
Sie waren arm dran, im mehrfachen Wortsinn, die Waisen vergangener Jahrhunderte. Manche wuchsen als Stiefkinder auf (die böse Stiefmutter ist legendär), andere kamen in Waisenhäuser wie das Friedrichs-Waisenhaus in Berlin. Ihr Schicksal besserte sich, als sich vor etwa 180 Jahren die Vorstellung durchsetzte, dass sie, Mädchen wie Jungen, sozialer Zuwendung bedurften, um selbstständige, gute Bürger zu werden. Es ging zunächst um menschenwürdige Unterbringung, gesunde Ernährung, Schule und Krankenbetreuung. Psychisches Leid spielte keine Rolle.
1847 fiel die Entscheidung, das chronisch überbelegte Friedrichs-Waisenhaus in der Stralauer Straße vor die Tore der Stadt zu verlegen. 1859 erfolgte der Umzug der Anstalt auf ein parkähnliches Gelände am Rummelsburger See, einem Ort mit gesunder Luft und gutem Trink- und Badewasser. In den zugehörigen Gärten wuchsen Obst und Gemüse. Und es gab sogar eine Krankenstation für akut chronisch erkrankte Kinder mitsamt zentraler Koch- und Waschküche - so etwas hatte Berlin bis dahin nicht gekannt.
Die Gesamtanlage des Waisenhauses entstand 1854-59 nach den Plänen von Stadtbaurat Gustav Holzmann zur Unterbringung von 500 Waisenkindern. Nach dem Pavillon-Prinzip wurden im landschaftsgärtnerisch anspruchsvoll angelegten Gelände je vier Wohnhäuser für Knaben und für Mädchen, ein Verwaltungsgebäude, ein Krankenhaus, ein Wirtschaftsgebäude und eine Turnhalle errichtet. Erweiterungen erfolgten 1890 nach Plänen von Herrmann Blankenstein durch eine Lazarettbaracke, ein Küchengebäude, ein Pförtnerhaus, eine Scheune und ein Feuerwehrhäuschen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Rummelsburger Waisenhaus als eines der vorzüglichsten Heime Deutschlands.
Auch nachdem durch Luftangriffe zur Jahreswende 1943-44 der größte Teil der Bauten zerstört war, wurden in den Knabenhäusern noch bis 1953 elternlose Kinder untergebracht. Unter ihnen befanden sich auch so genannte schwererziehbare Kinder, die vor allem infolge der Nachkriegsumstände sozial entwurzelt oder verwahrlost waren.
Von 1960 bis 1990 nutzten die Grenztruppen der DDR das Gelände als Kasernenstandort. Bis 1994 erfolgte eine teilweise Nutzung durch den Bundesgrenzschutz. 2004 wurden die erhalten gebliebenen Knabenhäuser von privaten Investoren saniert und zu Wohnhäusern umgebaut. (Quellen: Berliner Zeitung Nr. 176, Stadtgeschichte, 2. August 2021 und www.gedenktafeln-in-berlin.de)
Welchen Erziehungsmethoden die Kinder im Friedrichs-Waisenhaus ausgesetzt waren, lässt sich wohl nicht mehr recherchieren. Gegönnt wäre ihnen diese hier auf jeden Fall:

Genießt bei schönem Wetter vor oder nach dem Log die Aussicht an den Rätselkoordinaten und lasst euch dort von den Stimmen dieser Jungs verzaubern. Die Dose findet ihr hier:
