Lepidotes - das Fischfossil von Stockenboi
1979 gelang einem 8jährigen Mädchen aus Frankfurt am
Main in der Gemeinde Stockenboi ein aufsehenerregender Fund: Ein Fossil
eines Fisches (Lepidotes), der vor etwa 140 bis 200 Millionen Jahren
zwischen Jura und Kreide im Mesozoikum gelebt hatte. Es handelt sich
hier um den größten Fossilfund seiner Art in
Kärnten und somit um eine einzigartige Lokalität.
Eingebettet ist das Fischfossil in eine Platte aus bituminösem
Hauptdolomit. Der Körperabdruck des Fisches ist sehr gut
erhalten, auch die Schuppen und Flossen sind in allen Einzelheiten gut
zu erkennen. Lepidotes ist eine Gattung ausgestorbener Knochenfische,
die im Toarcium (Unterjura) bis zur frühen Kreidezeit in
Europa vorkam. Lepidotes-Arten waren relativ große Fische mit
gedrungenem Körper und länglichem Kopf. Der
Körper war mit kräftigen, emaillierten Schuppen
bedeckt. Ihre Augen waren klein, die Zähne spitz mit
abgerundeten Enden, somit gut geeignet, die Schale ihrer Beutetiere
(Mollusken) aufzubrechen.
Ausgestellt ist das Fischfossil unmittelbar neben seinem
Originalfundort in einer Vitrine der Eingangshalle des inzwischen
geschlossenen Gasthauses
Weißenbacher. Das Fischfossil ist jederzeit frei besichtigbar
(der freundliche Besitzer weiß Bescheid), es genügt
ein Anruf und es ist kein Eintritt zu bezahlen. Erwähnenswert
ist, dass das
Fischfossil vom Land Kärnten unter der ID VL 21 zum
Naturdenkmal erklärt wurde und somit gesetzlich
geschützt ist.
Fossilien
Unter Fossilien versteht man Zeugnisse des vergangenen Lebens der
Erdgeschichte, die älter als 10.000 Jahre sind. Derartige
erdgeschichtliche Dokumente können einerseits
körperliche Überreste von Lebewesen
(Körperfossilien) aber auch Nachweise ihrer Aktivität
(Spurenfossilien) sein. Erforschung von Fossilien ist in erster Linie
Aufgabe der Paläontologie, der Wissenschaft der belebten
erdgeschichtlichen Vergangenheit auf unserem Planeten.
Man schätzt heute, dass im Lauf der Erdgeschichte etwa 1 bis
1,5 Milliarden Arten entstanden und großteils wieder
ausgestorben sind. Nur wenige Arten - vermutlich unter 1% - sind davon
als Fossilien erhalten geblieben.
Körperfossilien gehen unmittelbar auf ganze Körper
oder Körperteile von toten Lebewesen zurück. Je nach
ihrer Größe unterscheidet man Makrofossilien (die
mit bloßem Auge sichtbar sind), Mesofossilien (nur mit Lupe
sichtbar), Mikrofossilien (nur mit Lichtmikroskop sichtbar) und
Nanofossilien (nur mit Elektronenmikroskop sichtbar). Meistens sind mit
Fossilien Makrofossilien gemeint, die man auch in der Natur beobachten
kann. Bei Körperfossilien muss nicht das originale
Körpergewebe erhalten sein, oft wurde das originale Gewebe im
Zuge der Fossilisation durch Mineralien oder Sedimente (Kalkschlamm,
Schluff) ersetzt.
Bei Körperfossilien unterscheidet man je nach Erhaltungsform:
- Originalerhaltung: Hier sind üblicherweise nicht die
Weichteile, sondern die Hartteile des Körpers erhalten, also
Knochen, Schalen oder Außenskelette.
- Steinkerne: Diese sind typisch für wirbellose Tiere mit
Außenskelett, z. B. Ammoniten oder Schnecken - nach Ableben
des Tieres zerfällt die organische Substanz, der entstehende
Hohlraum füllt sich mit Sediment, welches verfestigt. Wird das
Außenskelett im Lauf der Jahrmillionen aufgelöst,
bleibt die verfestigte Füllung als Steinkern erhalten.
- Abdrücke: Diese sind die Negativformen von
Körperfossilien in Originalerhaltung oder Steinkernen.
Besonders von Wirbeltieren bleiben auf Grund ihres Innenskeletts
manchmal nur Abdrücke erhalten.
Spurenfossilien oder Lebensspuren sind keine Reste oder
Abdrücke von toten Körpern, sondern
Hinterlassenschaften, die durch die Tätigkeit bestimmter
Organismen verursacht wurden. Dies können Trittsiegel,
Fährten, Grabgänge, Bohrspuren, Fraßspuren,
fossile Eierschalen oder auch fossilisierte Kotspuren (Koprolithen)
sein.
Fossilien sind nicht nur wichtige Zeugen vergangenen Lebens, sondern
auch vergangener Lebensräume. Sie dienen als wichtige Hinweise
auf ehemalige geographische und ökologische
Verhältnisse. Findet man etwa im Gebirge ein in Kalkstein
eingebettetes Fossil eines ehemaligen Meeresbewohners, so kann man
davon ausgehen, dass sich hier einstmals ein Meer befand. Weiters
können geochemische Analysen von Fossilien (bei
Originalerhaltung), vor allem Messungen der Isotope von Kohlenstoff und
Sauerstoff, Aufschluss über die globalen
Umweltverhältnisse in vergangenen Erdzeitaltern geben.
Letztendlich stützen Fossilien bestimmter Einzeller und ihr
Vorkommen auch Hypothesen, wann und wo das Leben auf der Erde
entstanden sein dürfte.
Entstehung des
Fischfossils
Zur Zeit, als die Fische der Gattung Lepidotes lebten,
befand sich vor Ort ein flacher Randbereich des sogenannten Jurameeres,
eines Teilgebiets der Neothetys, jenes Ozeans, dessen
Vorläufer sich einst zwischen den beiden
Großkontinenten Laurasia und Gondwanaland gebildet hatte. Das
Jurameer war ein tropisches, warmes Meer mit zahlreichen Bewohnern -
Korallen, Ammoniten, Fischsauriern, diversen Muscheln und Schnecken und
eben auch Fischen.
Der Hauptdolomit, jenes Gestein, in welches das Fischfossil von
Stockenboi eingebettet ist, entstand damals als chemisches Sediment am
Meeresgrund durch Ausfällung in seichten und weiten
Lagunenregionen und Flachwasserbereichen, teilweise auch in zeitweise
trockenfallenden Wattbereichen. Hauptdolomit ist ein dolomitisiertes
Kalkgestein, das statt des Calciums im Kalk mit Magnesium angereichert
wurde. Das Gestein ist von hellgrauer bis bräunlich-grauer
Farbe (die Grautöne entstehen durch einen Anteil an Bitumen,
ein Erdölprodukt) mit geschichtetem Aufbau und starker
Zerklüftung. Dieses Gestein ist ein Hauptgipfelbildner der
westlichen Ostalpen, im Südalpenbereich, wo das Gestein
Dolomia Principale genannt wird, erreichen seine Schichten eine
Mächtigkeit von über 3000 Metern.
Der Hauptdolomit gilt allgemein als fossilarmes Gestein, was dem
Fossilfund von Stockenboi eine ganz besondere Bedeutung verleiht.
Damit sich das Fossil bilden konnte, musste Lepidotes zuerst einmal
sterben - und das so, ohne dass es Zeitgenossen bemerkten, sonst
wäre der Kadaver gefressen worden. Daher war es sehr wichtig,
dass der tote Fisch rasch von feinem Sediment begraben wurde - man
nimmt an, dass solche Bedingungen, die das Entstehen von Fischfossilien
ermöglichten, vor allem im Mündungsgebiet von
Flüssen vorlagen, die entsprechendes Sediment einbrachten. Nun
wurde der Fischkörper im Sediment langsam umgebildet - die
organischen Materialien zersetzten sich und wurden durch anorganisches
Sediment (Schlamm) ersetzt. Durch den Druck darüber
abgelagerter Schichten wurde der Fischkörper
zusammengedrückt - heutige Fischfossilien wirken meist so, als
wäre der Fisch sehr schmal gewesen - ein Eindruck, der durch
das erfolgte Zusammenpressen des ehemalig dickeren und rundlicheren
Körpers entsteht. Ein weiterer wichtiger Aspekt, damit das
Fossil schließlich über Millionen von Jahren
erhalten bleiben konnte: Die fossilführende Schicht durfte
nicht verformt oder umgewandelt werden, es durfte zu keiner
Metamorphose durch hohen Druck oder Temperaturen kommen, weil die
Schicht im Zuge tektonischer Bewegungen in tiefere Schichten der
Erdkruste verfrachtet wurde. All diese Umstände spielten hier
also zusammen, um das Fischfossil von Stockenboi zu erhalten. Dass das
Fossil schließlich freigelegt wurde, war die Folge von
Baggerarbeiten - und der Fund ein Glücksfall.
Um den Cache zu loggen musst du folgende Fragen per Message
beantworten:
1.) Beschreibe das Fossil (Größe, Aussehen, Details)
mit eigenen Worten! Handelt es sich um ein Spurenfossil oder
Körperfossil?
2.) Zu welcher Klasse gehört das Fischfossil?
3.) Beschreibe kurz, wie das Gestein, in welches das Fischfossil
eingebettet ist, aussieht (Farbe, Struktur...). Wo ist dieses Gestein
deiner Meinung nach ursprünglich entstanden?
4.) Optional: Poste ein Foto von dir bzw. deinem GPS in Nähe
der Headerkoordinaten zusammen mit deinem Logeintrag.
Wenn du deine Message mit den
Antworten abgeschickt hast, kannst du den Earthcache loggen. Nur wenn
irgendwas nicht passen sollte, werde ich mich per Message melden. Viel
Spaß!
Lepidotes - Stockenboi's fish fossil
In 1979 an 8-year-old girl from Frankfurt am Main (Germany) made a
sensational find in the municipality of Stockenboi: a fossil of a fish
(Lepidotes) that lived between the Jurassic and Early Cretaceous in the
Mesozoic Era about 140 to 200 million years ago. This is the largest
fossil find of its kind in Carinthia and therefore an unique location.
The fish fossil is embedded in a slab of bituminous main dolomite. The
fish's body imprint is very well preserved, and the fish scales and
fins are clearly visible in every detail. Lepidotes is an extinct genus
of semionotid neopterygian ray-finned fish from the Jurassic period
(Torcian age) and Early Creaceous. Inhabitating both freshwater lakes
and shallow seas, Lepidotes was typically more than 30 centimetres
long. The body was covered with thick, enamelled scales. Batteries of
peg-like teeth enabled Lepidotes to crush the shells of its molluscan
prey. The fish fossil is exhibited right next to its original location
in a showcase in the entrance hall of the (closed)
Weißenbacher inn.
The fish fossil is open to the public at any time (the friendly owner
knows), just call the owner of the house, there is no entrance
fee. It is
worth mentioning that the fish fossil has been declared a natural
monument by the Federal State of Carinthia under ID VL 21 and is
therefore protected by law.
Fossils
Fossils are evidence of the past life of the earth's history that is
more than 10.000 years old. Such geological documents can on the one
hand be physical remains of living beings (body fossils) but also
evidence of their activity (trace fossils). Research into fossils is
primarily the task of paleontology, the science of the living
geological past on our planet.
Today it is estimated that in the course of the earth's history about 1
to 1.5 billion species have emerged and most of them have become
extinct again. Only a few species - probably less than 1 % - have been
preserved as fossils.
Body fossils can be traced back directly to whole bodies or body parts
of dead living beings. Depending on their size, a destinction is made
between macrofossils (which are visible to the naked eye), mesofossils
(only visible with a magnifying glass), microfossils (only visible with
a light microscope) and nanofossils (only visible with an electron
microscope). Mostly, fossils refer to macrofossils that can also be
observed in nature. In the case of body fossils, the original body does
not have to be preserved; the original tissue was often replaced by
minerals or sediments (lime silt, silt) in the course of fossilization.
In the case of body fossils, a distinction is made depending on the
form of conservation:
- Original preservation: Here it is usually not the soft parts but the
hard parts of the body that have been preserved, i.e. bones, shells or
exoskeletons.
- Stone cores: These are typical of invertebrates with an exoskeleton,
e.g. ammonites or snails - after the animal dies, the organic substance
disintegrates, the resulting cavity fills with sediment, which
solidifies. If the exoskeleton is dissolved over the course of millions
of years, the solidified filling remains as a stone core.
- Imprints: These are the negative forms of body fossils in original
condition or stone cores. Vertebrates in particular sometimes only have
prints due to their inner skeleton.
Trace fossils or traces of life are not remnants or imprints of dead
bodies, but remnants that were caused by the activity of certain
organisms. These can be step seals, tracks, burial tunnels, drill
marks, feeding marks, fossilized egg shells or fossilized fecal marks
(coprolites).
Fossils are not only important witnesses of past life, but also of past
habitats. They serve as important references to former geographical and
ecological conditions. If, for example, one finds a limestone fossil of
a former marine life in the mountains, one can assume that there once
was a sea here. Furthermore, geochemical analyzes of fossils (with
original preservation), especially measurements of the isotopes of
carbon and oxygen, can provide information about global environmental
conditions in past geological ages. Ultimately, fossils of certain
unicellular organisms and their occurence also support hypotheses as to
when and where life on earth might have originated.
Origin of the fish fossil
At the time when the fish of the genus Lepidotes lived,
there was a flat edge area of the so-called Jurassic Sea, a sub-area of
the Neothetys, the ocean whose precursors had once formed between the
two major continents Laurasia and Gondwanaland. The Jurassic Sea was a
tropical, warm sea with numerous inhabitants - corals, ammonites,
ichthyosaurs, various mussels and snails and also fish.
The main dolomite, the rock in which the fish fossil from Stockenboi is
embedded, was created as a chemical sediment on the sea floor through
precipitation in shallow and wide lagoon regions and shallow water
areas, sometimes also in tidal areas that occasionally fell dry. Main
dolomite is a dolomitized limestone that has been enriched with
magnesium instead of the calcium in the lime. The rock is from light
gray to brownish-grey in colour (the grey tones are caused by a
proportion of bitumen, a petroleum product) with a layered structure
and strong fissures. This rock is one of the main peak builders in the
western Eastern Alps, in the southern Alps, where the rock is called
Dolomia Pricipale, its layers reack a thickness of over 3000 meters.
The main dolomite is generally considered to be a low-fossil rock,
which makes the Stockenboi fossil find very special.
In order for the fossil to form, Lepidotes first had to die - and that
without being noticed by contemporaries, otherwise the carcass would
have been eaten. It was therefore very important that the dead fish was
quickly buried by fine sediment - it is believed that such conditions
that allowed the formation of fish fossils were especially present in
the estuaries of rivers that brought in the corresponding sediment. Now
the fish body was slowly transformed in the sediment - the organic
materials decomposed and were replaced by inorganic sediment (sludge).
The body of the fish was compressed by the pressure of layers deposited
over it - today's fish fossils usually look as if the fish had been
very narrow - an impression that is created by the compression of the
formerly thicker and more rounded body. Another important aspect so
that the fossil could ultimately be preserved for millions of years is:
The fossil-bearing layer was not allowed to be deformed or transformed,
there was no metamorphosis due to high pressure or temperatures,
because the layer in the course of tectonic movements was shipped into
deeper layers of the Earth's crust. So all these circumstances came
together here to obtain the fish fossil from Stockenboi. The fact that
the fossil was finally uncovered was the result of dredging work - and
the find was a stroke of luck.
Your task to log the cache:
Answer the following questions via message via my geocaching profile:
1.) Describe the fossil (size, appearance, details) in your own words!
Is it a trace fossil or a body fossil?
2.) Which class does the fish fossil belong to?
3.) Briefly describe what the rock in which the fish fossil is embedded
looks like (colour, structure...). Where do you think this rock
originally came from?
4.) Optional: Add a picture to your log showing you or your GPS near
the given coordinates in the header.
After you've sent me the message
with your answers, feel free to log! Only if there's something wrong,
I'll contact you via message!
Quellen/sources:
Commons.wikimedia.org
Frickhinger, K. A.: Fossilien-Atlas Fische. Melle 1999.
Lehmann, U.: Paläontologisches Wörterbuch. Stuutgart
1996(4).
www.stockenboi.at
wikipedia.org
Das Bild stammt vom Autor.
Enjoy the location!
The
most exciting way to learn about the Earth and its processes is to get
into the outdoors and experience it first-hand. Visiting an Earthcache
is a great outdoor activity the whole family can enjoy. An Earthcache
is a special place that people can visit to learn about a unique
geoscience feature or aspect of our Earth. Earthcaches include a set of
educational notes and the details about where to find the location
(latitude and longitude). Visitors to Earthcaches can see how our
planet has been shaped by geological processes, how we manage the
resources and how scientists gather evidence to learn about the Earth.
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