Echter Marmor oder doch nicht?
Folgt man der gesteinskundlichen Begriffsdefinition (Petrographie) ist der "Lahnmarmor" kein Marmorgestein. Jedoch wird der Begriff "Marmor" im deutschsprachigen Raum für eine vielzahl von Kalksteinen, Kalkbrekzien, Dolomiten, Travertinen, Onyxmarmoren und anderen Gesteinen verwendet. Man spricht hier von dem Kulturbegriff "Marmor", wie er auch seit Jahrhunderten in der Literatur verwendet wird. Die petrographische Defintion von Marmor hat sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herauskristalisiert.
Im folgenden ist der Begriff Lahnmarmor, also als Kulturbegriff zu verstehen.
Bei hohem Druck und hohen Temperatur, die bei Sedimentsauflast und/oder tektonischer Versenkung herschen bildet sich Marmor aus Kalkstein. Ein anderer Prozess zu Entstehung vom Marmor ist die Aufheizung von Kalkstein in Kontakt mit Gesteinsschmelze, die sogenante Kontaktmetamorphose. Ein so entstandenes metamorphes Gestein wird als Marmor bezeichnet, wenn es mindestens 50 Volumenprozent Calcit, Dolomit und/oder Aragonit enthält.

Entstehung des Lahnmarmors
Vor rund 380 Millionen Jahren, im Erdzeitalter Devon, lag diese Gegend etwa 20° südlich des Äquators. Folglich war das Klima tropischer und die Sonneneinstrahlung nahezu senkrecht auf die Erd- und Wasseroberfläche. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag weit über 20 °C. Dieses Gebiet lag unter dem Meeresspiegel, wo es vulkanische Aktivitäten gab. Dadurch entstanden Untiefen, Inseln und Riffe. Diese Riffe wuchsen zu mächtigern Gebilden heran.
Alle Lahnmarmore sind also alte biogene Sedimentgesteine, meist Massenkalke aus den Resten riffbildender Organismen. Stromatoporen, eine ausgestorbene Tiergruppe, Meeresschnecken, tabulate und rugose Korallen, Dinoflagellaten, Foraminiferen, nicht-stromatoporide Schwämme, Goniatiten, Trilobiten, Ostrakoden, Bryozoen, Brachiopoden, Echinodermen sind Lebwesen aus deren Skeletten die "Lahnmarmor-Riffe" entstanden sind.
Im weiteren erdzeitlichen Verlauf durchspülte viel Wasser die Riffe und der Poren. Die Riffkalke färbten sich in diesen stellen rötlich, gräulich oder schwarz.
Durch Plattentektonik wurden die Gesteine mit samt der Kontinentalplatte, auf der sie entstanden sind, nach Norden verschoben. Es entstanden Risse, die sich mit Mineralsubstanzen füllten und heute als weiße, Strukturen, so genannte Adern zu sehen sind. Diese Strukturierungen werden auch als Marmorierung bezeichnet. Die heutige Textur und Härte des Gesteins bildete sich durch diagenetische Prozesse heraus.
Der Aufschluss im Villmarer Unica-Bruch
Der einzige von über hundert betriebenen Lahnsteinbrüchen, der heut noch zugänglich ist, ist der Unica-Bruch. Betritt man den Bereich des Steinbruches, erkennt man klar zwei Ebenen, die als Terrassen bezeichnet werden. Die Aufschlussbreite ist 15m und der Aufschluss ca. 6m hoch. Betrachtet man sich die gesägte und polierte Wand genauer, erkennt man die verschiedenen Wachstumsphasen des Riffes. Weltweit einzigartig ist wie klar man die Riffbildung erkennen kann. Zudem erkennt man auch versteinerte Reste der damaligen Bewohner des Stromatoporen-Riffes. Sehr selten gibt es gesägte Wände und wahrscheinlich ist dies einmaliges Zeugnis, wo man die Entwicklung eines Stromatoporen-Riffes so gut erkennen kann. Dies macht den Unica-bruch zu einem der bedeutendsten Geotope, nicht nur, in Deutschland.

Abbau und Verwendung von Lahnmarmor
Die Gewinnung und Verwendung von Lahnmarmoren ist über einen Zeitraum von ca. 400 Jahren dokumentiert. Für diesen Zeitraum sind über 100 Gewinnungsstellen nachgewiesen, die sich untereinander in Farbe und Struktur signifikant unterscheiden. Zu den frühesten Abbaugebieten der Lahnmarmore zählt die Gegend um Villmar (16. Jahrhundert). Der Abbau und die Verarbeitung von Lahnmarmor endet im Jahr 1970.
Die Marmorbrücke in Villmar und der Ausstattung des Weilburger Schlosses, das Foyer des New Yorker Empire State Buildings, der Palast des Maharadschas von Tagore, die St. Petersburger Eremitage oder für den Kreml in Moskau wurde Lahnmarmor verwendet. Außerdem wurden der Berliner, Würzburger und Mainzer Dom sowie die Klosterkirche Amorbach mit Lahnmarmor verziert.

Aufgabe
Bearbeite folgenden Aufgaben und sende die Antwort per E-Mail (bitte mit Antwortadresse). Nachdem die E-Mail gesendet wurde, kann sofort gelogt werden. Das individuelle Logfoto ist dem Online-Log beizufügen.
- Erkläre mit eigenen Worten ob der Lahnmarmor ein echter Mormor ist, oder nicht. Nenne Unterscheidungsmerkmale.
- Durch welchen geologischen Prozess ist Lahnmarmor entstanden?
- Was für Einschlüsse kannst Du an der polierten Stelle der gesägten Wand erkennen? Benenne diese.
- Wie breit und wie hoch ist die polierte Stelle?
- Mache ein Bild von Dir oder einem persöhnlichen Gegenstand und deinem Geocachingnamen/Geocachinglogo auf einem Papier mit den polierten Stelle der gesägten Wand im Hintergrund. Lade es bitte mit dem Log hoch. Erspart euch die Mühe Bearbeitungen mit Photosphop oder ähnlichen, um z.B. Namen im Bild einzufügen, zu erstellen.