Auf dem Platz vor der Kongresshalle an der Ecke Imhofstraße/Gögginger Straße steht der Reichenberger Brunnen. Der Brunnen wurde der Stadt von den Sudetendeutschen geschenkt, weil Augsburg im Jahre 1955 die Patenschaft für die nordböhmische Stadt und den Bezirk Reichenberg übernahm. Die Reliefs auf der Brunnensäule stellen einen Überblick über die Geschichte der nordböhmischen Stadt an der Görlitzer Neiße dar.
Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei in den Jahren 1945–1946 war die Massendeportation der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei (ČSR) nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Schätzungsweise 1,6 Millionen deutsche Einwohner wurden in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands und 800.000 Menschen in die sowjetische Zone vertrieben. Eine gewisse Anzahl Deutscher, vor allem aus Südmähren und Südböhmen, gelangte nach Österreich, das damals ebenfalls von den Siegermächten besetzt war.
Im Jahr 1955 übernahm die Stadt Augsburg die Patenschaft über die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen. Der Augsburger Stadtrat beschloss am 15. März 1955 die Patenschaftsübernahme. Feierliche Übergabe der Urkunde war am 24. April 1955 im Rathaus der Stadt Augsburg, im Goldenen Saal. Die Urkunde empfing der Vorsitzende des Heimatverbundes Reichenberg und letzte Bürgermeister Reichenbergs, Dr. Theodor Leicht.
Seit 1980 steht vor der Kongresshalle der „Reichenberger Brunnen“, der von unserem Reichenberger Landsmann Dr.Ing. Egon Hartmann, München, geschaffen wurde und den der Heimatkreis aus Anlass des 25jährigen Patenschaftsjubiläums der Stadt Augsburg zum Geschenk gemacht hat.
Er trägt folgende Inschrift:
“Die Stadt Reichenberg wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Ihre Bürger entwickelten sie zum Hauptort der deutschen Industrie und Kultur in Böhmen Sie liebten ihre Stadt und ihre Heimat, aus der sie 1945 vertrieben wurden Als Zeichen des Dankes errichteten sie im Jahre 1980 in ihrer Patenstadt Augsburg diesen Brunnen.
Die Sudetendeutschen aus Stadt und Land Reichenberg.“
Egon Hartmann (* 24. August 1919 in Reichenberg, Tschechoslowakei; † 6. Dezember 2009 in München) war ein deutscher Architekt und Stadtplaner.

Hartmann wurde als einziges Kind von Franz und Anna Hartmann, geb. Müller, geboren. Er besuchte bis 1934 die Volks- und die Staatsrealschule in Reichenberg, von 1934 bis 1938 dann die Höhere Staatsgewerbeschule in Reichenberg, wo er den Abschluss zum Bauingenieur absolvierte. Anschließend war er Mitarbeiter beim Architekten Henry König in Berlin, bevor er von 1939 bis 1945 am Zweiten Weltkrieg teilnahm, zuletzt als Leutnant der Reserve. Im Wintersemester 1942/43 studierte er an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar. Im November 1944 erlitt er mit dem Verlust des Unterkiefers die schwerste Kriegsverletzung und musste bis Oktober 1945 im Kieferlazarett in Prag, später in Gotha zubringen. Von 1946 bis 1948 setzte Hartmann sein Studium in Weimar fort und schloss als Diplomarchitekt ab. Von 1948 bis 1949 war er Assistent bei Prof. Gustav Hassenpflug an der Hochschule in Weimar. Einem Ersten Preis beim Wettbewerb um die Schule Unterwellenborn folgte der Eintritt in das Landesprojektierungsbüro Thüringen in Weimar. Hartmann war an zahlreichen städtebaulichen Wiederaufbaustudien und Generalbebauungsplanungen in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR beteiligt. Nach Plänen von Hartmann wurde 1950/51 in Erfurt ein Verwaltungshochhaus als „Ministerialdienstgebäude“ errichtet; es war das erste in der DDR gebaute Hochhaus außerhalb Berlins und steht heute unter Denkmalschutz. 1951 gewann er den ersten Preis im Wettbewerb für die städtebauliche und architektonische Gestaltung der Ost-Berliner Stalinallee. Als Chefarchitekt und technischer Leiter des staatlichen Projektierungsbüros für Stadt- und Dorfplanung in Weimar verantwortete er die Erarbeitung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen für über 30 thüringische Städte und Stadtzentren. 1952 wurde Hartmann der Nationalpreis I. Klasse für Kunst und Literatur der DDR verliehen.
1954 siedelte er in die Bundesrepublik über, wo er zunächst im Hochbauamt Mainz angestellt war. 1958 errang er beim wichtigen westdeutschen Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ einen zweiten Platz. 1959 zog Hartmann nach München, 1962 wurde er an der Technischen Hochschule Darmstadt promoviert mit einer Arbeit über die Entwicklung der Stadt Mainz, die von Max Guther und Karl Gruber betreut wurde. In München arbeitete er in verschiedenen Büroarbeitsgemeinschaften und plante für München drei Entlastungsstädte sowie die Fußgängerzone in der Altstadt und 1963 legte er einen Stadtentwicklungsplan vor. 1963 wurde er Baudirektor im städtischen Baureferat München. Ab 1964 leitete er dort die Konzeption der Satellitenstadt Neuperlach. Mit dem Endergebnis des neuen Stadtteils war er jedoch nie vollständig einverstanden. 1967 baute er sein eigenes Wohnhaus in München-Neuforstenried. 1976 ging Hartmann in den Ruhestand, in dem er sich der bildenden Kunst widmete und zahlreiche Reisen unternahm. 1980 schuf er den Reichenberger Brunnen in Augsburg, der an bedeutende Persönlichkeiten aus Reichenberg erinnert.
Hartmanns „vier berufliche Stationen Weimar/Erfurt, Berlin, Mainz und München sind alle paradigmatisch für den Städtebau der Moderne in Deutschland“, so Sophie Wolfrum 2010 in ihrem Nachruf in der Bauwelt, und Hartmann eine „Schlüsselperson des Nachkriegsstädtebaus in Deutschland“, doch „eine präzise architekturkritische Würdigung seiner Arbeiten steht noch aus“.
Hartmanns Nachlass befindet sich in den Wissenschaftlichen Sammlungen des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner, ein kleinerer Teilnachlass außerdem im Architekturmuseum der Technischen Universität München.