St. Josefs-Kapelle Burladingen

Die Burladinger St. Josefskapelle hat eine lange Geschichte, ihr Ursprung reicht bis auf das Jahr 1633 zurück. Von ihrer Bedeutung für frühere Generation zeugen bis heute Spuren im Stein. Am heutigen Bau, auch "Hausener Käppele" genannt, erkennt man noch Einkerbungen im Sandstein am Kapelleneingang. Sie entstanden in der Zeit, als sich unter den Bauern der Brauch verbreitete, vor Beginn der Mäharbeit an diesem Stein Sense und Sichel zu wetzten und an dieser Stelle ein Gebet zu sprechen. Davon erhoffte sich die Landbevölkerung offenbar besonderen Schutz vor Arbeitsunfällen während der Ernte. Von dem Besuch der Kapelle erhofften sich die Bauern zudem aber auch die Fürsprache des Heiligen Josef für eine reiche Ernte und für gutes Wetter. Mancher, der diesen Brauch kennt, hat angesichts aktueller Temperaturen schon überlegt, ob er nicht eine alte Sichel herausziehen und dort wetzen soll, damit sich mal wieder die Sonne zeigt. Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Burladingen schmunzelt über so einen Spruch. Aber vor den Furchen im Stein empfindet er große Ehrfurcht. Für ihn sind sie ein bewegender Hinweis auf die Sorgen und Nöte, die die Vorfahren bedrückten, zugleich sieht er ihn ihnen aber auch ein Zeichen für das Vertrauen, das sie in ihre Religion legten.

Die Kolpingsfamilie Burladingen und der Burladinger Albverein haben 1993 und 1994 gemeinsam die Kapelle renoviert.
Schon auf einem Kupferstich von Mathias Merian aus dem Jahr 1643 erkennt man in der linken oberen Ecke ein Kirchlein, das einst auf der Schlichte zwischen Burladingen und Hausen stand. 1744 wurde es abgebrochen, das Material wurde für den Neubau der St. Nikolauskirche in Hausen verwendet. Im Jahr 1810 wurde der Auflage des Fürsten Rechnung getragen und auf Burladinger Gemarkung die Josefskapelle aufgebaut. 1898 hätte die Kapelle fast der Bahnlinie weichen müssen.
Bis nach Kriegsende stand das Käppele weit außerhalb der Ortschaft, mittlerweile haben sich die Ansiedlung und vor allem zahlreiche Gewerbebauten längst bis an diese Stelle ausgedehnt. Den prächtigen Altar krönt eine Kopie einer Pieta aus dem frühen 16. Jahrhundert die einst im Innern der Kapelle stand. Die Kopie wurde ebenfalls von den beiden Vereinen finanziert.
Quelle: Schwarzwälder Bote August 2011