Johann Peter Wilbois
Bericht eines Augenzeugen: „…Aus Rehlingen waren alle Juden im Schutz des Römischen Abkommens weggegangen bis auf einen, den Lehrer Isaak Joseph. Der war damals schon fast siebzig und seine Frau zehn Jahre älter. ...Er war ein armer Mann, er hatte nur ein geringes Gehalt…”
„Im November 1938 haben die Nazis die Synagoge hier in Rehlingen nicht demoliert, weil sie ja das Warenlager darin untergebracht hatten; aber dem Judenlehrer haben sie in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 das ganze Haus zerschlagen. Das war wegen der Geschichte mit dem Grünspan, mit dem Mord in Paris. Da war nachts so eine Unruhe unter den Nazis, die haben sich gesammelt in ihrem Parteilokal, wir nannten das nur das „braune Haus”, und sind dann losgezogen.
Das waren acht oder neun Mann, ich könnte die Namen noch nennen, der letzte von denen ist voriges Jahr gestorben. Um zwei Uhr ging die Ortsbeleuchtung aus. Und als das Licht aus war, sind die raus und zu dem Haus des Lehrers und haben dort Tür und Fenster eingeschlagen und im Erdgeschoß alles kurz und klein geschlagen. Und der arme Lehrer hat oben aus dem Fenster heraus um Hilfe gerufen, und keiner ist herbeigelaufen, um ihm zu helfen.
Dann kam eines Tages von der Partei aus der Befehl, dass die Spuren zu verwischen seien. Die Nachbarschaft hat ihm aber immer etwas bei gesteckt; das durfte aber keiner sehen...” (aus Eckert, Die Visionen des Aaron von Illingen S.125ff). „
Johann Peter Wilbois wurde am 13. Juli 1907 geboren. Neben seinem Beruf als Gipser war er Mitglied des Gemeinderates und des Kreistages von Saarlouis. Er kämpfte im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 auf Seiten der internationalen Brigaden gegen den faschistischen Militärputsch von General Franco. Nach dem Ende des Bürgerkrieges blieb Johann Peter Wilbois in Frankreich. Er wurde 1943 von der Gestapo in Frankreich verhaftet und vom Volksgerichtshof in Berlin wegen Landesverrats zum Tode verurteilt. Johann Peter Wilbois wurde am 13. Mai 1944 im Zuchthaus Berlin-Moabit hingerichtet.” (www.stolpersteine-rehlingen-siersburg.de)
Jacob Schneider: „Ich besuchte Kundgebungen und Versammlungen der Einheitsfront, dabei kam es des öfteren zu Zusammenstößen mit den Nazianhängern. Durch Verteilen von Flugblättern und Zeitschriftenmaterial versuchte ich meine Freunde und Bekannte aufzuklären und zu überzeugen über die Terrormaßnahmen des Hitlerregimes. (…)
Ich musste Schikanen über mich ergehen lassen, man rief uns die größten Schimpfnamen zu und man stieß auch Drohungen gegen uns aus.”
So berichtet Jakob Schneider (geb 25.07.1902) aus Rehlingen über seine Tätigkeit als Kommunist in der Einheitsfront: Im Januar 1935, wenige Tage nach der Abstimmung, emigrierte Schneider mit Frau und zwei Kindern nach Frankreich, von wo sie 1941 nach Saarbrücken zwangsweise rückgeführt wurden. Nach kurzer Zeit im Gefängnis Lerchesflur kam Schneider dann in das KZ Sachsenhausen, wo er bis 1944 inhaftiert war. In Rehlingen-Siersburg wurden Stolpersteine für ermordete Juden und Jüdinnen verlegt, sowie für Johann Peter Wilbois (Neustraße 22) und für Nikolaus Wolf (Marktstraße 4). An Jacob Schneider erinnert nichts.