Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche "St. Silvester" Jungingen

Im Mittelalter gehörte Jungingen neben Starzeln und Hausen zur Mutterpfarrei Killer und damit zum Dekanat Trochtelfingen. Die Kirche in Killer (Kirchweiler. Kirchwilari – Killer – Killertal) wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Ein Zinsbüchlein von 1466 gilt bisher als die älteste Urkunde, die über unsere Junginger Kirche berichtet. Sie weist darauf hin, dass die hiesige Heiligenpflege über genügend Grundvermögen verfügte und damit die Voraussetzungen für eine eigene Kirche als Filiale von Killer gegeben waren.
Vermutlich war die Kapelle auf der Lehr – (heute St. Anna Kapelle) das erste Kirchlein im Dorf. Da sie bald viel zu klein war, gab es wohl seit dem beginnenden 15. Jahrhundert ein größeres Gotteshaus am heutigen Standort, ausgestattet mit einem massiven Turm, der in der Lage war, die im 14. Jahrhundert gegossene „Bauernglocke“ zu tragen, das älteste und ehrwürdigste Kulturdenkmal in der Gemeinde Jungingen. 1495 erhielt das Dorf mit der Heiligkreuzglocke eine zweite Glocke. Der solide gebaute Turm wurde 1819 beim Neubau der Kirche übernommen und beheimatet bis auf den heutigen Tag sechs Glocken mit einem schwingenden Gewicht von rund 80 Zentnern. Als Schutzpatron der Kirche wurden bereits 1437 die Heiligen Jakobus und Silvester genannt.
1473 fiel Jungingen an die Grafen von Zollern, nachdem die Gemeinde 173 Jahre lang unter württembergischer Hoheit gestanden hatte. Dieser Herrschaftswechsel beeinflusste auch die kirchliche Situation und führte 1488 zur Trennung von der Mutterkirche Killer. Jungingen wurde jetzt durch Graf Eitel Fritz von Hohenzollern eigene Pfarrei, Veit Kipft als erster Pfarrer am 8.12.1488 investiert. Verheerende Folgen brachte der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648). Die Visitationsberichte von 1661 melden: „Die Kirchen und Kapellen wurden geplündert, verwüstet und zum Teil entweiht“. Lange Jahre war die Pfarrei Jungingen ohne Priester, die Menschen litten „an großen seelischen Schäden“).
Neubau von Kirche, Pfarrhaus und Friedhof
Der heutige Kirchenbau wurde vom 6. Mai bis 11. November 1819 an Stelle der ehemals kleineren Kirche durch Werkmeister Johann Walter Sauter aus Balingen und dessen Sohn Johann Jakob errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. Mai 1819. Um 1820 zählte die Junginger Pfarrei 820 Seelen, im Jahr 1785 waren es noch 601 Seelen gewesen. Im November 2006 zählte die Junginger Kirchengemeinde 983 Personen. Der Bauherr der neuen Kirche war der damalige Pfarrer Raphael Huber, der von 1816 bis 1829 in Jungingen wirkte. Seiner Initiative ist der Neubau zu verdanken, welcher Gesamtkosten von rund 16 999 fl. (Gulden) und 13 Kreuzer verursachte. Das benötigte Bauholz wurde von der Gemeinde Jungingen geschenkt.
Das heutige Pfarrhaus wurde 1901 erbaut. Es weist eine besonders schöne Jugendstiltür auf mit geschnitzten Ranken sowie Beschlägen in Form von Schlangen und Fischen.
1869 wurde der heutige Friedhof zwischen Holder- und Weilbachstraße angelegt, da der alte bei der Kirche zu klein geworden war und die Behörden „wegen gesundheitlicher Gefahren und Pietätlosigkeit im Zusammenhang mit sehr kurzen Ruhezeiten der Toten“ dringend eine andere Lösung forderten. Der alte Gottesacker bei der Kirche wurde abgetragen, Knochenreste in einem Grab beim Eingang zur Sakristei beigesetzt.
Es war ein Glücksfall, dass der Bau der Kirche im frühen 19. Jh. zeitlich mit dem Abbruch des Hechinger Stadtschlosses (1814) zusammenfiel, denn neben einem Betrag von 4000 fl. (Gulden) schenkte der Fürst von Hechingen der Pfarrgemeinde auch den Hochaltar (1857 wegen Baufälligkeit abgebrochen und zunächst durch einen Behelfsalatar und 1901 durch den heutigen ersetzt) sowie eine Anzahl von wertvollen Kunstwerken aus der Schlosskapelle, die noch heute das Gotteshaus schmücken. Sie tragen unverkennbar die Handschrift des Bildhauers Virgilius Moll, Schöpfer des Überlinger Altars, sowie der Künstler Esajas Gruber und Joachim Taubenschmid und zeugen daher von hoher, sakraler Schnitzkunst.
Der aus Kunstmarmor bestehende, schön verzierte Baldachin über dem Hochaltar sowie der aus Eichen- und Lindenholz gefertigte Altar stammen aus dem Jahre 1901/1902. Baldachin und Altar wurden geschaffen von dem aus Jungingen stammenden Altarbauer Robert Riester in Kempten/Allgäu.
Im selben Jahr erfolgte der Einbau der korbbogenähnlichen Farbglasfenster, die in München gefertigt wurden und größtenteils von Junginger Bürgern gestiftet wurden. In der Vorderseite des Altartisches wurde in späteren Jahren ein Abendmahlrelief aus Lindenholz eingelassen. Geschnitzt wurde es 1593 von dem Künstler des Überlinger Altars Virgilius Moll (Hechinger Schlosskapelle). Es handelt sich um ein querformatiges, ovales, holzsichtiges Relief. Dargestellt ist die Abendmahlszene, Christus im Kreise seiner zwölf Jünger an einem gedeckten Tisch.
Quelle: kath-burladingen-jungingen.de




Wallfahrt
In der Junginger Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Silvester wird das Bild „Unsere Liebe Frau von Einsieden“ hoch verehrt. Jungingen war jahrzehntelang die Schaltzentrale der Hohenzollerischen Pilgerzüge nach Einsiedeln/Schweiz, Beuron sowie nach Altötting.
Auf Eingabe und aus einem Bedürfnis heraus wurde beim Benediktiner-Kloster Einsiedeln/Schweiz durch den damaligen Wallfahrtspfarrer Benno Kramer das Gnadenbild, aus Zirbelholz, 1,17 Meter groß, Millimeter genau geschnitzt und am 25. März 1935 in Jungingen aufgestellt.
Ab diesem Zeitpunkt wird Jungingen als „Nebenquelle von Einsiedeln“ bezeichnet. Am 31.März 1935 ist die Wallfahrt im Hohenzollernland mit feierlichen Gottesdiensten eröffnet worden.
Die Königliche Hoheit, Fürstin Margarethe von Hohenzollern, stiftete die Krone der Muttergottes, die Majestät, Königin Augusta Viktoria von Portugal, die Krone des Jesuskindes. Vom Kloster Einsiedeln selber wurde dazu ein Prachtkleid für die Gnadenmutter gestiftet.
Die Wallfahrtsstätte in Jungingen nahm einen enormen Aufschwung, besonders die festlichen Maiandachten ziehen immer wieder Pilger zum Gnadenort.
Jungingen gehört inzwischen zur Seelsorgeeinheit Fehla-/Killertag. Dank Pfarrer Konrad Bueb wird seit dem Jahr 2006 im Monat Mai die Dekanatswallfahrt vom ganzen Dekanat unterstützt und gefördert, außerdem sind während des Jahres immer wieder Reisebusse mit Gruppen oder Pilgern auf dem Weg zum Gnadenbild in Jungingen.
Quelle: ebfr.de

Jakobuspilgerskulptur mit Torbogen am Hohenzollerischen Jakobusweg - 2130 km nach Santiago de Compostela
Eingeweiht 24 Juli 2011
Geh,
seit deiner Gebirt bist du auf dem Weg
geh,
eine Begegnung wartet auf dich
Mit wem?
Vielleicht mit dir selbst.
Wir danken der Gemeinde Jungingen
und allen Sponsoren
Hohenzollerische Jakobusgesellschaft e.V.

