Hallo ihr lieben, Natur - und vor allem Geologie begeisterten Geocacher!
Ich bin Lilly und das ist meine Freundin Kiwi, eigentlich Rosalie, aber wegen ihrer Frisur von Allen immer nur Kiwi genannt. Wir Beide lieben den wunderschönen Teuto und sind hier oft mit dem Opa unterwegs.

Im Teuto geht's BergAuf....
Der Teutoburger Wald, der auch Osning genannt wird, ist für uns deswegen so spannend, weil man hier immer wieder etwas ganz Besonderes entdecken kann.
Durch seinen Aufbau zählt der Osning geologisch gesehen sogar zu den interessantesten Regionen Deutschlands.
So findet man hier viele Aufschlüsse, in denen man ähnlich einem Buch lesen kann, lesen über die Entwicklung unserer Heimat und wie sie durch Wasser, Gletschereis, Wind und Bewegungen in der Erdkruste durch zum Beispiel Erdbeben, Brüche und Faltungen beeinflusst wurde.
Schließlich entstand die Struktur dieses deutschen Mittelgebirges und die damit einhergehende Vielfältigkeit der Umgebung.
Heute geht es um ein ganz besonderes Gebiet im Teuto, denn Opa will mit uns den ca 4 Kilometer langen, seit 2019 lila ausgeschilderten Leberblümchenweg am Jakobsberg laufen.

Hier geht's lang!
Der Jakobsberg, im Volksmund auch Leberblümchenberg genannt, ist weit über die Gemeindegrenzen Steinhagens bekannt durch das jährliche Naturschauspiel im Frühjahr, wenn hier zigtausende der leider stark gefährdeten Leberblümchen blühen.
Er bietet diesen seltenen Frühblühern eine ganz besondere Lebensgrundlage mitten im Teutoburger Wald.
Wie kommt das?
Dazu wollen wir uns die Geologie dieses Naturschutzgebietes doch mal etwas genauer anschauen - weiter unten findet ihr dazu die entsprechende Abbildung.
Die Gemeinde Steinhagen ( auf der Abbildung rot eingekreist ) befindet sich zwischen dem Höhenzug des Teutoburger Waldes im nördlichen Teil und läuft Richtung Süden in die Emssandebene aus, wobei sie zum Nordostrand des Münsterländer Beckens zählt.
Die Gesteine dort sind steil aufgerichtet und bestehen aus Tonmergel, Kalkmergel, Kalk und Mergelsteinen sowie Sandsteine und Sandmergel.
Auf der Abbildung erkennen wir, dass das Gebiet zur Plänerkalk-Gruppe mit mergelig bis kalkigem Plänerkalkstein gehört.
Auf dem Oberhang des Osning befindet sich auch der Jakobsberg als flacher Kalkrücken mit entsprechend mergelig, flachgründigen Boden, bewachsen von einem nährstoffreichen Eichen-Hainbuchen-Niederwald.
Hier sind Kalksteine der Kreide zu flachgründigen toniglehmigen Böden verwittert.

Abbildung aus LWL-Museum für Naturkunde, Geologie und Paläontologie in Westfalen Heft 73
Die auf diesem Höhenzug des Teutoburger Waldes durch den hohen Kalkgehalt des Bodens entstandenen Kalkbuchenwälder wurden im Mittelalter durch Niederwaldnutzung bewirtschaftet.
Bei dieser Waldbewirtschaftung werden die Bäume im Alter von 15 bis 25 Jahren wiederholt eingeschlagen und so wachsen aus deren Wurzelstämmen viele, teils krummwachsende Austriebe, die als Brenn - und Bauholz benötigt wurden.
Durch dieses regelmäßige Auf-den-Stock-Setzen bleibt der Waldboden lichtdurchflutet und warm.
Genau die idealen Voraussetzungen für Leberblümchen, um hier tausendfach zu blühen.

Nur schauen, nicht anfassen!
Die Wanderung auf dem Leberblümchenweg führt uns durch den Wald, LEIDER eine kurze Strecke entlang der Straße bis wir schließlich den Petersberg mit seinen typischen, vormals prägenden Wachholderheiden erreichen.
Hier entdecken wir noch ein kleines Highlight auf dem Leberblümchenweg:
Der Steinbruch am Petersberg.
Während wir am Jakobsberg doch ein wenig Vorstellungskraft benötigen, das Felsgestein ohne Pflanzenwuchs und Bodenbildung mit dem inneren Auge zu sehen, können wir hier direkt ins ' Innere ' des Berges schauen.
Aber was wissen wir eigentlich über die Entstehungsgeschichte?

Achtung - Steinbruch!
Dazu schauen wir auf der unteren Abbildung zuerst ganz vereinfacht auf die allgemeine Entstehungsgeschichte des Teuto und müssen hierfür ca. 230 bis 60 Millionen Jahre zurück in der Erdgeschichte gehen, in die Trias, Jura und Kreidezeit.
Damals war Europa von Wasser bedeckt, abgestorbene Pflanzen und Tiere sanken zum Grund und bauten dort über viele Millionen Jahre Ablagerungen von Hunderten von Metern auf.
Zum Ende der Kreidezeit verdunstete das Wasser und durch enorme erdinnere, horizontal wirkende Kräfte wurden die waagerecht liegenden Ablagerungen nach oben gedrückt ( siehe Abbildung 6a).
Durch einen Riss entstand dann die sogenannte Osning-Spalte ( Abb. 6b ), die auf der anderen Seite des Teutoburger Waldes liegt.
Die 'Münstersche Kreidetafel' sank längs der Bruchlinie ungefähr 1000 Meter ab und ihre Enden richteten sich steil an der Osningspalte auf ( Abb. 6c ). Gleichzeitig kam es zu einer Überschiebung aus nördlicher Richtung. In den folgenden Erdzeitaltern sorgten exogene Kräfte (Regen, Wind, …) zumeist durch Abtragung für die Umgestaltung der Erdoberfläche (Abb. 6d).
Durch unterschiedliche Härtegrade der Ablagerungen von Trias, Jura und Kreidezeit wechseln auch die Schichten zwischen weichen Mergelschichten und harten Plänerkalkschichten.
Diese unterschiedlichen Schichten im Steinhagener Ortsteil Amshausen werden in der Abbildung 7 dargestellt.
Dort können wir erkennen, dass der Hauptkamm weiter nordöstlich aus dem harten Osningsandstein besteht und je weiter wir nach Südwesten schauen, die Mergelschichten immer waagerechter werden.
Nur einige Hundert Meter südwestlich vom Jakobsberg befindet sich der Hellberg.
Hier finden wir den Cenoman-Kalk, die Rohstoffbasis der Zementindustrie.
Seit über 100 Jahren wird dieser vor Ort im Kalkwerk Müller abgebaut.

Abbildung aus ' Die Natur in Amshausen ' von Magnus Hagen, Seite 4
Nun zu Euren Aufgaben, um diesen EC zu loggen:
1) Frage zu Station 3
Welche geologischen Besonderheiten sorgen hier für einen idealen Standort der Leberblümchen, welche Gesteinsart findet ihr überall am Jakobsberg und warum ist das so?
2) Aufgabe zum Petersberg an Station 4
Beschreibt mit eigenen Worten die Felswand ( ungefähre Länge , Höhe, Farbe, Stuktur ). Sind die Schichten senkrecht oder eher waagerecht aufgestellt? Und, was meint ihr, wie das im Vergleich hierzu am Jakobsberg aussieht?
Was denkt ihr, würde ein Aufschluss südöstlich von Bielefeld in Richtung Paderborn genauso aussehen oder gibt es da Unterschiede?
Warum ist das so?
3) Toll wäre auch ein Logfoto von Euch am Jakobsberg zum Beispiel wie Lilly und Kiwi an einem der Wegweiser des Leberblümchenweges.
Besonders schön ist es hier während der Blütezeit. Die verrät Euch das ' Leberblümchen-Blühbarometer '.

Bitte lächeln!
Wir wünschen Euch ganz viel Spaß bei der kleinen geologischen Erkundungstour mit Jakob und den Leberblümchen.
Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet. Die öffentlichen Wege müssen zu keinem Zeitpunkt verlassen werden!
Wie bei Earthcaches üblich könnt ihr direkt loggen, sobald ihr uns die Antworten per Mail über's Profil geschickt habt! Wir melden uns, wenn etwas nicht stimmen sollte.
Quellen :
Wikipedia: Steinhagen (Westfalen)
Leberblümchen: https://wanderermartin.wordpress.com/2013/04/10/amshausen-kuckucksweg-am-jakobsberg-leberblumchenweg/
Die Natur in Amshausen, https://willmanns.ch/pdf/amshausen_neu/C_natur_in_amshausen.pdf
Erdgeschichte des Teutoburger Waldes bei Bielefeld“, https://namu-ev.de/wp-content/uploads/2018/09/Geol_Min_Nat_Kund_Mus_Bielefeld_1_1979.pdf