Gegen den Willen der Amtskirche – Priester gegen Nazis
Die katholische Kirche vollzog mit dem Reichskonkordat von 1933 früh den Kniefall vor den Nazis. Die Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser aus Trier und Ludwig Sebastian aus Speyer riefen bei der Saarabstimmung 1935 offen zur Stimmabgabe für Nazi-Deutschland auf.
Im Abstimmungskampf 1935 sammelte der katholische Journalist Johannes Hoffmann Geistliche um seine Zeitung "Neue Saarpost" Pfarrer etwa aus Reimsbach, Bietzen, Diefflen und Besseringen. Bischof Bornewasser distanzierte sich von Hoffmann.
Auf Veranstaltungen der Einheitsfront im Saargebiet sprach der in Nunkirchen geborene Pfarrer Nikolaus Demmer, der seine Pfarrei in Mandern-Waldweiler verlassen musste und im Saargebiet lebte. Nach dem 13.1.1935 versteckte er sich bis Kriegsende in Luxemburg.
Nach dem Anschluss des Saargebietes verschärfte sich die Situation unter anderem wegen des Streits um Schulkreuze, Gleichschaltung der Jugend gruppen und wegen des Reichsflaggengesetzes. In Gestapo-Akten und Spitzelberichten findet man u.a. die Namen der Pfarrer Ignatz Fuhrmann (Merzig), Peter Josef Klein (Brotdorf), Karl Francois (✝ 1935) und dessen Nachfolger Matthias Braun (Beckingen), Johann Jost (Reimsbach) und Franz Josef Joachim Lung (Weiskirchen).
In Rissenthal befindet sich die Grabstätte des 1909 in Saarbrücken-Malstatt geborenen Kaplan Peter Schlicker, einem der sieben er- mordeten Priester des Bistums Trier, an die mit einem Stolperstein vor dem Trierer Priesterseminar erinnert wird. Er kam in Konflikt mit den Nationalsozialisten und wurde nach Niedermendig versetzt. Dort predigte er 1937 gegen juden- und kirchenfeindliche Inhalte des Stürmer (Nr. 46, 1936) und wurde wegen Kanzelmissbrauch angezeigt. Seitdem wurde er von der Gestapo beobachtet. Zu seiner Verhaftung und der von Pfarrer Josef Bechtel kam es am 9. Januar 1941, weil er bei einer Sterbebegleitung auf die Unauflöslichkeit der Ehe hinwies, was ihm den Vorwurf einbrachte die staatlichen Ehegesetze nicht anzuerkennen.
Man brachte die Geistlichen nach einer „Schutzhaft” in Koblenz am 7. Februar 1941 in den Priesterblock des KZ-Dachau, wo Bechtel am 12. August 1942 starb. Schlicker rang geschwächt durch Mangelernährung und Flecktyphus 1943 acht Monate mit dem Tod. 1945 aus der Haft entlassen, starb er am 19. April an den Folgen seiner Krankheit und wurde in Schellenberg beerdigt.
Sein Bruder, Konrad Schlicker, Pfarrer in Rissenthal, ließ den Leichnam exhumieren und am 19. September 1945 in Rissenthal beisetzen. Johannes Ries, an den ebenfalls mit einem Stolperstein vor dem Priesterseminar gedacht wird, war von 1920-1923 Kaplan in Losheim.
An Pfingsten 1939 richteten Männer des Erbringer RAD-Lagers Zerstörungen in der Odilienkapelle im Lückner an. Pfarrer Philipp Moog (1885-1965) predigte bei der Lücknerwallfahrt gegen das Neuheidentum, woraufhin die Gestapo das Wahlener Pfarrhaus durchsuchte. Pfarrer Moog wurde am 23. März 1940 durch die Koblenzer Gauleitung der Diözese Trier verwiesen. Erst nach dem Krieg konnte er zurückkehren.
Er war bereits in seiner Pfarrstelle in Blankenrath Gegner des NS-Regimes, durfte seit 1934 keinen Religionsunterricht halten und am 13.7.1935 wurde er wegen „zersetzender Äußerungen” von der Gestapo inhaftiert und war 18 Monate im Gefängnis.
Auch der in Saarhölzbach geborene Dr. Peter Lackas (1892 -1962) kam auf Grund seiner Jugendarbeit im Gymnasium in Ahrweiler, an dem er als Lehrer arbeitete, in Schutzhaft und wurde aus dem linksrheinischen Gebiet ausgewiesen.