Die meisten von euch werden das hölzerne Podest in der Auskragung der Stadtmauer bisher wohl nur als einen Teil des Mittelalter-Spielplatzes wahrgenommen haben. Das ging uns bis vor kurzem genauso.
Dabei handelt es sich um ein durchaus interessantes Detail der mittelalterlichen Stadtbefestigung. An dieser Stelle gab es nämlich mal ein sogenanntes Weichhaus.
Ein zunächst seltsam anmutender Begriff, dessen Sinn sich erst erschließt, wenn man im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm nachschlägt und auf sprachgeschichtlich andere Schreibweisen stößt:
- wîghûs (althochdeutsch)
- wíghús (angelsächsisch)
- wîchûs (altsächsisch)
- wîk-, wîchhûs (mittelnorddeutsch)
- wîchûs (mittelhochdeutsch)
Hmm, nichts davon klingt nach weich und flauschig, sondern eher nach wîc oder wîk, was sinngemäß mit Kampf zu übersetzen wäre.
Nun kommt langsam Licht ins Dunkel: Eine schnurgerade Stadtmauer lässt sich nur von oben herab verteidigen. Springt diese jedoch in gewissen Abständen erkerartig hervor, können die Angreifer auch seitlich attackiert werden. Natürlich lässt man einen solchen Erker in Friedenszeiten nicht ungenutzt, sondern baut ein Haus hinein; drei von vier Wänden sind ja schließlich schon da. Im Ernstfall mussten die Bewohner ihre Behausung allerdings den verteidigenden Truppen öffnen oder sogar mitkämpfen.
Und schon haben wir ein mittelalterliches Weichhaus, also ein Kampfhaus.
Zum Cache: Diesen haben wir natürlich nicht direkt am Weichhaus versteckt, sondern in hoffentlich sicherer Entfernung von den hier spielenden, entdeckungsfreudigen Kindern.