aber angesichts der Einwohnerzahl von Arsbeck von ca. 2.400 ist es relativ betrachtet doch recht beachtlich. Der kleine Bahnsteig konnte jedenfalls die An- und Abreisenden im Sonderzug nicht auf einmal bewältigen.
Der Zugang zum Raketenstützpunkt wurde zum Ziel von Ostermärschen, und auch Sitzblockaden fanden statt. Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht die Gewaltlosigkeit der Protestaktionen. Eine Augenzeugin berichtet von langen Zügen, deren Ende von der nächsten Kurve aus nicht zu sehen war und von Musikern und Verpflegungsmöglichkeiten in allen Dörfern. Gleichwohl stießen die Friedensbewegten - auch wenn sie teilweise aus christlichen Beweggründen heraus protestierten - in der überwiegend konservativen Einwohnerschaft auch auf Unbehagen und Misstrauen. Unter anderem aus der Friedensbewegung heraus entwickelte sich mit den GRÜNEN schließlich eine ganz neue Partei.
Das Ende der Raketen hier im Wald kam mit dem INF-Vertrag von 1987. In diesem verpflichteten sich USA und Sowjetunion gegenseitig zur kontrollierten Vernichtung von Atomraketen. Der Kalte Krieg ging zuende. Zum 31.12.1991 wurde das Flugkörpergeschwader 2, welches für die hiesigen Stellungen zuständig war, endgültig aufgelöst.
Quellen (auch zum Weiterlesen empfohlen):
- Der Spiegel
- Kulturring Wegberg e.V. (hier ist ein WDR-Beitrag aus den 1980er-Jahren verlinkt)
- Webseite der "Eisenbahn in Dalheim"
- wikipedia zum "Flugkörpergeschwader"
- Lokalkompass der Funke Mediengruppe "Soll man als 50plus-Mensch noch an einem Ostermarsch...teilnehmen"