English version HERE
Was von außen wie ein kleines Portal in der Felswand wirkt, entpuppt sich im Inneren als ein Höhlensystem der Superlative:
Das Mordloch
... ist die zweitlängste Karsthöhle der Schwäbischen Alb mit einem unübersehbaren Labyrinth an Gängen, Tauch-Syphonen, Kriechstellen, Hallen, Seen und das Ganze zum größten Teil ganzjährig wasserführend (in der Fachsprache: eine aktive vadose Höhle). Bis heute* sind ca. 4.600 Meter der weit verzweigten Gangsysteme erforscht, aber nur der kurze Eingangsbereich bis zum ersten Syphon ist für normale Besucher:innen mit Taschen- oder Stirnlampen begehbar. In trockenen Sommern können die ersten 40 Meter meist wasserfrei begangen werden, nach Regenfällen fließt ein Bach aus der Höhlenöffnung und man benötigt auf jeden Fall Gummistiefel. Mehr Informationen zum Mordloch finden sich auf Wikipedia oder auch *hier.
Wichtig: In den kälteren Jahreshälfte vom 1. Oktober bis 31. März ist aus Gründen des Fledermausschutzes das Betreten der Höhle untersagt!

Wie das Mordloch zu seinem Namen kam...
Vor einigen hundert Jahren wurde der damalige Eybacher Schlossförster von einem Wilderer ermordet. Zur Vertuschung der Tat schleifte er den Leichnam in die nahe Höhle und schob sie dort tief unter Wasser. Nach vielen Tagen des Suchens nahm der treue Hund des Försters die Fährte seines vermissten Herrn auf und die Leiche wurde entdeckt. Der Legende nach soll der Mörder später am etwas nördlich gelegenen Ravenstein abgestürzt und noch vor seinem eigenen Tod den Mord gestanden haben. Der Mordfall war geklärt und die Höhle hatte von nun an ihren Namen: Mordloch.
Mit diesem Earthcache wollen wir das Thema Speläologie ( = Mineralablagerungen in Höhlen) anschneiden und auf ein im vorderen Gangbereich des Mordloches eindrucksvolles Sintergebilde näher eingehen. Für den Fall, dass das Mordloch nicht begehbar sein sollte (wegen starker Wasserführung oder während der Fledermausschutzzeit) gibt es alternative Fragen, die sich auf die Verkarstung im Portalbereich dieser faszinierenden Karsthöhle beziehen.
Karsthöhlen
Karsthöhlen entstehen durch Regen- und Sickerwasser das durch Klüfte und Fugen zwischen den Sedimentschichten in das Gestein eindringt und in der Talsohle als Quellwasser wieder austritt. Die Verkarstung des Gesteins nimmt so seinen Anfang (Abb. 1).
Aus den anfangs noch kleinen Karströhren erweitern sich die Klüfte durch so genannte Lösungsverwitterung im Laufe der Zeit immer mehr und bilden größere Gänge und Hohlräume, die teilweise wasserführend, teilweise auch trocken sind - ein Höhlensystem oder auch reifes Karstsystem (Abb. 2) hat sich gebildet. Vor allem Schichten mit weicherem Sedimentgestein werden dabei schneller und tiefer ausgespült als das umgebende Gestein.
Sinterformen
Der aus den oberen Gesteinsschichten durch Wasser gelöste Kalk wird in der kohlendioxidarmen Höhlenluft wieder abgelagert. Diese Kalkablagerungen werden Sinter genannt. Der Vielfalt möglicher Sinterformen sind hier kaum Grenzen gesetzt. Eine Auswahl ist in folgender Grafik (Abb. 3) enthalten:

A - Stalaktit, B - Stalagmit, C - Sintersäule (auch Stalagnat genannt = zusammengewachsener Stalaktit und Stalagmit), D - Sinterfahne, E - Wandsinter, F - Sinterröhrchen, G - Sinterbecken, H - Exzentriker (= kurios wachsende Kalkgebilde)
Allen Sinterbildungen ist gemeinsam, dass sehr lange Zeitspannen für das "Wachsen" benötigt werden und dabei keinerlei "Störungen" auftreten dürfen. Im Durchschnitt benötigt beispielsweise ein Stalaktit für 1cm Wachstum ganze 100 Jahre (abhängig von der gelösten Kalkmenge, Fließ- oder Tropfgeschwindigkeit, Kohlendioxidgehalt und Temperatur der Höhlenluft usw.). Das Berühren von Sinter mit bloßen Händen sollte man übrigens tunlichst vermeiden, da die feine Fettschicht auf unserer Haut sofort ein weiteres Ablagern von Kalk an diesen Stellen nachhaltig verhindert!
Logbedingungen
BEDINGUNGEN - Höhlenbegehung erlaubt (1. April bis 30. September)
:
Um diesen Cache in der wärmeren Jahreshälfte zu loggen, beantwortet folgende Fragen und sendet diese per Mail/Nachrichtencenter an uns:
1. Sinterform: Nach ca. 25m öffnet sich im Gang eine Nische in der linken Wand. Hier befindet sich im oberen Bereich ein wasserfallförmiges Gebilde.
a) Schätzt die Höhe und Breite dieses Sinterfalls!
b) Welcher Sinterform aus Abb. 3 würdet Ihr dieses Gebilde zuordnen?
c) Wie kam dieses Gebilde wohl gerade an dieser Höhlenstelle zustande? Versucht eine kurze Begründung!
2. Sinteroberfläche: Betrachtet das große, ebenfalls versinterte, querliegende Gesteinsfragment direkt unter dem Sinterfall näher. Welche verblüffenden Oberflächenmuster könnt Ihr hier erkennen?
(Keine Aufgabe, aber auch sehr beachtenswert in diesem Bereich sind die sehr markanten "Strudellöcher" in der Decke über Euch und das seltsam anmutende "Leopardenmuster" an den Höhlenwänden! Letztere sind übrigens organischen Ursprungs - reibt einmal an einem dieser Flecken...)
3. Macht ein Foto von Euch, Eurem GPS oder Maskottchen vor dem Höhlenportal oder auch in der Höhle!
BEDINGUNGEN - Höhlenbegehung untersagt (1. Oktober bis 31.März):
Um diesen Earthcache in der kälteren Jahreshälfte (Fledermausschutzzeit), zu loggen, beantwortet bitte diese Fragen:
1. Verkarstung: Am Portal und im Eingangsbereich der Höhle können die Sedimentschichten des umgebenden Gesteins deutlich unterschieden werden. Der markanteste und tiefste Spalt (= Kluft) in der Wand zu beiden Seiten (vgl. Foto im Listing) befindet sich ungefähr auf Augenhöhe und zieht sich dann immer niedriger verlaufend durch den gesamten Gang.
a) Wieviele Gesteinsschichten vom Boden bis zur Höhlendecke könnt Ihr am Eingang unterscheiden?
b) Beschreibt in kurzen Worten, wie die tiefere Kluft entlang der Seiten wohl zustande gekommen ist!
2. Im Eingangsbereich an der linken Wand ist eine sehr alte Warntafel angebracht. Versucht, den Text zu entziffern! Durch was war einst die Höhle verschlossen?
3. Macht ein Foto von Euch, Eurem GPS oder Maskottchen vor dem Höhlenportal (bitte ohne Warntafel)!
Ihr könnt zu allen Jahreszeiten sofort loggen! Wir melden uns, falls etwas unstimmig sein sollte...
Viel Spaß mit dem Mordloch wünschen Euch die Bohnanzas 
English version
The "Murder Hole" is the second longest karst cave in the Swabian Jura with a vast labyrinth of corridors, diving siphons, crawl spaces, halls, lakes and most of it has water all year round (in technical jargon: an active vadose cave). To date approx. 4,600 meters of the widely branched corridor systems have been explored, but only the short entrance area up to the first siphon is accessible to normal visitors with flashlights or headlamps. In dry summers, the first 40 meters can usually be walked without water, after rain a stream flows out of the cave and you definitely need rubber boots.
Important: In the colder half of the year - from October 1st to March 31st - entering the cave is prohibited for reasons of bat protection!
How the Murder Hole got its name...
A few hundred years ago, the Eybach Castle Forester was murdered by a poacher. To cover up the crime, he dragged the body into the nearby cave and pushed it deep under water. After many days of searching, the forester's faithful dog tracked down its missing master and the body was discovered. According to legend, the murderer later crashed at Ravenstein, a little to the north, and confessed to the crime before he died. The murder case was solved and the cave had its name from now on: Murder Hole.
With this Earthcache we want to address the subject of speleology (= mineral deposits in caves) and go into more detail about an impressive sinter structure in the front passage area of the murder hole. If the murder hole is not be accessible (due to heavy water flow or during the bat protection period), there are alternative questions relating to the karstification in the portal area of this fascinating karst cave.
Karst Caves
Karst caves are formed by rainwater penetrating the rock through fissures and joints between the layers of sediment. It reappears in the bottom of the valley as a source of water. This is how the karstification of the rock begins (Fig. 1).
From the initially small karst tubes, the fissures widen more and more over time and form larger corridors and caves, some of which are water-bearing, some of which are also dry - a cave system or mature karst system (Fig. 2) has formed. In particular, layers with softer sedimentary rock are washed out faster and deeper than the surrounding rock.
Types of speleothem
The lime dissolved by water from the upper layers of rock is deposited again in the cavities below. These lime deposits are called speleothem. There is a huge variety of possible shapes of speleothem. A selection is included in the graphic (Fig. 3):
A - Stalactite, B - Stalagmites, C - Column (or Stalagnate), D - Drapery, E - Sinter terrace F - Soda straws, G - Sinter pool, H - Helicities (= Excentriques)
What all types of speleothem have in common is that very long periods of time are required for the "growth" and that no "disruptions" whatsoever may occur. On average, for example, a stalactite needs 100 years to grow 1 cm (depending on the amount of lime dissolved, flow or dripping speed, carbon dioxide content and temperature of the cave air, etc.). Incidentally, you should avoid touching sinter with your bare hands, as the fine layer of fat on our skin immediately prevents further deposits of limescale in these areas!
Log conditions
QUESTIONS - Caving allowed (April 1st to September 30th)
:
To log this Earthcache in summertime try to answer the following questions via Email or Message Center:
1. Speleothem: After approx. 25m a niche opens in the left wall of the cave. There is a waterfall-shaped structure in the upper area.
a) Estimate the height and width of this speleothem!
b) Which shape of speleothem from Fig. 3 would you assign this structure to?
c) Why was this structure able to form at this point in the cave? Try a short explanation!
2. Sinter surface: Take a closer look at the large, also sintered, transverse rock fragment directly below the waterfall-shaped sturcture. What amazing surface patterns can you see here?
(No task, but also very noteworthy in this area: there are very prominent "whirlpool holes" in the ceiling above you and strange-looking "leopard patterns" on the cave walls!)
3. Take a photo of yourself, your GPS or mascot in front of or inside the cave!
QUESTIONS - Caving prohibited (October 1st to March 31st):
To log this Earthcache in wintertime try to answer the following questions via Email or Message Center:
1. Karstification: At the portal and in the entrance area of the cave, the sediment layers of the surrounding rock can be clearly distinguished. The most striking and deepest gap (= chasm) in the wall on both sides (see photo in the listing) is at about eye level and then runs lower and lower through the entire corridor.
a) How many rock layers from the floor to the cave ceiling can you distinguish at the entrance?
b) Describe in a few words how the deeper chasm along the sides might have formed!
2. There is a very old warning sign on the left wall in the entrance area. Try to decipher the text! By what was the cave once locked?
3. Take a photo of yourself, your GPS or mascot in front of the cave!
Have fun exploring the Murder Hole! 
QUELLENANGABEN
INFORMATIONEN:
- https://geohilfe.de/physische-geographie/geomorphologie/karst/karsthoehlen-entstehung-und-tropfsteine/
- http://agsr.ch/hoehlenforschung/karsthoehlen/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Mordlochhttps://koi-stadtmagazin.de/magazin/stadtleben/das-mordloch/
- https://koi-stadtmagazin.de/magazin/stadtleben/neuland-im-mordloch/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Speläothem
- https://de.wikipedia.org/wiki/Tropfstein
- https://www.deutschlandfunk.de/tiefenrausch-102.html
FOTOS und GRAFIKEN:
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