
Der Gersteinweg, der mit dem Wanderzeichen „G“ gekennzeichnet ist, verbindet 2 historische Orte, die für die Familie Gerstein von besonderer Bedeutung sind. Der 11 km lange Weg führt vom Schloss Hohenlimburg nach Haus Dahl. Entlang des Weges informieren metallene Geschichtstafeln über die jeweiligen Wegpunkte und deren historischer Verbindung zur Familie.
Die Familie Gerstein stellte über mehrere Generationen die leitenden Regierungsbeamten der Grafschaft Limburg. Sie förderten nachhaltig die industrielle Entwicklung der Umgebung und waren an dem Ausbau der Schlossanlage beteiligt. In Folge seien beispielhaft drei Familienmitglieder und deren Wirken genannt.
Der Hofmeister und Regierungsrat Karl Ulrich Gerstein, geb. 1692, erschuf für Graf Moritz Casimir I. den barocken Hofgarten. Ebenso revolutionierte er die Wasserversorgung im Schloss, indem er hölzerne Wasserleitungen baute, die über den Röhrenweg zum Schlossbrunnen führten. Schwermütig geworden setzte er 1750 seinem Leben ein Ende durch einen Pistolenschuss im „großen“ Lusthaus des Schlossgartens. Im neuen Palas des Schlosses gibt es bis heute das Gersteinzimmer, dass unter anderem Portraits der Familie beherbergt.
Urkundlich überliefert sind die Vergünstigungen, die Karl Ulrich Gerstein durch die Ernennung zum Regierungsrat erwirbt. „Er soll erhalten 1. 200 Reichstaler Fixum 2. freie Verpflegung an der gräflichen Tafel für seine Person und für seinen Diener am Lakaientisch oder, wenn die Hofhaltung in Limburg oder anderswo, Kostgeld und täglich eine Kanne Wein. 3. Futter, Hufschlag und Stallung für ein Pferd (er darf sich der Reitpferde bedienen, die der Graf selbst nicht gebraucht). 4. Papier und Siegellack, soweit er zu Regierungssachen braucht. 5. Die gewöhnlichen Amts- und Gerichtsjura. 6. Solange er unverheiratet, freie Wohnung im Schloß ohne Holz und Licht."
Ebenso aufgelistet ist das Inventar seiner in Limburg befindlichen Mobilien nach seinem Tode (sein Hauptwohnsitz war allerdings Rheda): „24 Th. 68 Stüber – eine silberne Tabaksdose – ein silberner Degen mit Gehäng – 18 Ober- und Unterhemden – 25 Schnupftücher – 10 Paar Vorärmel – 16 Halstücher – 13 Schlafmützen – 11 Nachtschaltücher – 5 Paar Unterstrümpfe – 1 Paar Gamaschen – 2 Anzüge – 1 grünes Surtout – 1 Hut mit Tresse – 1 Perücke – 2 Paar Schuhe – 1 Paar silberne Schuhschnallen – 1 Bett (2 Ober-, 1 Unterbett, 6 Küssen) – 2 Tabaksdosen – Thee- und Kaffeegeschirr. Dann 2 Reitpferde mit Sattel und Zeug. Verkaufserlös: 23 Rth.“
Quelle: Museologisches Gutachten »Von der Adelsherrschaft zum Industriezeitalter« Erschließung der Ausstellungs-, Wissens- und Erlebnisbereiche Schloss Hohenlimburg vorgelegt von Prof. Jürg Steiner, Architekt BDA
Der Jurist Friedrich Gerstein, geb. 1780, wollte Landrat des alten Landkreises Hagen werden. Nach den Gepflogenheiten des preußischen Staates konnte er dieses Amt jedoch nur bekleiden, wenn er in der Region über einen Adelssitz verfügte. Daher erwarb er das Dahler Rittergut 1820 von seinem Onkel, ließ es aber kurze Zeit später abreißen und auf den Fundamenten ein neues Gutshaus, das heutige Haus Dahl, erbauen. Als Landrat war Friedrich ungemein beliebt, weil er einerseits volksnah, andererseits sehr fortschrittsoffen war. Daher legte er auch keinen Wert auf die seinerzeit für seinen Stand gebräuchliche Anredefloskel "Hochwohlgeboren". 1836 verstarb Friedrich Gerstein in Folge einer Verengung der Speiseröhre. Auf dem von seinem ältesten Sohn geschaffenen Waldfriedhof in Dahl fand er seine letzte Ruhestätte.
Maximilian Gerstein wurde 1856 in Haus Dahl geboren und später Begründer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer. Er machte sich insbesondere um den Straßen- und Brückenbau im Volmetal verdient; zuvor musste man sieben Mal durch die Volme, wenn man von Dahl nach Hagen wollte.
Soweit zum geschichtlichen Hintergrund der Familie Gerstein, zu deren Ehren der Gersteinweg angelegt und 2005 freigegeben wurde.
Es ist Euch natürlich freigestellt, die gesamte, landschaftlich schöne Strecke des Gersteinweges zurückzulegen. Für die Bergung der Dose ist das allerdings nicht notwendig, da es sich hier ja um einen Tradi handelt. Er liegt an der Stelle, wo der Gersteinweg vom Oberförster-Pfahl-Weg abzweigt.
Viel Freude beim Wandern und Finden wünschen Bine & Heino - flimmflammfunkel