Allgemeines
Namensgebend für den Wimbach ist das dortige Wimbachtal, welches im oberen Tal aus gewaltigen Schuttströmen besteht. Durch Schneeschmelze und Regen entstehen dort Zuflüsse oberirdisch, versickern dann aber im Lockermaterial und vereinen sich unterirdisch und bilden den Wimbach, welcher auf etwa 800 m. ü. NN aus dem Schutt entspringt. Der Wimbach fließt dann Talabwärts auf etwa drei Kilometer Länge im unteren Abschnitt durch die Wimbachklamm, ehe er danach rechts in die Ramsauer Ache mündet. Geologisch betrachtet bietet das Wimbachtal eine Vielzahl von Besonderheiten. Thema dieses EarthCaches ist der Wimbach als Abflussrinne, welcher als Mäander durch das Tal fließt.

Mäander
Mäander ist die Bezeichnung für eine Flussschlinge in einer Abfolge von solchen, wie sie sich in Abschnitten mit geringem Sohlgefälle und gleichzeitig transportiertem Geschiebe (Sand, Kies, Steine) bildet. Als einfaches Maß für die Intensität des Mäandrierens wird die Sinuosität verwendet. Sie errechnet sich aus der Länge des Flussabschnitts und der Luftlinie (Distanz) zwischen Anfangs- und Endpunkt.
Ursache der Mäandrierung ist eine durch die Bodenreibung des Wassers verursachte Querzirkulation, die entlang des Flussbodens von der kurvenäußeren Seite zur kurveninneren Seite führt und an der Flussoberfläche zurück zur kurvenäußeren Seite führt. Hierdurch wird Material des Flussbodens von außen nach innen getragen und die Kurven immer weiter. Auslöser können schon leichte Unregelmäßigkeiten im Flussbett sein (z.B. Gesteine, Felsbrocken oder Pflanzen), um die Flussströmung zu beeinflussen und an eine Uferseite zu lenken. Das Ufer, auf das die Strömung trifft, nennt man Prallhang. Dort wird durch das Wasser Material wie Sand, Steine und Boden abgetragen. Dieses Material wird dann mit der Strömung weitergetragen und am gegenüberliegenden Prallhang, dem Gleithang durch eine geringere Strömungsgeschwindigkeit wieder abgelagert. Bei diesem Zusammenspiel entsteht ein Prozess, indem sich der Flusslauf mit der Zeit in Richtung des Prallhangs ausbreitet. Dieser weicht mit der Zeit immer weiter zurück und der Gleithang auf der gegenüberliegenden Seite bildet sich immer weiter aus, sodass ein neues Ufer entsteht. Die Kurven im Flusslauf prägen sich nach und nach immer weiter aus und eine Mäanderform entsteht.
Hjulström-Diagramm
Um zu erkennen, ob an den Flusskurven eine Mäandrierung voranschreitet, kann man auch mittels des Hjulström-Diagrammes ablesen. Es ist benannt nach dem schwedischen Geographen Filip Hjulström (1902–82) und beschreibt die Stabilität von klastischen Sedimentablagerungen oder anderen Partikelakkumulationen (z. B. Regolith bzw. Boden) hinsichtlich der Fließgeschwindigkeit von Wasser. Das Hjulström-Diagramm zeigt somit den Zusammenhang zwischen Korngröße und Fließgeschwindigkeit. Es gliedert sich in drei Bereiche ein, der Erosion, dem Transport und der Sedimentation. Das Hjulström-Diagramm gilt nur für Lockermaterial, da andere Materialien wie beispielsweise Ton im Gegensatz zu Feinsand oder Schluff höhere Fließgeschwindigkeiten benötigen, damit eine Erosion einsetzt.
Erosion: Je nach Korngröße der Materialien sind Fleißgeschwindigkeiten notwendig, bei denen die Partikel erodiert (abgetragen) werden.
Transport: In diesem Übergangsbereich findet der Transport der Partikel statt. Mit den wechselnden Fließgeschwindigkeiten auf den Uferseiten werden die Korngrößen so unterschiedlich weit transportiert.
Sedimentation: Je nach Korngröße der Materialien sind die Fleißgeschwindigkeiten zu gering für einen Transport, sodass die Partikel hier abgelagert werden.

Projektion auf den Wimbach
Auf den Wimbach projiziert zeigt sich folgendes Bild. Die Aussenseite und die Innenseite des Flussabschnitts haben unterschiedliche Ufer. Dabei wechseln sich diese Ufer in jeder Kurve von Prall- und Gleithang ab. Der Prallhang charakterisiert sich oft durch ein Steilufer, welches immer leicht unterspült wird, wenn es keinen Eingriff von Menschen zum Schutz gibt. Der Gleithang charakterisiert sich als flaches Ufer, welches meistens aus Sand(schutt)bänken besteht. Je nach Jahreszeit schreitet der Prozess der Mäandrierung hier unterschiedlich voran. Schmilzt z.B. der Schnee in den hohen Lagen und wird unterirdisch zusammengeführt, steigt der Pegel und zeitgleich auch die Fließgeschwindigkeit. Der Prallhang wird dann so stark vom Wasser getroffen, das viel Sediment dort abgetragen wird. Zudem verändert sich die Abflussrinne fortwährend, da besonders in den Wintermonaten neuer Schutt den Wimbach flussabwärts transportiert wird. Dadurch ergeben sich neue Unregelmäßigkeiten in Form von Schuttmaterial, was für eine Änderung der Flussströmung sorgen kann.