Wolken zogen vor den Halbmond und mit einem Mal wurde es stockfinster. Er holte eine Taschenlampe hervor und griff nach ihrem linken Arm. Als wäre sie auf die Idee gekommen zu flüchten. Sie konnte kaum mehr aufrecht gehen mit dem schmerzenden Knöcheln und dem Gefühl, jeden Moment in Ohnmacht zu fallen. Außerdem waren sie inzwischen viel zu weit im Wald und ohne seine Taschenlampe konnte sie den Boden vor ihren Füßen nicht sehen, geschweige denn den Weg. Sie stolperte wieder und eine Stimme in ihrem Kopf flüsterte, sie solle einfach liegenbleiben. Doch als er sie am Arm hochzog, fiel ihr Blick auf seine Hand und ihr kam eine Idee. Sie würgte kurz, keuchte: „Ich muss kotzen“ und ging ein paar unsichere Schritte weg vom Weg. Sein Lichtschein folgte ihr.
Die Geocacherin Lina erwacht im Morgengrauen am Ortseingang von Ottenhain. An die vergangene Nacht kann sie sich nur noch verschwommen erinnern. Da war die Disko, dieser Typ, ein Drink… und der Ottenhainer Wald, durch den er sie geführt. Ihr war von Anfang an nicht wohl dabei gewesen…
Und jetzt? Wo waren sie überall hingegangen? Und wo ist ihre Handtasche samt Inhalt? Ganz schwach weiß sie noch, dass sie – ganz Geocacherin – auf dem Weg einige Hinweise hinterlassen hat. Auch die Koordinaten des Parkplatzes, auf dem er seinen Van abgestellt hatte, bevor sie den Wald betraten, konnte sie sich noch notieren: N 51°04.712 E 012° 41.952. Jetzt muss sie beginnen, ihre Hinweise wiederzufinden, um sich die Ereignisse der letzten Nacht langsam ins Gedächtnis zu rufen.