Beinahe wär’s passiert!
Beim Kalkwerk im Ranggrund

Wohlgemuth’s Henner betrieb in den 30er und 40er Jahren im Ranggrund ein Kalkwerk, in dem Branntkalk hergestellt wurde. Das örtlich vorhandene Gestein wurde hier von der Wand gesprengt, mit Vorschlaghämmern gebrochen, auf Loren verladen, zum Ofen gefahren, dort gebrannt und schließlich gemahlen.
Die heute üblichen Lade- und Transportgeräte kannte man damals noch nicht. Die Maschinen wurden durch Arbeitskräfte ersetzt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden auch hier kriegsgefangene Franzosen eingesetzt, da die Stammbelegschaft an der Front war. Zwischen Franzosen und dem „Chef“ bestand ein gutes Verhältnis – es überdauerte auch das Kriegsende. Ganz im Gegensatz dazu gab es manches Mal Ärger, wenn die Verpächterin des Bruches auftauchte und aus nichtigen Gründen einen Streit anzettelte, sich auch mit den Franzosen anlegte. Nach einem solchen Disput ließ sich der Henner einmal Frühstücksbude zu der Bemerkung hinreißen: „Mä schmissen se noch mo in’nen Kalkowen!“
Sicherlich hatte er diese gedankenlose Äußerung schon lange wieder vergessen, als die Franzosen eines Tages den Kalkofen Schicht für Schicht mit Kalkgestein und Koks von oben beschickten, während er, der Chef, sich in den unteren Betriebsräumen aufhielt. Der Ofen war noch nicht halb voll, als einer der Franzosen rief: „Chef, reinschmeißen?“ In dem Glauben, daß bei den Franzosen irgendwelche Zweifel bestünden, den Ofen wie üblich randvoll zu füllen, rief der Henner nach oben: „Jo klar, als nin!“ Auf diese Bemerkung hin wurde es oben sehr laut. Heftige Sätze in französisch und – unüberhörbar – dazwischen Hilferufe, offensichtlich die einer Frau. Auf seinen Ruf: „Was es denn do oben lose?“, erhielt er keine Antwort, doch das Schreien um Hilfe wurde noch lauter. Der Henner eilte den Berg hoch zur oberen Plattform und glaubte seinen schlechten Augen nicht zu trauen: da hatten doch die Franzosen das Zeter und Mordio schreiende Frauenzimmer am Schlafittchen und wollten es in den Kalkofen befördern – so wie es der Chef befohlen hatte. Zum Glück konnte der Henner dies noch verhindern. Die Pächterin jedoch ließ sich von Stund an nicht mehr im Bruch sehen.
(Otto Wohlgemuth in: Bergmann, Waltari: Tausendjähriges Morschen, 1985.)
Lies dir den Text durch und beantworte die im Geochecker gestellten Fragen, um deine weiteren Aufgaben zu erfahren. Dieser Mystery-Multi wird dich zu den Überresten des Kalkwerks führen.
Viel Spaß beim Erkunden wünscht MysteriusHide!