"Geologisches Fenster 'Dornachbrugg' "
Zeitzeugen am Birsufer
Im Frühjahr, auf einer Joggingrunde, machte ich eine erstaunliche «Entdeckung». Völlig vom umliegenden Gestrüpp überwuchert, zeigte sich mir ein Schild, das eine interessante Geologielektion vermittelte. Hier zeigt sich gemäss dieser Infotafel, ein sogenanntes Geologisches Fenster, was genau das ist, liesst Du weiter unten.
An den Ankerkoordinaten findest Du alte Zeitzeugen, die vor rund 28 Millionen Jahren hier entstanden sind. Damals lag hier ein Meer, dessen Sandschicht sich im Laufe der Jahrmillionen zu einem harten Gestein, dem heute hier sichtbaren Sandstein, verfestigte. Der Sandstein an der Uferböschung trotzte der Erosion durch die Birs weitgehend und so können wir heute noch diese uralten Zeugen der Zeit bewundern.

Bild 1
Wer am Birsufer bei Dornach unterwegs ist, begegnet einer spannenden geologischen Formation: mehrere Gesteinsschichten liegen hier deutlich sichtbar offen. Die oben erwähnte Tafel (die in der Zwischenzeit entfern wurd) spracht dabei von einem „geologischen Fenster“. Aber ist das auch geologisch korrekt?
Geologie des Birstals
Die Landschaft rund um Dornach gehört zur Übergangszone vom Rheintalgraben zum Tafeljura. Geologisch gesehen ist das untere Birstal Teil des Hügellandes, das durch tektonische Prozesse wie das Auffalten der Juraketten und das Absinken des Rheingrabens entstand.
Vor Ort
In das enge und feste Flussbett gezwängt, schlängelt sich die Birs seit langer Zeit durch die Landschaft. Auf Höhe der heutigen Nepomukbrücke fällt das Flussbett abrupt steil ab, bei Hochwasser bildete sich hier ein tosender Wasserfall. Dies war ein idealer Ort um hier vor gut 500 Jahren eine Brücke zu errichten – die eben erwähnte Nepomukbrücke. Natürlich dauert es nicht lange, es entstand ein reger Verkehr und die Siedlung Dornachbrugg, auch Brüggli genannt, begann sich hier auszubreiten. Durch das naturgegebene Gefälle wurde an dieser Stelle auch schon früh die Wasserkraft ausgenutzt, heute steht hier ein Kleinkraftwerk.
Quelle: Willi Jäggi, Alt-Kreisförster, Martin Roth, Kreisförster, April 2013.
https://www.waymarking.com/waymarks/wmZZPN_Geologisches_Fenster_Dornachbrugg_Dornach_SO_Switzerland, Zugriff 19.6.23

Beim Wegpunkt 1, von der neuen Brücke aus gesehen links unterhalb der Stauwehranlage, sind im Flussbett die schräg gestellten Sandsteinschichten noch gut zu erkennen. Es soll noch «alte Dornacher» geben, die von der 'Steinbirs' sprechen. Da man Versteinerungen von Zimt- und Palmenbäumen fand, ist davon auszugehen, dass an dieser Stelle einst ein sehr warmes Klima geherrscht haben muss.

Bild 2
Das Geologische Fenster
Die heute sichtbaren Gesteinsschichten am Ufer wurden nicht durch tektonische Hebungen oder Überschiebungen freigelegt, sondern durch Wassererosion: Die Birs hat sich über lange Zeiträume in das Gelände eingeschnitten und dabei Sedimentschichten wie Sandstein und Mergel freigelegt.
Was ist eigentlich ein „Geologisches Fenster“?
Klassische Definition (enge, tektonische Bedeutung)
Ein geologisches Fenster entsteht, wenn ältere Gesteinsschichten durch tektonische Überschiebungen eigentlich verdeckt sind, aber durch Erosion wieder sichtbar werden.
Beispiel: Das Tauernfenster in den Alpen.
→ Nach dieser Definition ist das Birsufer kein geologisches Fenster.
Erweiterte Auslegung (erosives Fenster)
Manche Geolog:innen und populärwissenschaftliche Quellen verwenden „geologisches Fenster“ allgemeiner:
Ein Ort, an dem durch natürliche Prozesse wie Erosion Gesteinsschichten sichtbar werden, die sonst verborgen wären.
→ Nach dieser Definition kann das Birsufer als geologisches Fenster betrachtet werden, nämlich im Sinne eines Erosionsfensters.
Guckloch in die Vergangenheit
Durch ein tektonisches beziehungsweise geologisches Fenster können wir also einen Blick werfen auf die Gesteinsschichten, die unter der Decke liegen und für uns nicht mehr sichtbar sind. Es ist ein Guckloch in längst vergangene Zeitalter.
Wenn eine Abtragung so weit reicht, dass sogar zwei verschiedene Unterlagen sichtbar werden, sprechen wir von einem Doppelfenster.
Earthcache-Aufgaben (Logbedingungen)
Beantworte folgende Fragen vor Ort und anhand des obigen Textes, um diesen Earthcache loggen zu dürfen. Die Antworten kannst du mir über das Geocaching-Nachrichtensystem oder per E-Mail schicken:
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Ankerkoordinaten
Bei den Ankerkoordinaten vom Weg nach unten aus gesehen, unter dem Parkplatz treten harte, graue Steine sichtbar hervor (Im Sommer nicht ganz einfach erkennbar). Diese sind ein Überbleibsel des alten Birsufers.
Um was für eine Gesteinsart handelt es sich?
Wegpunkt 1
Vom Wegpunkt auf der neuen Brücke aus, sind auf der linken Uferseite (Bild 1) am Ufer schräg aufgeschichteten Gesteinslagen zu erkennen.
- Beobachte die Gesteinsschichten an der Uferböschung:
– Wie viele unterschiedliche Schichten kannst du zählen?
– Beschreibe ihre Farbe(n) und grobe Struktur (z. B. feinkörnig, schichtig, hart oder bröselig).
- Vergleiche die beiden Definitionen von „Geologisches Fenster“:
– Warum wäre der Standort nach der engen Definition kein echtes geologisches Fenster?
– Warum könnte man ihn trotzdem als „Fenster in die Erdgeschichte“ bezeichnen?
- Wie sind die freigelegten Gesteinsschichten hier entstanden?
– Nenne zwei geologische Prozesse, die zur heutigen Sichtbarkeit der Schichten beigetragen haben.
Wegpunkt 2
Wenn du auf der Nepomukbrücke stehst, berühre das Gestein, aus dem (die Kopie) des Brückenheiligen erschaffen wurde.
Beschreibe in deinen Worten, wie sich diese Gesteinsart anfühlt.
Mache ein Foto von dir oder deinem GPS mit der Birs oder der Nepomukbrücke im Hintergrund. Auf dem Foto muss das Datum deines Besuches sichtbar sein. (Laut Earthcache Guidelines ist die Forderung eines Fotobeweises seit Juni 2019 wieder erlaubt.)
Herzlichen Dank für deinen Besuch bei meinem Earthcache!