Ehemaliger Steinbruch mit Harnischfläche bei Seeg
In der kleinen Ortschaft Seeg geht es heutzutage meist ruhig und beschaulich zu. Doch dass hier vor langer Zeit einmal große Kräfte für Bewegung sorgten, macht dieses geologische Relikt eindrucksvoll deutlich.
Der aufgelassene Steinbruch bei Seeg am Westrand des Sulzbergs zeigt den Aufbau der Weißach-Schichten am nördlichen Flügel der Murnauer Mulde. Diese geologischen Schichten sind nach dem Fluss benannt, der in den Tegernsee mündet. Beim Gesteinsabbau wurde hier eine auffällige sog. „Harnischfläche“ freigelegt.
Die Weißach-Schichten
Im Alttertiär, vor etwa 40 Millionen Jahren, entstand im heutigen Südbayern vor dem sich hebenden Alpengebirge eine langgestreckte Senke, das Molassebecken. Etwa 30 Millionen Jahre lang nahm es den Abtragungsschutt der Alpen auf. Zeitweise war es von einem Meer überflutet (Meeresmolasse), die übrige Zeit Festland mit Flüssen und Seen (Süßwassermolasse). Als Molasse bezeichnet man demnach Sedimentgesteine, die sich aus Abtragungsmaterial eines Gebirges in der Spätphase seiner Entstehung bilden (Quelle: lfu.bayern.de/geologie/bayerns_schoenste_geotope/53).
Die Weißach-Schichten, aus denen auch der benachbarte Senkele-Höhenzug besteht, zählen zu der Unteren Süßwassermolasse, ebenso die eindrucksvollen Allgäuer Nagelfluhketten. Im westlichen Teil des Beckens verdrängten riesige Schuttfächer aus Kies, Sand und Feinsedimenten sukzessive das Meer.
Bildung der Unteren Süßwassermolasse. Rot: Geotop-Standort
Erdgeschichtlich datieren die hier sichtbaren Schichten in die Zeit des
Oberoligozän (auch Chattium genannt). Sie haben ein Alter von etwa 22 bis 28 Millionen Jahren. Die Murnauer Mulde sind tektonisch aufgestellte Sedimente der Faltenmolasse, die eine größere Erosionsbeständigkeit als die südlich anschließenden Gesteinsformationen (Flyschzone) aufweisen (Quelle: lfu.bayern.de/geologie/geologie_bayerns).
Geologische Karte südlicher Landkreis Ostallgäu. Rot: Geotop-Standort
Entstehung der Harnischflächen
Nein, mit einer Ritterrüstung hat dieser Begriff nichts zu tun. „Harnisch“ (auch Gleitstriemen genannt) ist ein alter Bergmannsausdruck für eine Bewegungsspur auf einer Verwerfungsfläche. Tektonische Druck- oder Zugkräfte in den Erdplatten brechen an geologischen Schwachpunkten die Erdkruste auf. Solch eine Zerreiß- oder Bruchstelle im Gestein wird Verwerfung genannt, die Störung kann über Distanzen vom Zentimeterbereich bis zu hundert Kilometern verlaufen. Beim Aneinandergleiten der Gesteinspakete hinterlassen eingebettete härtere Gesteinskomponenten auf der Gleitfläche Kratzspuren in Richtung der Verschiebung. Die parallelen Striemungen weisen oft feine Abrisskanten auf, anhand derer sich die Bewegungsrichtung rekonstruieren lässt.
Im Seeger Steinbruch sind diese Spuren und die sog. Scherschollen, in die das Gestein zerlegt ist, besonders markant. Die blanken Flächen entstehen, wenn sie bei der Bewegung durch feines verriebenes Material (Mylonit), welches sich zwischen den Gesteinen einer Verwerfung befindet, abgeschliffen werden. An einigen Stellen wurden sie derart glatt poliert, dass sie zeitweise das Sonnenlicht reflektieren. Es handelt sich um ein bemerkenswertes Beispiel eines „Spiegelharnischs“ (Quelle: wikipedia.org/wiki/Harnisch_(Geologie)).

Schematische Darstellung verschiedener tektonischer Verschiebungen
Um diesen Earthcache zu loggen, beantwortet bitte folgende Fragen:
- Findet die Harnischfläche und beschreibt deren Eigenschaften (z.B. Größe, Aussehen, Lage, Farbe, vermutliche tektonische Bewegungsrichtung...)
- Wie unterscheidet sich die Harnischfläche von den benachbarten Gesteinen?
- Welche Färbung besitzt das Gestein, welches vor Ort abgebaut wurde? Wie kommt sie zustande?
- Versucht zu erklären, wodurch die hier anstehenden Gesteinsschichten als Molassegesteine zu erkennen sind.
Hinweis: Ihr könnt direkt am Steinbruch parken. Sozusagen ein "Drive-In-EC" 
Bitte schickt mir die Antworten per E-Mail oder über das Nachrichtencenter. Danach könnt ihr sofort loggen, ihr braucht keine Logfreigabe abzuwarten. Sollte etwas nicht stimmen, melde ich mich - keine Sorge, ich bin nicht zu streng. Ich würde mich über ein Foto von euch oder eurem GPS im Steinbruch freuen.
Gerade im Sommer ist er oft durch einen Stromzaun gesichert, mit Sträuchern zugewachsen und somit schwerer zugänglich. Dazu kommen manchmal misstrauische Seeger Muggel, die euch fragen werden, was ihr hier zu suchen habt. Wer sich davon abschrecken lässt, darf selbstverständlich die von mir hochgeladenen Bilder ansehen, um trotzdem einen Nah-Eindruck zu erhalten und die Fragen beantworten zu können.
Viel Spaß beim Erkunden!