
Steht man am Cache, erblickt man vor sich hohe Wohnblöcke. Doch zwei Details erinnern an die glanzvolle Vergangenheit des Ortes: An den Eingängen der Wohnhäuser balanciert ein Clown einen Ball auf der Nase, in welchem Hausnummer und Straßenname stehen. Benannt ist die Straße nach dem Zirkus Sarrasani, der von 1912 bis zur Zerstörung 1945 hier seinen Hauptsitz hatte. Um die Ecke symbolisiert ein Brunnen das frühere Treiben hier.
Der aus dem Großraum Radebeul stammende Hans Stosch hatte bereits in jungen Jahren im Zirkus gearbeitet und schließlich 1902 ein eigenes Zirkusunternehmen mit dem Namen "Circus Sarrasani", damals noch als Wanderzirkus, gegründet. Den Firmennamen hing er als Künstlernamen an seinen eigenen Namen und nannte sich ab 1904 Hans Stosch-Sarrasani senior (zur Unterscheidung seines gleichnamigen Sohnes).
Das Unternehmen florierte, man war auch oft in Dresden zu Gast, bevorzugt auf dem freien Platz neben dem Jägerhof. Es entstand die Idee, einen festen Zirkusbau zu errichten. Versuche in anderen Städten waren nicht erfolgreich, in Dresden stieß er aber seitens der Stadt auf großes Interesse und konnte schließlich jene Fläche am Carolaplatz für ein Zirkusgebäude erwerben.
Der Entwurf des Baus mit 3.860 Plätzen stammte vom Münchner Architekten Max Littmann, Baubeginn war im Mai 1911. Am 22. Dezember 1912 wurde das "Circus-Theater 5000" unter Anwesenheit der königlichen Familie als erster fester Zirkusbau Europas mit einer grandiosen Eröffnungsveranstaltung eingeweiht.

Bildnachweis: Deutsche Fotothek / Hantzsch, Hermann / Dresden. Carolaplatz mit LZ 127 "Graf Zeppelin" und Blick nach Nordwesten gegen den Zirkus Sarrasani, 1933.05.01 / df_hauptkatalog_0252893 / Lizenz: PDM 1.0 DEED, gemeinfrei
Das Geschäft brummte in den folgenden Jahren. 1926/1927 besaß der Zirkus zwei Riesenzelte für je 10.000 Zuschauer, 800 Mitarbeiter, 250 Pferde, 100 Raubtiere, 22 Elefanten und 175 Fahrzeuge. Zusätzlich zu den Vorstellungen im festen Bau gab es Tourneen mit Tieren und Artisten in ganz Europa. Nach dem Tod von Stosch-Sarrasani senior im Jahr 1934 teilte sein Sohn, der die Leitung übernommen hatte, den Zirkus: Ein Unternehmen spielte in Deutschland, ein zweites tourte durch Argentinien. Stosch-Sarrasani junior starb 1941. Künstler, Tiere und Personal waren schon vorher reduziert worden, nun wurde das Gebäude auch nicht mehr selbst bespielt, sondern gelegentlich verpachtet.
Bei den Luftangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945 wurde das Zirkusgebäude zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Geblieben sind vor Ort heute nur noch der Straßenname, die Hausgestaltung - und natürlich der wunderschön gestaltete Sarrasanibrunnen im Giebeleck der Wohnhäuser, welcher an die Zeit erinnert, als es hier noch Elefanten, Artisten und vieles mehr gab...
LesHommesSauvages wünschen viel Spaß!
