Allgemeines
Das Wimbachtal liegt im Nationalpark Berchtesgaden in der Gemeinde Ramsau und erstreckt sich als ein mehr als 10 km langes Hochtal der Berchtesgadener Alpen. Innerhalb des Wimbachtals findet man das Wimbachgries, ein Gesteinsfluss, der immer in Bewegung ist und langsam das Tal hinab wandert. Er misst an der breitesten Stelle an die 300 Meter. Zwischen Watzmann und Hochkalter gelegen, handelt es sich hier um die größte Schuttlandschaft Deutschlands. Ausgehend von Störungsscharen wurde und wird bis heute der dort vorherrschende Ramsaudolomit zerrüttet und verwittert im Anschluss. Daraus folgen riesige Mengen an Schutt, die nach und nach das Wimbachtal mit Gries füllt.
Die Bewegung der Schuttmassen ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Besonders bei Starkregen oder Schneeschmelze wird die Gesteinsmasse angehoben und der Schuttstrom setzt sich in Bewegung. Aber auch ohne den Regen verändert sich das Wimbachtal täglich immer ein wenig, sodass sich ähnlich wie an der Küste das Wattenmeer durch Ebbe und Flut beeinflusst wird.
Mit der Bewegung des Schuttstroms bilden sich auf der Oberfläche sogenannte Zopfstrommuster und Flussterrassen, die Schwerpunkt dieses EarthCaches sein sollen.

Zopfstrommuster
Zopfstrommuster werden in der Geologie auch "Braided River System" genannt, die man typischerweise in Hochgebirgen findet. Es handelt sich hierbei um einen "verwilderten" bzw. "verflochtenen" Flusslauf, welcher aus mehreren kleinen und großen und sich ständig verlagernden flachen Flussarmen besteht. Diese Flussarme unterliegen in ihrem Verlauf einer sogenannten Breitenverzweigung, was bedeutet, dass sich die Flussarme immer wieder teilen und neu vereinen und z.B. größere Transportkörper (Sand- und Kiesbänke) umfließen. Vorteilhaft für die Bildung der Zopfstrommuster ist ein hohes Sohlengefälle, sowie Abflussmengen, die stark schwanken und eine große Menge an Flussfracht mit sich führen. Bedingt durch eine kontinuierliche Sedimentablagerung verändert und verlagert sich der Flusslauf ständig. Ideale Bedingungen für die Bildung eines solchen Zopfstrommusters findet man deshalb hier im Hochgebirge zwischen Watzmann und Hochkalter.
Voraussetzungen für die Bildung von Zopfstrommuster im Hochgebirge sind:
1) eine von Schnee bedeckte und geprägte Landschaft und
2) eine ausreichend hohe Zufuhr von groben Gesteinsmaterials, welches durch Frostverwitterung aus den Bergwänden herausgesprengt wird und dann abgelagert wird.
Bedingt durch den kontinuierlichen und fortschreitenden Prozess der Ablagerung in Form von Schuttmaterial bilden sich dann mit der Zeit Flussterrassen (Schotterterrassen).

Flussterrassen
In der Geologie spricht man bei Flussterrassen von Überresten ehemaliger Talböden, die nach einer Eintiefung (einem Einschnitt) des Tals an der Außenseite als Hang bzw. Treppe zurückbleiben. Wird der Talboden erneut eingeschnitten, verbleibt eine weitere Treppe und es bilden sich nach und nach Flussterrassen in Form von einzelnen Treppen (Ebenen). Durch tektonische Bewegungen und durch Erhöhung der Transportleistung eines Flusses können sich die Treppen auf einer oder auf beiden Talseiten entwickeln.
Die Einteilung einzelner Treppen (Ebenen) von Flussterrassen erfolgt in Haupt-, Mittel- und Niederterrasse.

Die Bildung einer Flussterrasse ist immer fluvial geprägt. Das bedeutet, dass die Bildung einer Flussterrasse immer in Verbindung mit fließendem Wasser steht. Man unterscheidet zwischen Felsterrassen, die durch fluviale Erosion und Schotterterrassen, die durch fluviale Sedimentation entstehen.
Fluviale Erosion: Beschreibt die Materialaufnahme und den Transport (fluvialer Transport) bzw. die Verlagerung von Material in Zusammenhang mit fließendem Wasser. Die Ausprägung und Intensität der fluvialen Erosion wird durch Abflussmenge, Sohlengefälle, Fließgeschwindigkeit, Flussfracht und Abtragungsresistenz des Gesteins bestimmt. Beispiele, in denen eine fluviale Erosion stattfindet, sind z.B. in mäandrierenden Flussschleifen oder Ablaufrinnen. Durch das fließende Wasser wird ein kontinuierlicher Einschnitt in den Boden bzw. das Gestein vorgenommen.
Fluviale Sedimentation: Beschreibt die Materialablagerung durch sich veränderte Gegebenheiten im Vergleich zur fluvialen Erosion. Ursachen dafür liegen z.B. in einer abnehmenden Abflussmenge bzw. einer höheren Sedimentzunahme, in einem sich abschwächenden Sohlengefälle, was zu einer geringeren Fließgeschwindigkeit führt oder zu einer Veränderung der Flussfracht (größere Partikel).
