Kanzelkogel ( 613 m )
Geschichte:
Der ehemalig 613m hohe Kanzelkogel liegt westlich des Admonterkogels, an dessen Südhang der bekannteste Klettergarten der Grazer, der Klettergarten Weinzödl liegt.
Der Name „ Kanzel“ sagt bereits einiges über die Gestalt des Gipfels aus: dieser brach nach Westen hin in rund 20m hohe, steile Felsen ab, wie überhaupt der ganze übrige Westabhang des Berges stark von Felsen durchsetzt war. Am Gipfel stand vor ein paar Jahren noch ein ca. 8m hoher Holztriangel als Vermessungspunkt.
Herrliche Ausblicke hatte man vom Gipfel auf Gratkorn, Judendorf, Gratwein, Rein und ins Eggenfeld, das vom Gsollerkogel überragt wird.
Ja und gleich unter dem Gipfel befand sich der alte Klettergarten, der nur mehr ganz wenigen Kletterern bekannt war. Liebevoll kümmerte sich ein kleine Schar von Kletterern (um 1970-1980 ), die Touren von Gras und Dornenbewuchs freizuhalten. Unsere alpinen Lehrmeister lehrten, uns und weiteren Bergrettungsmitgliedern, damals alpines Wissen. Oft waren wir in den Klettergärten Rannach, Kanzel, Weinzödl und Pfaffenkogel unterwegs, um unsere Techniken zu verbessern, um anderen Bergsteigern in Not helfen zu können. Der Kanzel-Klettergarten war aber so was ähnliches wie ein Ausweichsklettergarten, der, immer, wenn wir glaubten unsere Klettertechnik wieder etwas verbessert zu haben, ein Maß der Dinge war.
Touren im Schwierigkeitsgrad III - VI waren unter anderem der Akrobatensteig ( A3, V+), der Überhang wurde 1976 erstmals frei kletternd von uns bewältigt.
Weitere schöne Touren waren der Schmitt-Kamin ( V / VI ), der Toni-Schmid-Weg( A3, IV ), die Pala ( IV ), die Sollederverschneidung ( IV – V ) und die direkt zum Gipfel führende Sollederkante ( IV – V ).
Leichtere Klettereien waren der Grazerriß und der Rudiriß, beide im 3. Schwierigkeitsgrad. Teilweise konnte man die rote Beschriftung der Routen noch erkennen. Es existiert auch noch ein alter Führer, der wahrscheinlich um 1920 -1930 entstanden ist.
Hier an der Kanzel entflohen wir der Hektik des Alltages und genossen die wenigen Stunden beim Klettern und lagen wir manchmal auch nur faul in der Sonne.
Im Laufe der Jahre veränderte sich das Landschaftsbild der Kanzel und weitete sich der Steinbruch, am Fuße des Berges gelegen, aus.
Der nördliche Teil wurde bereits weggesprengt. Mittlerweile gibt es einen der wenigen Stemm - Kamine, den 20m hohen Stabelerkamin, auch nicht mehr. Auch er fiel den Sprengarbeiten zum Opfer. 6 Kanzelhöhlen, unter ihnen die schönsten 2, die Klemmblockhöhle und das Schneiderloch waren Unterkünfte von Mopsfledermaus und Hufeisennase.
Im Jahr 2018 wurde der Gipfel nunmehr ganz weggesprengt. Über 30 Jahre hat mich dieses Kleinod der Natur fasziniert, es hat mir schöne Stunden an der Erforschung der Pflanzen und Tiere gebracht. Wie weit der Kanzelberg noch abgetragen wird, hängt wieder einmal von den Bewilligungsstellen des Landes ab. Noch können wir den Berg besteigen und wird er für manchen Wanderer ein lohnender Nachmittagsspaziergang sein.
Wegbeschreibung:
Doch nun zu meiner und zur einfachsten und auch leichtesten Variante auf die Kanzel zu kommen.
Wir fahren mit dem Auto oder mit dem Fahrrad zur St. Veiter Kirche, durch den Torbogen und gleich danach links haltend bergwärts, der Rannachstrasse entlang, in den Wald zum
Parkplatz ( Koordinaten: N 47°07.324, E 015°24.083 ).
Hier folgen wir der Forststrasse an Häusern vorbei zu einem Schranken und zum nachfolgenden
Wegpunkt Pailgraben ( Koordinaten: 47°07.337 15°23.901).
Hier halten wir uns links, bis wir zu einem weiteren
Wegpunkt Abzweigung ( Koordinaten: 47°07.088 15°23.768 ) kommen, wo wir auch den Admonterkogel in unseren Weg einbeziehen können. Der aufwärtsführende Waldweg führt bis zum Gipfel und zum Cache.
Wir gehen aber den breiten Waldweg weiter und kommen so zum
Wegpunkt Große Kreuzung ( Koordinaten: 47°47°06.978 15°23.269).
In derselben Richtung wandern wir weiter und nach 65 Schritten ( 1 Schritt ca. 0,75 m ) nach links auf ein ausgetretenes Waldwegerl immer höher bis zum „Neuen“ Gipfel des Kanzelkogels.
Der Abstieg kann auch über den erwanderten Bergrücken zurück oder über einen der vielen Waldwege und Forstwegen zur großen Kreuzung zurück erfolgen.
Für den Hin- und Rückweg sind ca. 1 ½ bis 2 Std. einzuplanen.
Ich will bei dieser Wanderung keine Rätsel aufgeben. Ihr sollt die Natur genießen und euch auf die Landschaft einstimmen und Dinge sehen, die ihr sonst bei der Cachesuche vielleicht nie zu sehen bekommt.
Eine weitere Variante des Abstieges wäre, wenn man beim Wegpunkt Große Kreuzung die Forststrasse wählt, die Richtung Süden ( Peilung Ruine Gösting ) talwärts führt. Diese führt am Gipfel des Grazer Klettergartens Weinzödl vorbei. Am Fuße des Klettergartens angekommen, geht man beim Ballsportzentrum vorbei zur Bundesstrasse ( Wienerstrasse ) und ihr entlang Richtung Osten zur einer großen Kreuzung ( links ein Reitstall mit Reitgelände, zum Schloss St. Gotthard gehörend ).
Hier wenden wir uns nach links ( Richtung Norden ) und wandern der Andritzer Reichsstrasse entlang bis man am Golfclub Graz-Andritz St. Gotthard vorbeikommt. Oberhalb befindet sich das St. Veiterschlößl. Hier werden auch Firmenfeiern, sowie Hochzeiten und dgl. abgehalten.
Die Strasse gabelt sich nach dem St. Veiterschlößl und wandern wir aber nun nach links, der Gotthardstrasse folgend weiter.
Den bergwärts abzweigenden Hoschweg ( die 2. Strasse nach der Gabelung ) gehen wir bergwärts und kommen rechts haltend zum Areal der St. Veiter Kirche ( Cache und Friedhof ). Nun geht’s leicht fallend der Strasse entlang zur Rannachstrasse.
Links haltend weiter zum Torbogen, durch diesen und bei einer kleinen Trafik der Rannachstrasse links aufwärts folgen. Hier halten wir uns bergwärts und folgen der Rannachstrasse steiler werdend bis zum Parkplatz, unserem Ausgangspunkt.
Gesamtgehzeit: ca. 2 1/2 – 3 Std.
Günstig wäre es, wenn man sich einen Grazer Stadtplan besorgt, damit eine leichtere Orientierung möglich wird. Die Karte des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen mit der Nr. 164, Maßstab: 1:50000 oder besser 1:25000 ist auch gut verwendbar.
Schön wäre es, wenn ihr auch ein paar Fotos von diesen Dingen ins Netz stellt, die ihr so am Wegesrand oder im Wald wahrgenommen habt.
Ein Naturliebhaber würde sich auch über Rückmails freuen und wünsche ich euch einen schönen Aufenthalt in der Natur.