Der Götzenaltar
Der Götzenaltar, ein sehr auffälliger Felsblock, galt lange Zeit als ein von Menschen erschaffener Kultort. Eine ältere Informationstafel vor Ort erläutert dies noch heute und deutet den Block als möglicherweise von Menschen gesetzten Menhir (https://de.wikipedia.org/wiki/Menhir).

Ein Ritualort?
Ein sehr markanter Block mit einem in Nord-Süd-Richtung ausgerichteten Schlitz, schalensteinähnliche Vertiefungen, zwei Grabhügel in unmittelbarer Nähe, der Standort auf einem Hochpunkt im Gelände und Keramikfunde der Perioden Hallstatt B (1000–800 v. Chr.) und Hallstatt D (620–450 v. Chr.) schienen dies zu bestätigen. Tatsächlich erfüllt der Ort auch die Kriterien der Außergewöhnlichkeit und der Wiederholung, die der Religonswissenschaftler Carsten Colpe für prähistorische Ritualorte einführte. Der Ort wurde also mit großer Wahrscheinlichkeit als Ritualstätte genutzt.
Und er bekommt auch heute noch Besuch von Esoterikern, was man häufig an frischen Resten von Feuerstellen sieht (Quellen: Eigene Beobachtungen und schwäbische www.schwaebische.de/regional/tuttlingen/heuberg/der-mysterioese-goetzenaltar-auf-dem-heuberg-2718541).
Schalensteine
Schalensteine sind weltweit verbreitet. Sie können künstlichen Ursprungs sein, aber auch durch Verwitterung weicher Einschlüsse entstehen. Durch Schmelzwasser – oft mit Sand- oder Kiesanteilen – können auch tiefe und regelmäßige Vertiefungen wie Gletscher- und Strudeltöpfe in den harten Untergrund erodiert werden. Im Bereich des Götzenaltars finden wir zahlreiche Schalensteine, sie begegnen uns in Aufgabe 3.

Entstehung des Götzenaltars
Trotzdem ist der markante Götzenaltar natürlich entstanden. Er ist der frei stehende Rest einer Kalkbank des Unteren Massenkalks des Oberjura, der auch als Weißer Jura oder Malm bekannt ist. Die Gesteine, die den Götzenaltar einst umgeben haben, wurden abgetragen. Die geologischen Karten des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg zeigen um den Götzenaltar verteilte Abschwemmmassen, also Sande, Tone, Kies und Steingeröll/Steingrus. Sie sind im Gelände nicht zu erkennen.
Oberer Jura
Die Gesteinsbänke des Oberen Jura bestehen aus hellen Kalken und Mergeln. Der Obere Jura hat sich im Zeitraum vor etwa 163,5 bis 145 Millionen Jahren gebildet.
Der Obere Jura folgte auf den Mittleren Jura. Der Mittlere Jura wurde wegen der bräunlich gefärbten Ablagerungen auch Brauner Jura genannt. Die Braunfärbung wurde durch Eisenmineralien und von Zuflüssen angeschwemmte Tonanteile verursacht.
Gegen Ende des Mittleren Jura vergrößerte sich die Verbindung des regionalen Schelfmeeres mit der Thetys, also dem Urmittelmeer. Das nun vermehrt einströmende wärmere Wasser aus dem Süden beeinflusste das Klima. Es wurde trockener und deswegen wurden weniger Tonsedimente vom Festland in das Schelfmeer eingetragen. Durch die hohe Wassertemperatur des subtropischen Randmeeres erhöhte sich die biologische Aktivität. Weitere Tierarten konnten sich ansiedeln, Mikroorganismen und Muscheln schieden unter diesen Bedingungen mehr Kalk ab, so dass sich die Farbe der Kalksedimente änderte. Die nun helleren Kalke führten dazu, dass diese Schichten früher als Weißer Jura bezeichnet wurden.
Dies führte zur stetigen Ablagerung von Kalkschlämmen am Meeresboden, die durch Meeresströmungen großflächig verteilt wurden. Auf Erhebungen und Schwellen des Meeresbodens wuchsen durch koloniebildende Lebensgemeinschaften aus Mikroben, Algen und Schwämmen allmählich riffähnliche Strukturen. So bildeten sich mächtige Karbonatplattformen, in der sich Kalkstein– und Mergelschichten abwechselten.
Dieses Schelfmeer hatte aber auch eine Verbindung zum Nordmeer, so dass es zu Vermischungsvorgängen der damals lebenden Faunen kam.
Die Mächtigkeit der Gesteinsbänke des Oberen Jura liegt üblicherweise zwischen etwa 400 und 600 Metern, sie bilden einen Großteil der Hochfläche der Schwäbischen Alb.
Unterer Massenkalk
Die am Götzenaltar offen liegende Gesteinsschicht gehört zu den Unteren Massenkalken, einem Teil des Oberen Jura. Die Mächtigkeit beträgt zwischen 50 - 150 Metern. Diese Formation ist im Kimmeridgium (Kimmeridge: Ort in Dorset, nahe der Ärmelkanalküste) entstanden und hat ein Alter von etwa 157-152 Milionen Jahren. Sie werden auch Kimmeridge-Massenkalke genannt. Sie liegt lithostratigraphisch etwa im Bereich der höheren Unteren Felsenkalke und der tieferen Oberen Felsenkalke.
Die Ablagerung der Massenkalke - dem Gestein, aus dem der Götzenaltar besteht - fand in stark bewegten Gewässern statt, so dass sich keine Schichten bildeten, wie zum Beispiel bei den Plattenkalken. Dies führte zur Bildung von massigem Kalkstein, was namensgebend war. Die feinen Sedimente verfestigten sich im Laufe der Zeit durch chemische Prozesse und unter dem Druck der überlagernden Schichten. Sie bildeten meist harte, feinkörnige und widerstandsfähige Gesteine, die aber zum Teil weniger widerstandsfähige mergelige Einschlüsse oder andere Kalke enthalten.
Im Bereich des Götzenaltars sind die hellen Schichten, mit vereinzelten dunkleren Einschlüssen, gut zu erkennen.
Nutzung
Die feinkörnigen Kalksteine dieser Formation wurden und werden in der Schwäbischen Alb an verschiedenen Stellen in kleinen Steinbrüchen abgebaut. Sie werden überwiegend im Wegebau verwendet. Es wurden aber auch Grenz- und Pflastersteine daraus hergestellt.
Fragen
1.) Was denkst Du – schätzt Du das Gestein des Götzenaltars als eher weich oder eher hart ein - und warum?
2.) Der Götzenaltar und seine Umgebung wurden durch Erosion geformt. Woran erkennt ihr das am Götzenaltar und seiner Umgebung?
3.) Die Schalensteine .... sind solche bzw. ähnliche Strukturen wie oben im Bild in der unmittelbaren Umgebung des Götzenaltars zu sehen? Oder findet man sie häufiger und unregelmäßig geformt, was auf eine natürliche Entstehung durch Erosion hinweisen würde?
(4. Keine offizielle Frage, aber wer noch etwas beobachten mag: Sehr nah am Götzenaltar, Richtung 50 und 250°, sehen wir zwei verflachte Grabhügel. Wie unterscheiden sie sich von den natürlichen Strukturen?)
Logbedingungen:
– Bitte schickt drei Antworten per Mail (gc-grill-korb@web.de) oder eine Nachricht über das Message-Center an uns.
– Ein Bild aus dem Bereich des Götzenaltars mit einem Begleiter - also GNSS-Empfänger, Smartphone, TB, eurem gehörnten Frosch
o.ä. an den Logeintrag anhängen. Ein Bild von euch selbst ist natürlich auch willkommen!
Nach Absenden der Mail darf sofort geloggt werden. Eine Freigabe ist glücklicherweise nicht mehr vorgesehen, bei Problemen melden wir uns.
Wir wünschen einen interessanten Aufenthalt an diesem außergewöhnlichen Ort!
Quellen:
(Soweit nicht anders angegeben)
– Ur- und frühgeschichtliche Siedlungsdynamiken zwischen Gunst- und Ungunsträumen in Südwestdeutschland, Miera, Jan Johannes
https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/104442
– LGRB-Viewer
https://maps.lgrb-bw.de/
– LGRB Wissen
https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/
– Lithostratigraphisches Lexikon
https://litholex.bgr.de/pages/MainApp.aspx?_sys_params=O_jLQD95H5maPFtCwvjDPoB_X0RbG5YDffkf7yjiXPnKILGp07TTJyD4_T26c_83sosuaCkzQX_XVDT0jk_bzFNuSRskGkjv5_4UonbzYi-ToOK9UoN0NJUFdm488bFxx9BGFjj-iPlRkNoHXPJaqA,,
– Grundlagen der Geologie und Landschaftsformen, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, L. Lenz, B. Wiedersich
– Die Schwäbische Alb und ihr Vorland, O. F. Geyer, M. P. Gwinner
– Geotope im Regierungsbezirk Freiburg, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg
Bei den verwendeten Bildern handelt es sich um eigene Aufnahmen.