#3 Quellnymphe

Quellnymphen sind den Menschen grundsätzlich wohlgesonnen und helfen ihnen, solange sie respektvoll behandelt werden. Jede Nymphe wacht über ihre eigenen Quelle, und gegen eine Opfergabe verleiht sie dem Wasser heilende Kräfte. Normalerweise ist die Nymphe für den Menschen unsichtbar oder zeigt sich in Gestalt eines Frosches. Bei einer ungewöhnlich großen Kröte oder einen extrem großen Frosch in der Nähe eines Gewässers könnte es sich also durchaus um eine Quellnymphe handeln. Das Wasser einer Quelle, in der Frösche sich wohlfühlen, gilt als unbedenklich trinkbar.
Doch wer aus einer Quelle trinkt, ohne ihrer Wächterin etwas zu opfern, läuft Gefahr, von einem Unglück heimgesucht oder krank zu werden. Am sichersten ist es daher, zuvor ein Gebet zu sprechen oder eine Formel auszusagen, zum Beispiel: „Kreuz im Wasser! Nymphe auf dem Grund! Gott, gib mir reines Wasser!“
Früher, als die Menschen ihr Wasser noch aus dem Brunnen holten, war es ebenfalls angeraten, dies am Tag zu tun, wenn die unsichtbaren Kräfte am schwächsten waren. In der Nacht konnte es geschehen, dass man mit dem Wasser Geisterwesen ins Haus brachte. Eine frischgebackene Mutter sorgte immer dafür, ihr Neugeborenes nur in Wasser zu baden, das das zuvor die Sonne geschienen hatte.
Der blanke Wasserspiegel eines stillen Gewässers kann ein Fenster in die andere Welt sein. Unter bestimmten Umständen gewährt die Nymphe der Quelle in diesem Spiegel kurze Einblicke in die Zukunft, besonders in Mittsommernächten. Es ist aber angeraten, nicht zu lange in eine Quelle zu schauen, weil im schlimmsten Fall die Nymphe, die in der Tiefe lebt, dem Betrachter das Spiegelbild und damit auch seine Seele rauben kann.