Sibylle von der Teck
Tief unten im Sibyllenloch am Fuß der heutigen Burg Teck wohnte Sibylle. Sie war eine schöne und weise Frau, wusste alles und sah die Zukunft voraus. Viele Schätze von Gold und Edelsteinen hielt sie in ihrem Schloss in der Tiefe versteckt, doch war sie mildtätig - mancher Arme in seiner Not stieg nicht umsonst den steilen Weg zu ihr hinauf.
Die drei Söhne der Sibylle waren aber von anderem Schlag. Sie waren üble Burschen, die es nicht lange bei ihrer Mutter aushielten und sich ihre eigenen Burgen bauten. Der eine auf dem Rauber, der andere auf dem Wielandstein und der dritte baute die Diepoldsburg. Von diesen Burgen aus plagten sie die Bauern und plünderten die Kaufleute und ihre Wagenzüge aus.
Aus Kummer über ihre missratenen Söhne beschloss Sibylle ihr unterirdisches Schloss und das Land zu verlassen. Auf einem feurigen Wagen, der von zwei riesigen Wildkatzen gezogen wurde, fuhr sie eines Abends talabwärts durch die Lüfte - man sah ihre Haare wie eine Lohe in der Abendsonne fliegen. Aber wohin sie gefahren ist, weiß niemand zu sagen, denn sie wurde nie wieder gesehen.
Jedes Jahr, wenn die Ackerfrüchte zu reifen beginnen kann man den Weg verfolgen, den sie genommen hat. Die Spur ihres Wagens ist deutlich zu sehen. Das Korn trägt dort größere Ähren und Äpfel, Birnen und Kirschen sind saftiger und süßer - der letzte Segen, den die Geschiedene den Menschen hinterlassen hat. Die Spur ihres Wagens nennt man heute noch die "Sibyllenspur."
(Text aus verschiedenen Quellen von Christoph Hoyler neu verfasst)
Im Jahr 1982 wurde bei Grabungen des Landesdenkmalamtes entdeckt, dass es sich bei der
"Sibyllenspur" um die Reste des römischen Limes handelt. An ihrem östlichem Ende konnte ein Kleinkastel (60 x 60 m) nachgewiesen werden.
Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass zwei parallele Gräben das Tal durchzogen. Im Lauf der Zeit wurden diese Gräben mit Kalksteinen und fruchtbarer Erde aufgefüllt, so dass dieser Streifen heute noch ein besseres Wachstum ermöglicht als das umliegende Ackerland.
Logbedingung: Begebt euch an die Stelle der angegebenen Koordinaten und fotografiert das Tal in nordwestlicher Richtung (ca. 307°NW). Ein sehr markanter Orientierungspunkt ist der runde Turm, der auf der anderen Seite des Tales aus den Bäumen ragt. Dieses Bild bitte zu eurem Logeintrag einfügen.
Das es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, bitte ich euch dementsprechend zu verhalten.
Das Sybillenloch unterhalb der Teck lässt sich besichtigen. Es ist ein schmaler, zum Teil in den Stein gehauener Pfad vorhanden. Gutes Schuhwerk ist erforderlich und Kinder sollten vorsorglich an der Hand geführt werden.