Wie immer, ein paar Worte vorab:
Als allererstes ganz ganz herzlichen Dank an thinkp, der Leon Knox und Paett ersonnen hat. Er hat uns erlaubt, neue Geschichten für die beiden Helden zu schreiben.
Dann eigentlich eine Selbstverständlichkeit, muss aber immer mal wieder gesagt werden: Privatgrund und Naturschutzbereiche sind tabu. Absolut tabu!
Wir würden uns freuen, wenn auch Cacher mit Handicap diesen Cache angehen. Vermutlich werdet Ihr Assistenz brauchen – Sehbehinderte und Rollifahrer am Final, Gehörlose vermutlich schon mit der Menge an Schrifttext. Über Eure Rückmeldungen und Tipps freuen wir uns.
Jetzt aber los mit……
Leon Knox: Familiensachen - Teil 2
Was bisher geschah……
Leon Knox, der weit über den Kreis Heinsberg hinaus berühmte Meisterdetektiv, und sein Mitarbeiter Paett werden von der frisch im Ruhestand befindlichen Managerin und ebenso frischgebackenen Inspirations-Coachin Dr. Helene-Veronika Becker angeheuert, um die Goldmünzen eines ihrer Vorfahren wiederzufinden. Unter sich nennen sie diese Klientin die Bienenkönigin.
Es stellt sich heraus, dass seit über 100 Jahren eine familiäre Beziehung zwischen dem Dörfchen Karken bei Heinsberg und Duisburg-Rahm besteht. Dabei spielen ein charismatischer Pfarrer, eine barocke Kirchenbank und zwei geheimnisvolle Kästchen ihre Rollen…und natürlich Jupp Soethendriss, den wir schon aus dem Fall des Kanzlers kennen.
Wenn Ihr es ganz genau wissen wollt, lest nach bei GC9CNPP!
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Den nächsten Tag verbrachte mein Chef auf einem Erdlager-Verstecker-Kongress, um über Abstandskonflikte, Naturschutz- und Eigentumsfragen zu referieren. Seine langjährige Passion qualifizierte ihn als gefragten Experten auf diesem Gebiet.
Wieder einen Tag weiter machten wir uns auf nach Duisburg-Rahm. Ich durfte meinen Chef kutschieren, während er die Presseberichte zu dem Kongress studierte. Im Radio nervte zu jeder halben Stunde eine neue Werbung mit Kinderchor: „Pick dir was Gesundes – Pieckarz Obst!“


Wir ließen es uns nicht nehmen, in der zwiebeltürmigen Pfarrkirche das Inventar zu bestaunen. Das war wirklich etwas Besonderes! Leon Knox wurde angesichts der Grupello-Madonna für seine Verhältnisse schwärmerisch…“Sehen Sie sich das an, Paett, die Frau hat doch mal Schwung! Nicht so eine brave Stubenhockerin, wie sie häufig dargestellt wird…denken Sie mal weiter: die hätte mit ihrem Kurzen auch Erdlager gesucht. Naja, die Kleidung könnte halt praktischer sein.“

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„Idyllisch hier“, bemerkte Knox, als wir schließlich die Hofanlage mit Pferdekoppeln am Ortsrand erreichten, „so hätte ich mir das Ruhrgebiet gar nicht vorgestellt.“
Frau Bianca Pieckarz, die Ehefrau des jüngsten Pieckarz-Ablegers auf der Duisburger Seite, empfing uns fröhlich am Tor mit dem Firmenschild „Pieckarz Obst“ (warum überraschte mich das nicht). „Sie kommen wegen des Kästchens. Freut mich, das ist schon eine irre Geschichte. Mein Mann ist ja der Urenkel vom Ernst Pieckarz…für den muss das sehr seltsam gewesen sein, als Bruder Norbert nach der Aktion mit dem Kirchenabbau in Karken so kappaafdich dort auf dem Land geblieben ist. Waren ja Zwillinge…aber die Familienbande hat gehalten. Die zwei Kästchen, die Ernst und Norbert in den 1920er Jahren in der Kirchenbank gefunden haben, sind unser Familienschatz – auch wenn nichts drin war außer den ollen Zetteln. Alles andere ist Kockelores…“
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Auf die Radiowerbung angesprochen, grinste sie diebisch. „Klar ist die etwas penetrant, wir haben uns diese Müsli-Jungs zum Vorbild genommen, Sie wissen schon, ‚Hörscht, Kalle…´. Alle sind genervt, aber alle kennen die Marke. Demnächst machen wir das als Rap. Wir müssen mit unserem alten Laden ja die jungen Leute erreichen. Mein Mann ist gerade auf Tour zu ein paar Schulkantinen…aber halt! Wer sind SIE denn???“ Sie unterbrach jäh ihr Dampfplaudern. Beim Aufsperren der Bürotür sahen wir uns zwei schwarz vermummten Gestalten gegenüber, die sich am Schreibtisch zu schaffen machten. Bianca Pieckarz schoss vor und setzte einen verblüfften Vermummten mit einer flotten Tritt-Hieb-Kombination einer mir unbekannten Kampfkunst außer Gefecht, während Knox und ich etwas weniger elegant, aber zum Glück vergleichbar effektiv die zweite Gestalt an der Flucht durch das aufgebrochene Gartenfenster hinderten.
Unter den Masken kamen ein bleicher Jüngling und eine ebenso bleiche junge Frau zum Vorschein. Letztere keifte zunächst wie ein Rohrspatz über Nötigung und Freiheitsberaubung, bis ihr mein Chef in einer kurzen juristisch prägnanten Vorlesung darlegte, wer hier eigentlich der/die Einbrecher*in und wer die Geschädigte war. Danach verlegte sie sich aufs Jammern, in das ihr Komplize irgendwann einstimmte. „Sie war so unglücklich, wir mussten ihr doch helfen.“… „Die arme Helene, so ein Verlust.“… „Einfach geklaut, aus dem Pistorius-Familienerbe.“ …„Da mussten wir doch was tun.“…„Die Tierschutzaktivisten steigen auch dauernd irgendwo ein.“ …„So eine tolle Frau. So mitreißend. Und so menschlich.“ So und ähnlich ging das. Aha, zwei Bienchen aus den Seminaren unserer Bienenkönigin.
Schließlich traf die Polizei in Gestalt zweier Schnauzbartträger ein. Der im Parka schaffte es, in mindestens jedem 2. Satz einen Kraftausdruck unterzubringen. Die beiden kamen mir irgendwie bekannt vor…aber egal. Die Möchtegern-Robin-Hoods nahmen sie jedenfalls mit.

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Bianca und Elmar Pieckarz, der inzwischen vom Kunden zurück war, Knox und ich besahen dann noch bei einem verdammt guten Kaffee das Original-Kästchen aus der Pistorius-Bank. „Ja, ja, die Geschichte vom Pieckarz-Schatz machte auch hier die Runde,“ wusste Elmar zu berichten. „Ein armer Eisenbahner, der auf einmal Obst- und Gemüsegroßhändler war. Dabei haben Ernst Pieckarz und seine Kinder nach dem Krieg bloß angefangen, hier auf den Märkten die Produkte vom Hof der Karkener Verwandtschaft zu verkaufen. Der Bedarf war riesig und die Pieckarz‘ fleißig und immer auf Zack. Haben hier dann auch selbst mit Anbau angefangen und Ende der 60er für den Obstbau als erstes einen Schmalspurtraktor angeschafft, der war eigentlich etwas für den Weinbau. Ein bisschen hat der alte Ernst wohl auch selber zum Tratsch beigetragen. Er erzählte uns Kindern, wie er mit seinem Zwilling in den Wäldern an der Rur und später hier in Duisburg Schätze gesucht hat. Vergeblich, das war immer die Pointe. Hat alle veräppelt, der alte Ernst, aber ich bin stolz, ihn noch kennengelernt zu haben, auch wenn ich sehr klein war damals.
Nichts gefunden, das hat Onkel Norbert in Karken Ihnen erzählt? Stimmt ja auch, aber ein bisschen gesucht haben sie damals schon. Im Gespann von dem Pfarrer Schönheit befanden sich einige Leute, die sich für Geschichte interessierten und auch Ahnung hatten. Einer war auf antike Artefakte aus, auf die Hügelgräber im Kreis Heinsberg etwa, aber mit Schatzkarten kannte er sich allgemein ganz gut aus. Der hat aus den barocken Zetteln ein Rätsel herausgelesen – und Koordinaten! Da haben sich Norbert und Ernst also in den Zug gesetzt und sind dorthin gefahren. Fehlanzeige, dort stand inzwischen eine Zinkhütte, was immer ein Mensch im 18. Jahrhundert dort also versteckt haben könnte – weg!“


Das war der Text auf dem Zettel:
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DER MUT, VERSTAND, DIE DUMMHEIT, DEMUT UND DIE LIEBE.
LAUT EHRE MIT DEINER STIMME UND IN DEINEM LIED DIE MENSCHEN,
DIE MIT MUTIGEM UND MÄCHTIGEM VERSTANDE
DAS VERARMTE SEIN DER MENSCHHEIT ZUM BESSEREN VERÄNDERN UND DIE DÄMONEN VERTREIBEN.
DIE VERDUMMTEN MENSCHEN JEDOCH VERDAMME MIR NIE, NIEMALS.
DEMUT LEITE DICH IM UMGANG MIT IHNEN, LIEBE SOLL DIR MANNIGFACH BEGEGNEN.
DOMINUS TECUM.
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Leon Knox hatte den Kaffee genossen und schien entspannt – für alle, die ihn nicht kennen. Aber sein messerscharf arbeitendes Hirn war keinesfalls in der Gemütlichkeit nach dem Einbruchsdrama versunken. „Lieber Herr Pieckarz, ich danke Ihnen herzlich für den Einblick in die Familiengeschichte. Ihre Familie bindet also seit etwa hundert Jahren der Welt einen Bären auf. Vom Talent Ihres Urgroßvaters fürs ‚Veräppeln‘ erzählten Sie ja. Aber die Geschichte hat nun mal einen dicker Haken!“ Typisch für ihn sah mein Chef Bianca und Elmar fest in die Augen. „Also…wie wäre es mit der Wahrheit?“
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Die Wahrheit kam ans Licht. Natürlich war eine Anzahl historischer Goldmünzen der Grundstock für zwei erfolgreiche kleine Familienunternehmen in Rahm und Karken gewesen. Verbunden mit einem ordentlichen Maß an Unternehmergeist, Diskretion und Sparsamkeit.
Dies beeindruckte auch unsere Auftraggeberin. Frau Dr. Becker – im Düsseldorfer Norden quasi „umme Ecke“ des dramatischen Geschehens - wurde durch unseren Bericht regelrecht in eine emotionale Achterbahnfahrt geschleudert. „Oh, mein Gott, was haben diese jungen Leute getan? Einbruch? Robin und Ronja, ein ganz liebes Pärchen. Mit denen habe ich vorgestern Abend nach dem Vortrag noch einen Tee getrunken. Vorher hatte ich Ihre Sprachnachricht abgehört. Ich habe mich wohl etwas emotional geäußert. Aber dass die beiden dann…nein...nein...schrecklich.“ Dass der Verbleib der Münzen ihres Vorfahren aufgeklärt werden konnte, erfreute sie dann ebenso wie deren sinnvolle Verwendung und das Wiederfinden eines Zweiges ihrer Familie.
Rasch wurden schon in den nächsten Tagen gemeinsame Projekte geplant – eine Kindertafel, um sozial benachteiligten Schulkindern zu gesunder und vitaminreicher Ernährung zu verhelfen. Ein Kapellen-Bauprojekt, dort, wo es sich die Pieckarz-Brüder vor hundert Jahren schon vorgestellt hatten. Motivierte junge Leute, die ihre Energie in sinnvolle Projekte stecken wollten, kannte die Bienenkönigin ja genug.
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Unseren Beitrag zu dieser geradezu märchenhaften Entwicklung der Dinge leistete Leon Knox mit einem persönlichen Anruf bei unserem ehemaligen Klienten Jupp Soethendriss. Da mein Chef entschlossen war, die offene Rechnung aus dem Frühjahr mit erheblichem Nachdruck einzufordern, hatte dieser letztlich die Wahl: Fairer Verkauf der Kapellen-Parzelle an Familie Pieckarz und stillschweigende Begleichung unserer Rechnung oder das volle Programm mit Pfändung, Gerichtsvollzieher, Vorladung zum „Offenbarungseid“ etc. Ich erwähnte es schon: Leon Knox kann sehr überzeugend sein.
Allerdings hatte die Geschichte auch seine philosophische Seite berührt. Als wir wenig später wieder einmal unsere Lieblingseisdiele aufsuchten, sinnierte er über seinen Sherlock-Holmes-Becher hinweg: „Paett, sehen Sie, vor 100 Jahren sind die Leute einem Pfarrer gefolgt, der eine Kirche bauen wollte. Den würde man heute wohl auch einen Influencer nennen. Heute besuchen sie Inspirations-Seminare einer Ex-Managerin. Die Suche nach Sinn im Leben folgt immer noch ähnlichen Mustern, Paett, faszinierend…“ „Darf ich Sie künftig meine Bienenkönigin nennen, Chef?“ „Nein.“
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Ende gut, alles gut.
Aufgaben:
Als erfahrenen Geocachern ist euch sicher klar, von welchem Haken Leon Knox spricht. Für einen Aspekt in der Pieckarz-Geschichte fehlte zum angeblichen Zeitpunkt seiner Entstehung einfach noch die Grundlage.
Wenn ihr wisst, worum es geht, findet das Jahr heraus, in dem die „Erfindung“ international anerkannt wurde. Seitdem verwendet man sie einheitlich.
Das ist ABCD.
Für die Nordkoordinate rechnet ihr….
N 51 (B+C+D).(C-A)(B-D+A)(D-A)
Für die Ostkoordinate müsst ihr es dem Artefakte-Experten gleichtun und den Zettel im Kästchen entziffern.
Sollten im Zielgebiet die Koordinaten springen, vertraut eurem Cacher-Instikt oder dem Hint.
….und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch einen kleinen Bonus. Wer beide Rätsel gelöst hat, wird wissen, wo. Wir werden in diesem Listing darauf hinweisen.