Das Verbreitungsgebiet (... der Afrikanischen Zwergmaus, auch Afrikanische Knirpsmaus, Mus minutoides...) erstreckt sich südlich der Sahara von Südafrika, Simbabwe bis Mosambik. Sie bevorzugt offene Busch- und Steppenlandschaften, kommt jedoch als Ernteschädling auch in der Nähe menschlicher Ansiedlungen vor. Grundbedingung für das Vorkommen der Zwergmaus ist Wasser, in dessen Nähe sie sich stets aufhält. (Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanische_Zwergmaus)
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss natürlich gesagt werden, dass Afrikanische Zwergmäuse wirklich nur in Afrika heimisch sind und nicht in Mausezwenke. Doch so, wie mitunter auch exotische Reptilien, Vögel oder diverse andere Haustierarten in die Freiheit entweichen, begab es sich, dass…
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… eines schönen, warmen Sommertages die fünf Zwenkauer Zwergmäuse Augustin, Brunhilde, Canaletto, Hartwig und Suada die versehentlich offenstehende Tür ihres Kleintierkäfigs nutzten, um das Weite zu suchen.
Sie eilten durch die Stadt, zunächst voller Freude über das überraschend große und vielfältige Nahrungsangebot, das ihnen allerorten eigens bereitgestellt schien. Das eine ums andere Mal entkamen sie jedoch nur um Barthaaresbreite einem unliebsamen Zusammentreffen mit einer ihnen bislang unbekannten Art von Miniaturlöwen, die die Mäuse als willkommene Nahrungsquelle zu betrachten schienen - ein Umstand, der ihnen den weiteren Aufenthalt in der Stadt nicht eben verlockend erscheinen ließ.
Die Zwenkauer Zwergmäuse huschten weiter durch die Straßen, bis sie schließlich in der Nähe eines Stadtteiles, dessen Bebauung sie beunruhigend an ihren Kleintierkäfig erinnerte, zu ihrer großen Freude einen See erreichten. Dem Seeufer westwärts folgend, kamen sie schließlich in eine Gegend, die ihren Vorstellungen von einem künftigen Zuhause perfekt zu entsprechen schien: eine offene Busch- und Steppenlandschaft, Felder in der Nähe, die menschliche Ansiedlung namens Mausezwenke nicht weit und, das Wichtigste, nah am Wasser. Was konnte sich eine soeben befreite Afrikanische Zwergmaus Schöneres erhoffen?
Die Fünf wühlten sich also (ganz in der Nähe der Cachekoordinaten übrigens, aber natürlich werde ich zum Schutz der Tierchen die genaue Position nicht verraten) ein komfortables, hochwassersicheres Wohnparadies in den Ufersand und führten ab sofort ein zufriedenes und glückliches Mäuseleben im Kreise ihrer Kinder, Enkel, Urenkel, Ururenkel, Urururenkel und so weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…
Doch halt - da war doch noch was?
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Augustin

Brunhilde

Hartwig

Suada
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Wie also Augustin, Brunhilde, Canaletto, Hartwig und Suada ihr beschauliches Leben lebten, nach und nach auch den See und dessen Umgebung erkundeten, ihre Familie wachsen sahen und darüber langsam alt wurden, so wuchs auch ihr Verlangen, vor ihrem nahenden Ableben den zukünftigen Generationen noch etwas Bleibendes zu hinterlassen. Etwas von dauerndem Wert sollte es sein, etwas, das auch in hundert Jahren noch den Zwenkauer Zwergmäusen von Nutzen sein konnte.
Und dann hatte Canaletto eine Vision - die Vision der achten Insel des Zwenkauer Sees!
Nach seinem Traumbild fertigten sie ein passendes Behältnis, dem sie ihr Vermächtnis anvertrauten, und seinen genauen Vorgaben folgend machten sie sich auf die Suche nach der achten Insel und einem passenden Ort für ihren Schatz.
Und das ging so:
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Canaletto
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Schon seit Langem hatte jede der fünf Zwenkauer Zwergmäuse eine der sieben bekannten Inseln im Zwenkauer See als ihr persönliches Feriendomizil auserkoren - das Schwimmen war für die wasserliebenden Mäuse selbstverständlich kein Problem. Sie zogen sich dorthin zurück, um Urlaub zu machen, ihren Hobbys nachzugehen oder einfach nur einmal dem ständigen Gewusel der mittlerweile stark gewachsenen Mäusesiedlung zu entkommen. Suada hatte sich dafür die Südinsel ausgesucht, Hartwig die Harthinsel bezogen, Augustin hatte das Zitschener Auge beansprucht, die bescheidene Brunhilde war mit der kleinen Brunneninsel zufrieden und Canaletto hatte sich auf der Kanalinsel eingerichtet. Die beiden „bösen Inseln“, Böse und Boise, wollte keine der Mäuse dauerhaft bewohnen.
Um zu verstehen, was die Fünf im Sinn hatten, muss man wissen, dass Afrikanische Zwergmäuse mit einem für Mäuse wirklich außergewöhnlich guten Seh- und Hörvermögen ausgestattet sind. Canalettos Vision folgend, gingen sie nun folgendermaßen vor:
Jede der Zwenkauer Zwergmäuse machte sich zunächst auf den Weg auf ihre persönliche Insel und suchte, dort angekommen, ihren jeweiligen Lieblingsplatz auf.
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Wie ich später anhand der Konzentration von Kotablagerungen ermitteln konnte, müssen sich diese an den folgenden Koordinaten befunden haben:
Suada bei N 51° 13.168 E 012° 21.181,
Hartwig bei N 51° 13.402 E 012° 21.108,
Augustin bei N 51° 13.384 E 012° 16.901 und
Brunhilde bei N 51° 13.515 E 012° 17.356.
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Canaletto hingegen erklomm den höchsten Hügel seiner Insel und stellte sich so auf, dass aus seiner Sicht Suada von Hartwig verdeckt wurde und auch Augustin hinter Brunhilde nicht mehr zu sehen war. Durch einen scharfen Schrei über den See gab er den anderen Zwenkauer Zwergmäusen zu verstehen, dass er seine Position eingenommen hatte. Nun verließen die beiden Mäusefrauen ihre Posten. Sie begaben sich an Land und eilten auf Canaletto zu in das Gebiet, das jeweils ungefähr mittig zwischen diesem und den beiden an ihren Plätzen verbliebenen Mäusen gelegen war. Schauen wir zunächst auf Suada:
Mit einem lauten Ruf verkündete sie ihre Ankunft im Zielgebiet und bewegte sich dort sehr langsam senkrecht zur gedachten Verbindungslinie zwischen Canaletto und Hartwig. Zu dem Zeitpunkt, wo Hartwig Suada und Canaletto genau hintereinanderstehen sah, sah natürlich auch Canaletto Suada und Hartwig in dieser Flucht. Genau in diesem Moment stießen die Beiden einen kurzen Schrei aus, der Suada zum sofortigen Anhalten veranlasste, auch wenn der Schall sie aufgrund der etwas ungleichen Entfernungen nicht exakt zeitgleich erreichte. Sie bewegte sich nun testweise ein Stück auf Hartwig zu, den sie etwas später gehört zu haben glaubte, blieb stehen und schrie so laut sie konnte. Diesen Ruf hörend antworteten wieder die beiden Männer - ihre Reaktionszeiten dürfen wir als gleich annehmen - und Suada erkannte, dass der Abstand zwischen beiden Antworten kleiner geworden war, dass sie sich also in die richtige Richtung bewegte. Sie marschierte noch ein Stückchen weiter, schrie wieder und erhielt erneut die Echorufe der Männer. Ihr wisst schon, nach wenigen Versuchen hatte Suada endlich eine Position erreicht, an der sie die Antwortrufe von Canaletto und Hartwig genau gleichzeitig hören konnte. Dort verharrte sie.
Nachdem Suada angekommen war, gingen Canaletto und Augustin daran, in gleicher Weise den neuen Ort für ihre Freundin Brunhilde zu bestimmen, und auch sie nahm schließlich ihre Zielposition ein.
Damit war die Arbeit aber noch immer nicht getan. Während nun Brunhilde und Suada auf ihren neuen Posten warteten, machten sich Hartwig und Augustin auf den Weg zu den „bösen Inseln“. Schwimmen, laufen und noch einmal schwimmen, etwas anstrengend war die ganze Sache schon, doch irgendwann erreichten die Beiden die Inseln und suchten sich dort zwei nette Plätzchen aus.
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Nach meinen Ermittlungen müssen diese hier gelegen haben:
Hartwig bei N 51° 15.005 E 012° 17.346 und
Augustin bei N 51° 14.813 E 012° 17.134.
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Canaletto selbst blieb nun der letzte Akt im großen Plan vorbehalten. Auch er hatte vorsorglich schon vor einer Weile seinen Posten verlassen und eilte nun, so schnell er konnte, zu der Stelle, von der aus er beide Mäusefrauen, aber auch die beiden Männer jeweils genau in einer Linie sehen konnte. Nur mäßig groß war seine Überraschung, ja sogar ganz selbstverständlich erschien es ihm, als er feststellte, dass er auf einer bisher unbekannten Insel - der achten Insel des Zwenkauer Sees - gelandet war. Mit seinen Rufen gab er den anderen Vier zu verstehen, dass sie nunmehr ihre Posten verlassen und sich zu ihm begeben durften.
Den Schatzbehälter hatte Canaletto natürlich mitgebracht. Mit feierlichen Worten versenkten ihn die fünf Zwenkauer Zwergmäuse an seinem neuen Platz, tarnten ihn gut und machten sich endlich auf den Heimweg zur Mäusesiedlung. Dort verfertigte Canaletto ein Dokument, in dem er seine Vision samt der Anleitung zum Auffinden des Schatzes genau festhielt, steckte es - zur Abschreckung allzu neugieriger Jungmäuse - in eine gefundene alte Katzenfutterdose und platzierte es unter einem Steinhaufen nahe der Mäusesiedlung am Seeufer.
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Auf der Suche nach einem Cache stieß ich jüngst auf die Dose, löste das Rätsel und fand tatsächlich den Schatz unserer fünf Helden. Damit auch ihr euch daran erfreuen könnt, gebe ich die Geschichte hiermit an euch weiter. Und sollte irgendjemand an deren Wahrheit zweifeln, kann er gern am bezeichneten Ort nachschauen!
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