Für diesen Earthcache benötigst du einen leichten aber kräftigen Magneten (oder ein paar, siehe Foto)!
Yesterday - erdgeschichtlich gestern ist unser hochbetagter Dauergast aus dem Norden hier eingetroffen. Er ist sehr viel älter als alle seine Verwandten hierzulande. Und er hat sich auch erst in recht vorgerücktem Alter auf die weite Reise begeben. Naja, eigentlich wurde er mitgenommen.
Und seine Reise führte ihn viel weiter südlich als die Allermeisten seiner Mitreisenden. Deshalb ist er hier auch etwas ganz Besonderes, eine Rarität. Die Geologen, die ihn genauer untersuchten, würden ihn in den Rang eines Geotops erheben.
Unser Freund ist relativ groß und trotz seines hohen Alters und leichter Blessuren von seiner weiten Reise ein sehr schmucker Kerl. Er ist bis 2,25 Meter lang und circa einen Meter breit und hoch. Er bringt etwa 3,8 Tonnen auf die Waage.
Sein Aussehen ist auch besonders. Damit ihn viele bewundern können, hat er 1999 einen Ehrenplatz an der Bushaltestelle "Gasthaus Tetta" in Tetta-Buchholz erhalten.

Sehr alter Schwede
Es handelt sich um einen roten Småland-Granit von der Ostküste Südschwedens. Das Alter des Findlings beträgt 1,6 Milliarden Jahre. 1,6 Milliarden Jahre - das sind 1.600.000.000 Jahre!
In Skandinavien ist das kein sonderlich hohes Alter. Weiter nördlich gibt es Gesteine (überwiegend Gneise) mit einem Alter von 2,5 bis 3,5 Milliarden Jahren. Die Ursache dafür ist, dass Skandinavien Teil einer ausgedehnten Kontinentalplatte ist. Einst bildeten sich die Plutonite tief im Untergrund, und seit dieser Zeit wird das Gebirge abgetragen.
In unseren Gefilden sieht das anders aus, denn hier befand sich ein Meer. In dieses Meer wurden die Verwitterungsprodukte der Umgebung getragen beziehungsweise gespült. So entstanden die ältesten einheimischen Gesteine, die Grauwacken. Vor rund 600 Millionen Jahren wurden sie als Sedimente gebildet. Unsere Ältesten sind also ungefähr eine Milliarde Jahre jünger!
Vor 500.000 Jahren, das sind 0,0005 Milliarden Jahre, wurde der Findling von den Gletschern der Elster-Eiszeit tief in den Süden transportiert. Bei der Erschließung der nahe gelegenen Tongrube wurde er in ungefähr einem Meter Tiefe gefunden.
Am äußersten Südrand des pleistozänen Vereisungsgebietes Europas treten derartig große Findlinge, die sich darüber hinaus noch einem Herkunftsgebiet zuordnen lassen, sehr selten auf.

Aussehen und Zusammensetzung des Granits
Für die Erkennung der Herkunft des Granits betrachten die Geologen viele Faktoren. Natürlich spielen das Aussehen und die prozentuale Zusammensetzung der einzelnen Komponenten eine große Rolle. Die Abkühlungsgeschwindigkeit ist entscheidend für die Größe der Kristalle. Auch das Wirken von tektonischen Kräften muss berücksichtigt werden.
Schlussendlich sprachen die ermittelten Ergebnisse für einen Virbo-Granit. Virbo ist der Herkunftsort. Virbo liegt westlich der Insel Öland und südlich von Uthammar bei circa N57 19.824 und E16 32.544.
Die Gesamtfärbung des Granits ist deutlich rotbraun. Das ist auf die mit 70 Volumenprozent dominierenden Kalifeldspatkristalle zurückzuführen. Sie sind meist 1 bis 1,5 cm groß, erreichen aber auch 2 cm Größe. Sie sind oft unscharf begrenzt und haben unregelmäßige ovale Formen.
Neben Kalifeldspat enthält der Granit auch Plagioklas (Kalknatronfeldspat), aber mit circa 5 % entschieden weniger. Plagioklas erkennst du an den helleren Flecken. Einige Kalifeldspäte besitzen helle Plagioklas-Augenringe.
Der Granit enthält ungefähr 15 % Quarz. Der Quarz ist unscheinbar und schwer zu erkennen. Genauere Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel des Quarzes hellgrau bis farblos und deutlich zuckerkörnig ausgebildet sind. Der Rest zeigt eine hellblaue Färbung.
Nun fehlt uns für einen Granit mit den Hauptbestandteilen Feldspat, Quarz und Glimmer nur noch der Glimmer. Dieser liegt in Form von Biotit (Dunkelglimmer) vor. Wir finden ihn in mehr oder weniger parallel angeordneten Biotitflasern, die dem Gestein teilweise ein fleckig-streifiges Aussehen geben.
Außer den Hauptbestandteilen Feldspat, Quarz und Glimmer können die Granite recht unterschiedliche "Beigaben" enthalten. Das sind relativ geringe Mengen bestimmter Minerale, die aber für die Bestimmung der Herkunft ausschlaggebend sein können.
Die Experten fanden als Besonderheit feinste Fluorit- und Epidotmineralisationen auf einigen Klüften des Findlings. Für den Laien ist das kaum zu erkennen.

An anderer Stelle können wir uns aber einbringen. Für die Bestimmung "unseres" Geschiebes war ein Fakt sehr wichtig: Das Vorhandensein von Magnetit. Das heißt, unser Findling enthält Magnetit, welches auch wir mit einem leichten aber kräftigen Magneten nachweisen können.
Ein weiteres Charakteristikum für den Virbo-Granit ist das Deformationsgefüge. Dieses tritt - im Vegleich zu anderen in Frage kommenden Herkunftsorten - nur bei Granit aus Virbo auf.
Bei dem durch tektonische Kräfte deformierten (augengneisartigen) Virbo-Granit zeigen viele Mineralkörner beträchtliche innere und äußere Deformationserscheinungen (zuckerkörniger Quarz, linsenförmige Minerale). Die deformierte Varietät erkennst du daran, dass die Feldspäte aussehen, als wären sie ausgewalzt worden. Zahlreiche Haarrisse zeichnen die "Walzrichtung" nach.
Aufgaben/Fragen:
1. Wie viele Kilometer (Luftlinie) hat das Geschiebe von Virbo bis Tetta-Buchholz ungefähr zurückgelegt? Bitte grob runden!
2. Wähle dir einen schönen roten Kalifeldspatkristall aus und beschreibe ihn und seine unmittelbare Umgebung genauer. Das heißt, gib seine Größe in Millimetern an, beschreibe seine Form (eckig, rund, oval, ...) und seine Oberfläche (eben, gewölbt, huckelig, glatt (geschliffen?), rau, ...). Wie sieht die Randzone aus? Wenn du etwas Außergewöhnliches entdecken kannst, dann beschreibe es bitte kurz!
Hinweis: Es geht um die Struktur des Gesteins, nicht um die ganz großen Risse!
3. Schau dir den Findling genau an. Woran kannst du erkennen, dass der Virbo-Granit deformiert wurde? In welcher Richtung (waagerecht, senkrecht, schräg im Winkel von etwa ... Grad) verläuft die Deformation (bezogen auf den heutigen Standort)?
Hinweis: Es geht um die Struktur des Gesteins, nicht um die ganz großen Risse!
4. Suche mit deinem mitgebrachten Magneten nach Magnetit. Beschreibe kurz, wo du es findest (zum Beispiel an rotem Feldspat, an hellen oder dunklen Komponenten, an glatten Oberflächen, in der Nähe von Rissen oder Kanten, ...).
5. Poste ein Foto, bei dem dein Magnet an einer (fast) senkrechten Oberfläche haften bleibt. Bitte so, dass das Straßenpflaster oder Ähnliches als Anhaltspunkt (für senkrecht) mit zu sehen ist.
Bitte sendet eure Antworten über das MessageCenter - dort geht nichts verloren. E-Mail geht auch, wenn ihr zeitnah loggt.
Bei Gruppen genügt eine Antwort über das MessageCenter. Schreibt dann aber bitte im Log, wer die Antwort gesendet hat.
Danach könnt ihr sofort loggen. Wir melden uns, wenn etwas nicht stimmen sollte.
Wir wünschen euch viel Freude und Erfolg mit diesem Earthcache!
Literatur:
[1] https://naturforschende-gesellschaft-der-oberlausitz.de/sites/default/files
/pdf/b16-09_tietz_schoebel_geschiebefunde.pdfweb.pdf
2008, Band 16, S. 109 - 120
[2] https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/granitoide/smalandgranite/virbo/virbotext.html
[3] https://skan-kristallin.de/schweden/regionen/smaland/smalandnordost/virbo/virbo.html
[4] https://www.kristallin.de/berg.htm
Karte: eigenes Archiv; Kartenquelle: OpenStreetMap
Fotos: eigenes Archiv
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