Dieser Cache ist Teil des Kärntner Adventkalenders 2023
Das Englein Silberhaar
„Faule Englein, die nur Schabernack im Kopf haben, können wir im Himmel nicht gebrauchen", sagt Petrus mit donnernder Stimme und blickte das kleine Englein streng an. Heute ist der Heilige Abend, da muss jedes Weihnachtsenglein den Menschen eine Freude machen. Also, marsch auf die Erde mit dir! Mach deine Sache gut, dann lasse ich dich wieder herein, dann will ich auch all den Unsinn vergessen, den du angestellt hast!

Rumms, Petrus schlug dem Englein die Tür vor der Nase zu und es stand draußen. Das Englein klimperte erschrocken mit den Flügeln und flog zur Erde hinunter. Es war alles tief verschneit, und wenn es kein Englein gewesen wäre, hätte es in dem dünnem Kleid sicher furchtbar gefroren. Da klang durch die klare Winterluft ein helles Läuten an ihrem Ohr. Das ist gewiss der Weihnachtsmann, dachte das Englein. Schon kam der Schlitten angesaust.

Zwei weiße Pferde zogen ihn und darin saß tatsächlich der Weihnachtsmann. "Du hast dich wohl verlaufen?", fragte er, als er das Englein erblickte. Das Englein schämte sich sehr, dennoch sagte es die Wahrheit. "Petrus hat mich aus dem Himmel ausgesperrt. Nur wenn ich einem Menschen eine Weihnachtsfreude mache, darf ich wieder hinein!" Der Weihnachtsmann kniff ein Auge zu und schmunzelte. "Frech gewesen, hm?", fragte er. "Na, steig auf!"

Das Englein war sehr froh, dass es den Weihnachtsmann getroffen hatte. Schnell setzte es sich in den Schlitten. Dann fuhren die beiden in den nächsten Tannenwald und suchten die schönsten Bäume aus, um sie zu schmücken und den Menschen zu bringen. Der Weihnachtsmann holte einen großen Sack aus seinem Schlitten und schüttete allerlei bunten Weihnachtsschmuck in den Schnee.

Den Weihnachtsschmuck hängten das Englein und er zwischen die grünen Zweige. Aber als aller Weihnachtsschmuck verbraucht war, stand noch ein Bäumchen mit leeren Zweigen da. Ratlos kraulte der Weihnachtsmann seinen Bart und das Englein machte ein bestürztes Gesicht.

Dann hatte es eine Idee. Es steckte die goldenen Sterne vom Kleidchen zwischen die Zweige und hängte die silbernen Engelshaare darüber. Das Bäumchen sah schon sehr schön aus, aber das Englein war noch nicht zufrieden.

Es nahm den Silberstaub von den Flügeln und stäubte ihn über die Zweige. "Das ist der schönste Weihnachtsbaum, den ich in meinem langen Leben gesehen habe", sagte der Weihnachtsmann und streichelte dem Englein über sein zerrupftes Köpfchen. "Jetzt hilf mir, den Schlitten zu beladen, damit wir die Gaben zu den Menschen bringen können." Bald war alles im Schlitten verstaut und die weißen Pferde trabten an. Mit Schellengeläute ging es dahin.

Bald sah das Englein die ersten erleuchteten Fenster durch die Nacht blinken und schon kam der Schlitten mitten im Dorf zum Stehen. Aus vielen Fenstern fiel schon der goldene Weihnachtsschimmer, doch es gab auch ein paar Fenster, da merkte man gleich, dass der Schimmer fehlte. Dorthin brachte der Weihnachtsmann die geschmückten Bäume.
Zum Schluss war nur noch das Bäumchen mit dem Engelshaar übrig. "Das ist dein Bäumchen", sagte der Weihnachtsmann. "Du darfst es selbst zu den Menschen bringen," Zuerst sah das Englein etwas ratlos aus, doch dann entdeckte es am Ende des Ortes ein Häuschen, wo überhaupt nichts von einem Weihnachtsschimmer zu bemerken war. Dorthin ging es mit dem Bäumchen. Unbemerkt stellte es dieses ins Zimmer, dann ging es geschwind vors Haus zurück und stellte sich ans Fenster. Wie freuten sich die Kinder, als sie das schöne Bäumchen entdeckten! Auch das Englein freute sich sehr.
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"Das hast Du gut gemacht!", lobte der Weihnachtsmann. "Ich glaube, dass Petrus mit dir zufrieden ist und dich wieder in den Himmel lässt. Viel Glück, kleines Englein. Bestimmt sehen wir uns im Himmel wieder!" Und während der Weihnachtsmann mit seinem leeren Schlitten dahinfuhr, schwebte das Englein mit glücklichem Herzen zurück in den Himmel. Dort klopfte es an das große Himmelstor. Petrus war recht erstaunt, als er das zerrupfte Englein sah.

"Schon wieder Dummheiten gemacht?", knurrte er. "Wie siehst du denn aus?“" Wo sind deine Haare und die Sternchen von deinem Kleid?" Wo ist der Silberstaub von deinen Flügeln“? "Ich habe ein Weihnachtsbäumchen damit geschmückt", sagte das Englein bescheiden. "Darf ich nun wieder in den Himmel?“ Petrus war gerührt. "Komm rein“, brummt er. Er liess dem Englein neue Sterne aufs Kleid nähen und streute ihr Silberstaub über die Flügel, auch die Haare wachsen wieder.
