Die alte Eiche
Die alte Eiche, knorrig stur
ganz einsam dort auf weiter Flur.
Sag Baum, ich bin gerad beim Dichten,
weißt du mir etwas zu berichten?
Ach Wandrer, du warst noch ein Kinde,
als dein Papa zu mir kam,
wollt schnitzen was in meine Rinde,
doch hatt dich Bübchen er am Arm.
Ich sagte Dank, ja blieb verschont,
hab mit Schatten euch`s belohnt.
Und als dein Papa mich dann fragte,
"war Opa früher auch bei dir?"
schickt 'ne Wolke ein paar Tränen,
ach wie gerne war er hier.
Aus dem Kriege trag ich Splitter,
hab manchen Sturm schon überlebt,
'nen Ast verloren bei Gewitter,
blieb standhaft, wenn die Erde bebt.
Ja behüt von meiner Krone,
ward ewige Liebe oft versprochen,
später dann, dem Schwur zum Hohne,
manch Herz durch falschen Eid gebrochen.
Entmutigt, einsam und verlassen,
hab ich vielen Trost gespendet,
wenn sie traurig und allein,
zum Himmel ein Gebet gesendet.
So blieb im Wechsel all der Zeiten
ich Anlaufpunkt und Zufluchtsort,
war für Versöhnung nach dem Streiten,
von Alters her ein guter Hort.
Drum Wandrer, komme du nur wieder,
was immer auch dein Herze rührt,
mach dich auf zu deiner Eiche,
du kennst den Weg, der zu mir führt.
Christian Henning https://www.facebook.com/ChristianHenning.outdoor.fokus/