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Der Soldatentod der Schülerin Liane Stange Multi-Cache

Hidden : 3/10/2024
Difficulty:
2 out of 5
Terrain:
2.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:


Am 27.April 1945 rücken amerikanische Truppen von Norden her kampflos in Dietmannsried ein. Es herrschte das totale Chaos. Behörden waren aufgelöst oder geschlossen, Brücken gesprengt, es gab eine nächtliche Ausgangssperre, die um 18 Uhr begann, Ein Auto hat noch fast niemand und wenn dann fehlte der Treibstoff. Der Ort war von Bombengeschädigten aus Großstädten und Wehrmachtshelferinnen überfüllt.

Seit 1943 war im ersten Stock des Gasthofes "Zum Ochsen" eine Klasse von ungefähr 20 Schulmädchen aus dem Ruhrgebiet einquartiert. Im Zuge er erweiterten Kinderlandverschickung, die Kinder aus ausgebombten Großstädten in sichere ländliche Gebiete verbrachte, waren sie nach Dietmannsried gekommen. Dort sollten sie von einer Gruppenleiterin und zwei Lehrerinnen ungestört von Fliegerangriffen weiter unterrichtet werden. Sie schliefen in Holzbetten im kleineren Saal, der nur durch eine verschiebbare Holzwand von dem etwas größerem Klassenzimmer abgetrennt war.

Unter den Schulmädchen war auch Liane Stange, die 1928 in der deutschen Kolonie Blumenenau in Südbrasilien geboren wurde. Ihre Eltern waren nach dem ersten Weltkrieg nach Brasilien ausgewandert. 1939 folgten sie dem Aufruf Hitlers an alle Auslanddeutschen, wieder "ins Reich heimzukehren". Mit einem der letzten Schiffe vor Kriegsausbruch kam die Familie Stange mit ihren zwei Töchtern nach Düsseldorf.

Nach dem Durchmarsch der Amerikaner rotteten sich die auf den Höfen um Dietmannsried untergebrachten polnischen Zwangsarbeiter zusammen. Sie waren plötzlich frei und nahmen im Gasthaus "Zum Ochsen" Quartier. Die auswärtigen Schulmädchen sahen sich aus ihrer Unterkunft vertrieben und gezwungen eine neue Bleibe zu suchen. 12 bis 15 kamen in einer nicht genutzten Spenglerwerkstatt gleich nebenan unter. Die übrigen mussten sich woanders eine Bleibe suchen. Zu diesen gehörte auch Liane Stange, die am späten Nachmittag des 28. April mit drei weiteren Mädchen zum Atzenberg aufbrach. Da die zwei Bauernhöfe bereits überfüllt waren, schickte man sie in den etwa 1,5 km weiter südlich gelegen Weiler Ellensberg. Aber auch dort scheinen sie abgewiesen worden zu sein.

Aus nicht mehr klärbaren Gründen gingen die Mädchen nicht mehr den kürzeren Weg über Atzenberg zurück, der über freies gut einsehbares Gelände führte. Dieser wäre sicherer gewesen, da die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt auf niemand mehr schossen, der offen und ohne Waffen herumlief. Jedenfalls wählten sie einen am Waldrand oberhalb des Illertals verlaufenden Pfad als Rückweg. Dort wurden die vier Mädchen von einem amerikanischen Patrouillenjeep gesichtet der auf der ungefähr 50 m tiefer gelegen Straße nach Hinwang entlang fuhr.

In der Gegend gab es noch versprengte Wehrmachtssoldaten und dadurch die GIs entsprechend nervös. Vermutlich hielten sie die Mädchen oben am Waldrand, die graue Mäntel trugen und aus der Distanz nur schemenhaft zu erkennen waren, für deutsche Soldaten. Die Amerikaner reagierten sofort mit Maschinengewehrfeuer. Sie trafen Liane mit einem Kopfschuss. Sie haben wohl nie erfahren, dass sie durch ihre Salven ein harmloses Mädchen getroffen haben.

Mit einem Handschubkarren wurde Lianes Körper zuerst zum Atzenberg und am nächsten Tag nach Dietmannsried gebracht. Dort wurde sie zusammen mit sieben deutschen Soldaten in einem gemeinsamen Grab bestattet.

Quelle: Damals im Oberallgäu ISBN 978-3-86037-401-6

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