Skip to content

Kies und Kiesel am Jllerursprung EarthCache

Hidden : 9/16/2021
Difficulty:
3 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size:   other (other)

Join now to view geocache location details. It's free!

Watch

How Geocaching Works

Please note Use of geocaching.com services is subject to the terms and conditions in our disclaimer.

Geocache Description:


Jllerursprung

Mit diesem Earthcache möchte ich euch einen ganz besonderen, eindrucksvollen, fast mystischen Ort im Norden von Oberstdorf zeigen:
den Jllerursprung.

Gerade an heißen Tagen ist es ein wunderschöner Ort zum Entspannen und Ausruhen. Auch im Winter lohnt sich ein Besuch, wobei ich im Winter den Wanderweg von Fischen zum Jllerursprung mit ständigem Blick auf den Allgäuer Hauptkamm empfehle. Von dort aus ist der Cache aber nicht machbar!

An den Listing-Koordinaten steht eine Tafel, auf der die drei Flüsse, welche an ihrem Zusammenfluss die Jller bilden, aufgeführt sind. Außerdem stehen hier große Gesteinsblöcke. Auch am Ufer der Trettach sind künstlich große Gesteinsblöcke zur Ufersicherung aufgetürmt. Um diese soll es bei diesem EC nicht gehen, sondern um die Gerölle und Kieselsteine im Flussbett.
 
Jllerursprung / Kiesbank

Wie kommen die Gesteine in die Alpenflüsse?

Neben der Jller entspringen auch die Flüsse Lech, Isar und Inn im Hochgebirge der Ostalpen. Auf ihrem Weg nehmen sie Material aus den seitlich einmündenden Schutt- und Murfächern auf, die vor allem eckige Gesteinsfragmente enthalten. Dieses Material ist letztlich Frostschutt, den der Spaltenfrost vorher aus den Gesteinswänden herausgelöst hat. Bei Hochwasser reißen die Flüsse diese Gesteinsbruckstücke mit und rollen sie zu Geröllen ab.

Schon nach wenigen Kilometern Flusstransport sind die Gesteinsfragmente deutlich gerundet. Es lassen sich allerdings nur widerstandsfähige Gesteinsarten weitertransportieren. Weniger widerstandsfähige Komponenten, wie tonig-mergelige oder besonders rissige Gesteine, werden aufgearbeitet und sind rasch verschwunden.

Krottenspitzen

Von den Schutthalden unter den Felswänden der Alpen kommen die Kieselsteine letztlich her. Dort liegt der Ursprung ihrer langen Wanderung. Die durch Spaltenfrost aus dem Hauptdolomit der höchsten Allgäuer Berge, den Krottenspitzen (im Foto oben im Hintergrund), gesprengten eckigen Gesteinsbruchstücke sammeln sich in den Schutthalden, werden durch Muren in die Gebirgsbäche gespült und bei jedem Hochwasser talwärts umgelagert. Dabei verlieren die eckigen Fragmente ihre Kanten und werden zunehmend rundgerollt.

Gletscher als Förderband

Einige kleine Gletscher, etwa der Jller- oder der Lech-Wertach-Vorlandgletscher, hatten ihre Nährgebiete während der Eiszeit mehr oder weniger dort, wo die gleichnamigen Flüsse heute noch entspringen: in den Lechtaler Alpen, den Tannheimer Bergen und den Allgäuer Alpen. Alle drei Gebiete zählen zu den Nördlichen Kalkalpen. Ihre Flusskiesel enthalten keine Gerölle, die aus den Zentralalpen stammen. Somit fehlen hier die typischen „Kristallingerölle“. Jller und Lech sind weitgehend frei von den bunten und farbenfreudigen Kristallingeröllen und bestehen fast ausschließlich aus Kalk-, Dolomit- und Sandsteingeröllen.

vereinfacht dargestellte geologisch-tektonische Karte über die Herkunft der Gerölle

Auf der obigen sehr vereinfacht dargestellten geologisch-tektonischen Karte ist die Herkunft der Gerölle gut zu erkennen.

"Die Wilde" Trettach, vor der die Einwohner Oberstdorfs viel Respekt besitzen, entspringt an dem gleichnamigen Berg, in der Trettachrinne, und führt demzufolge Gesteine der geologische Epoche des Ostalpin, zu welcher die Nördlichen Kalkalpen zählen, mit sich.

Der Hauptdolomit (Obertrias, vor 237 und 201 Mio Jahren) bildet die bedeutendste gebirgsbildende Schichtgruppe in den Nördlichen Kalkalpen, wo er große Mächtigkeiten erreicht und viele markante und hohe Berge aufbaut. Vor allem im Westen, u.a. in den Allgäuer Alpen, bilden die Gesteine des Hauptdolomits die höchsten Gipfel.

Die Stillach entspringt als Haldenwanger Bach in der Nähe des Haldenwanger Ecks (dem südlichsten Punkt Deutschlands) und ändert danach noch zwei Mal ihren Namen. Als Rappenalpbach fließt sie durch das Rappenalptal, bis sie vor Oberstdorf zur Ruhe kommt und als „Die Sanfte“ Stillach breit und ruhig in vielen Windungen im Oberstdorfer Tal dahinfließt. Sie bringt viele Gesteine vorwiegend der Flyschzone heran.

Flysch (gespr. "Fliesch", eine schweizerische Bezeichnung für Felsmaterial, das zu Bergrutschen und Hangrutschen neigt) bezeichnet in der Geologie eine von der Gesteinszusammensetzung abwechslungsreichen Wechselfolge von oft kalkhaltigen Sandsteinen und Tonsteinen, die intensiv verformt sein kann. Gebildet haben sich die Flysche von der Unterkreide bis ins Eozän (vor ca. 150 bis 50 Mio Jahren) und sind damit jünger als die typischen Alpenkalke der Triasepoche (um die 250 bis 200 Mio Jahre).

Die Breitach entspringt im Kleinwalsertal. Auf ihrem Weg bis nach Oberstdorf schneidet sie sich in der Breitachklamm über zwei Kilometer in das harte Gestein ein und transportiert aus dem Kleinwalsertal viele Gerölle des Helvetikums. Das Naturdenkmal Breitachklamm, eine "Werkstatt der Kieselsteine", ist ebenso für eine Wanderung sehr empfehlenswert.

Die Gesteine des Helvetikums bestehen aus Sedimenten des Mesoziokums (Erdmittelalter, vor etwa 252 bis 66 Mio Jahren) und des Tertiärs (vor 66 bis 2,6 Mio Jahren). Es sind Kalke und Mergel, die im flachen Schelf am Nordrand des Tethys abgelagert und als letztes von der Alpenfaltung erfasst wurden.

Dies stellt eine nur sehr vereinfachte Systematik dar.

Kies und Kiesel“ - einige Definitionen

"Kies" hat in der deutschen Sprache mindestens drei unterschiedliche Bedeutungen.

Zum einen meint man mit dem Wort "Kies" schwefelhaltige Erze, z. B. Schwefel-, Kupfer-, Arsen- und Zinnkies.
Zum anderen bezeichnet "Kies" im geologischen Sprachgebrauch eine lockere Anhäufung von Geröllen, auch Schotter genannt.
(Und zum dritten – und dies nur in Klammern – wird in der Gaunersprache Geld als „Kies“ bezeichnet. Diese Bedeutung liegt durchaus nicht fern, denn mit den Kiesen, den Erzen und den Schottern wurde und wird viel Geld verdient...wink)
 
Das verwandte Wort "Kiesel" hat zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen werden mit dem Wort Kiesel oder Kieselsteine umgangssprachlich Gerölle oder Rollsteine bezeichnet; also durch Transport im fließenden Gewässer rund gerollte Gesteinsfragmente. Solche „Flusskiesel“ finden wir an den Kiesbänken neben unserer Jller zum Beispiel auch an Isar, Lech und Inn.

Geologen und Mineralogen vermeiden es nach Möglichkeit, „Kiesel“ zu sagen, wenn sie Gerölle meinen. Zu leicht könnte es zu Verwechslungen mit der Kieselsäure führen. So werden als „kieselig“ alle möglichen quarzhaltigen Verbindungen bezeichnet. Diese quarzhaltigen Kieselsteine könnten sich durchaus auch an diesen Gebirgsflüssen wiederfinden.

Eigenschaften der Kieselsteine

Die Farben der Steine

Es gibt weiße, schwarze, graue, dunkel- und hellgrüne, rosafabene, rote, aber auch scheckige und bunte Steine. Im trockenen Zustand erscheinen sie pastellfarben, in feuchtem Zustand oder unter Wasser werden die Farben dunkler und kräftiger. Viele eintönig gefärbte Steine zeigen dann kontrastreiche Flecken und Bänder.

Netzmuster und Äderung

Manche Gerölle sind von einem bizarren Netzwerk aus weißen bis hellbraunen Calcit- und Quarzadern durchsetzt. Dies ist ein Zeichen für spröde Deformation des Gesteins durch tektonische Vorgänge in der Erdkruste.

Oberflächenbeschaffenheit

Viele Kieselsteine sind homogen und durch den Flusstransport glattgeschliffen. Andere sind körnig oder löcherig, haben stufig gebrochene Oberflächen und / oder weisen unzählige Risse auf.

Rundungsgrad

Durch gegenseitiges An- und Aufschlagen auf den Untergrund erfolgt ein mehr oder weniger starker Abrieb. Es genügt ein Transportweg von 15 bis 30 km, um die meisten Gerölle zu verrunden. Der Grad der Rundung hängt außerdem unter anderem von der Fließgeschwindigkeit, dem Gefälle des Wassers und vom Gestein selbst (Material, Härte, Größe, Form usw.) ab.

Kratzer als Zeichen von schiebendem Transport

Da die Wasserströmung Gerölle im Flussbett nicht nur rollend oder hüpfend, sondern vielfach eher schiebend weitertransportiert, werden sie mitunter auch als „Flussgeschiebe“ bezeichnet. Es ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem auf bzw. im Eis eines Gletschers oft nur kantengerundeten „Gletschergeschiebe“, welches man im Hochland der Alpen, im Vorfeld noch aktiver Gletscher, beobachten kann.

 

Collage Kieselsteine

Nr.

Name

Eigenschaften

Alter 

Herkunftsgebiet

1

Hauptdolomit

hellgrau, weiß-gefleckt

Obere Trias

Nördliche Kalkalpen

2

Raibler Sandstein

grau bis grau-bräunlich, kieselig, grünliche Glaukonitkörnchen, evtl. helle Feldspatbruchstücke unterschiedlicher Größe oder schwarze Pflanzenreste von ehemaligen Farnen enthalten

Obere Trias

Nördliche Kalkalpen

3

Schillkalkstein
der Kössener Schichten

dunkelgrau-brauner, schill-führender Kalkstein mit weißen bis beige-braunen Schalenresten

Obere Trias

Nördliche Kalkalpen,
z.B. Allgäuer Alpen

4

Bunter Kalkstein
der Ammergauer Schichten

rot und grün gebänderter, feinkörniger Kalkstein (Schlammkalk), teilweise mit splittrig zerbrochenen Hornsteinknollen

Oberer Jura

Nördliche Kalkalpen

5

Ruhpoldinger Radiolarit (bunte Hornsteinschichten)
bunte, rot oder grün gefärbte, stark klüftige, extrem harte Hornsteine (Radiolarit), von zahlreichen Calcitklüften durchsetzt
Oberer Jura

Nördliche Kalkalpen

6

Kieselkalk der Allgäuschichten

grauer Kalkstein mit dunklen, splittrig zerbrochenen Hornsteinknollen
Unterer Jura
Nördliche Kalkalpen,
z. B. Höfats

7

Flyschsandstein

dunkelgrüngrau bis grünlich-grau

Kreide bis unteres Känozoikum (Alttertiär)

Flyschberge

8

Flyschkalkstein

hellgrau (frisch),
gelb-beige-bräunlich (verwittert)

Obere Kreide

Flyschberge

9

Konglomerat

betonartig, reich an Einschlüssen

Alttertiär

Allgäuer Flyschberge

10

Grünsandstein

hellgraugrün, feinkörnig, kieselig

Mittelkreide

Helvetikum

11

Schrattenkalk

grau, körnig, fossilreich

Höhere Unterkreide

Helvetikum des Kleinwalsertals

12

Teergeröll, Betonreste von Mauer- und Straßenbau, Teer usw.

reich an Einschlüssen von Glasscherben, Steinzeug, Bahnschotter uvm.

menschengemachte Aufbereitungen, die durch Schleiftätigkeit des Wassers "natürlich" aussehen

leicht zu verwechseln mit Konglomerat

19. Jahrhundert

Neuzeit

 

Fragen und Aufgaben

  1. Schaut euch an den Kiesbänken am Ufer um und beschreibt euren Gesamteindruck aller Kieselsteine bezugnehmend auf die oben genannten Eigenschaften. Wählt mindestens drei Arten von Kieseln aus und versucht, sie anhand der Fotocollage zu identifizieren. Geht auf Farben, Muster, Oberflächen ein. Gibt es Kratzer?

  2. Überlegt nun am Beispiel eines beliebig ausgewählten Kiesels, wann und wo er entstanden sein könnte.
Hinweis:
Die Hinweistafel vor Ort hilft euch bei der Beantwortung der Fragen nicht weiter. Ihr findet die Antworten im Listing und durch gute Beobachtung und Überlegung. Ich möchte keine hochwissenschaftlichen Studien von euch, sondern, dass ihr diesen Ort besucht und genießt.

Beantwortet bitte über mein Profil zuerst die Fragen. Fügt eurem Log ein Vor-Ort-Foto von euch oder einem persönlichen Gegenstand mit euren ausgewählten Kieselsteinen als Anwesenheitsbeweis hinzu. Ihr dürft natürlich sofort nach eurer Beantwortung loggen. Jede Mail wird beantwortet und eine kleine Zugabe gibts auch.

Erreichbarkeit

Achtung, an der gegenüberliegenden Seite ist der interessanteste Bereich aufgrund von Baum- und Strauchbewuchs nicht allzu gut einzusehen. Ich habe trotzdem einen Referenzpunkt mit angegeben für die Winterwanderung. Die Beantwortung der Fragen ist allerdings hier nicht möglich, da der direkte Uferbereich nicht zu betreten ist.

Bei Hochwasser und Gefahren ist der Bereich gesperrt!

Bitte schaut vorher auf der Homepage von Oberstdorf nach und bringt euch nicht in Gefahr. Der Jllerursprung liegt entlang des Wanderweges Vier-Flüsse-Tour (I), der übrigens auch sehr empfehlenswert ist.

Quellen

Scholz: Bau und Werden der Allgäuer Landschaft
Grundmann, Scholz: Kieselsteine im Alpenvorland
Schneider: Naturgeschichte Allgäu
Wikipedia
 
Viel Freude mit diesem Earthcache an der Geburt der Jller wünscht euch lynx-eye.
 
"Geburt der Iller" - Relief von Walter Kalot
"Geburt der Iller" - Relief von Walter Kalot

 

Mein großes DANKESCHÖN gilt Biancchen, die mir viel Zeit geschenkt hat. Ohne sie hätte ich meine eigenen Ansprüche an das Listing für diesen Earthcache nicht verwirklichen können. Wie viel Zeit es braucht, die Fotocollage und die dazugehörige Tabelle anzufertigen,...

 

Diese Beschreibung enthält Tabellenelemente, die evtl. nur auf geocaching.com korrekt angezeigt werden.

 

 

Additional Hints (No hints available.)