Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Lingener Büchereiwesen noch fest in der Hand des konfessionellen Vereinswesens. Das änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg. Ende Juni 1919 beschlossen die städtischen Kollegien, eine städtische Volksbücherei zu gründen. Unter der Leitung von Heinrich Mohrmann, Bürgervorsteher und Leiter der evangelischen Volksschule, konstituierte sich nun ein entsprechender Büchereiausschuss, der die Bevölkerung auch gleich zu Bücherspenden aufrief. Die Stadt unterstützte die Gründung mit 5000 Reichsmark. Außerdem wurde das Restguthaben des kürzlich aufgelösten Arbeiter- und Soldatenrates genutzt.
Die Bücherei wurde am Sonntag, dem 2. Mai 1920 eröffnet. Untergebracht war sie in der Gaststätte Tieding (Burgstraße 48). In einem vom Wirtschaftsbetrieb abgetrennten Raum war außerdem ein Lesezimmer mit aktuellen Zeitungen eingerichtet. Auf Nachfrage stellte man klar, dass die Zeitungen auch gelesen werden dürften, ohne ein Getränk zu bestellen. Im Gegenteil seien Speisen und Getränke in der Bücherei verboten. Ein Bibliotheksausweis kostete 3 Mark, ein Tag in der Lesehalle 10 Pfennige. Die Bücherausgabe fand Mittwochs und Sonntags für jeweils einige Stunden statt. Ausgeliehen werden sollte ein Buch für nicht länger als drei Wochen. Die ehrenamtliche Leitung übernahm Rektor Mohrmann, die Bücherausgabe besorgte Frau Julie Gelshorn. Man startete mit wenigen hundert Büchern.
(Quelle:: www.lingen.de)