Die Geheimdienste sind leider ins Gerede gekommen. Und das führt - wenig überraschend - zu Nachwuchsproblemen. Langsam wird es Zeit, dass neue Agenten angeworben werden. Allerdings: Nicht jeder ist geeignet: Mal 'nen James Bond Film im Kino gesehen zu haben - das reicht nicht aus. Klare Sache: Man muss die Ungeeigneten aussortieren. Aber wie macht man das - ohne Kosten? (Wie überall bei der öffentlichen Hand herrscht auch hier das Diktat der knappen Kassen.)
Ganz einfach: Nur wer eine Bewerbung abgeben kann, kann auch der neue James Bond werden. Verfahren mit einer solchen Hürde für die Aussortierung ungeigneter Interessenten nennt der Fachmann Selbstkontrolle.
Für den modernen Spion ist die Nutzung "toter Briefkästen" ein zentrales Element - elektronische Medien weisen bekanntlich viel zu wenig Sicherheit auf. Also wird mit dem Auffinden eines toten Briefkastens die Spreu vom Weizen getrennt: Man gibt an, wo der sich befindet - doch man macht das so, dass nicht jeder ihn findet.
In Fachkreisen gilt als ausgemacht, dass der neue James Bond aus dem Kreis der Geocacher kommen wird. Tote Briefkästen aufspüren, die Nutzung von Geheimcodes, die Abwehr von unbefugten Mitwissern - Geocacher absolvieren die Agentengrundausbildung von ganz allein. Also wurde die Selbstkontrolle entsprechend gestaltet: Zwar ist das rot umrandete Kästchen, das die Agentennummer zuteilt, sehr auffällig - doch längst nicht jeder begreift, dass diese Nummer die Position des toten Briefkastens verrät.
Bekanntlich besteht jede Agentennummer aus einem Buchstaben und zwei Zahlen; auch 007 bildet da keine Ausnahme - wenn man die erste 0 richtig als Buchstaben O - also O07 - liest. Der Bewerber nimmt einfach den Zahlenwert des Buchstabens seiner Agentennummer als AB und die zwei Zahlen als C und D. Bei O07 wäre dann ABCD 1507.
Jetzt brauchen geeignete Geheimdienstanwärter nur noch die Formel:
(A+B) A (D-B) für Nord und (D-A-B-C) C (C+A) für Ost - wobei Grad und Minuten gleich bleiben.
Der alte Kasten unter dem liegenden Baum wirkt nicht wie ein toter Briefkasten eines Geheimdienstes. Manch einer lässt sich davon verwirren und glaubt, er würde bloß einen Geocache loggen. Denn es reicht, Nickname und Datum anzugeben - die erfreulich unbürokratische Bewerbung unterscheidet sich nicht von einem gewöhnlichen Log.