
Das Felsenmeer bei Reichenbach ist Teil des UNESCO Geoparks Bergstrasse - Odenwald.

Foto: Kikekatze
Der Geo - Naturpark Bergstraße - Odenwald erstreckt sich über rund 3500 Quadratkilometer. Er wird von landschaftlichen Gegensätzen wie der Rheinischen Tiefebene im Westen oder dem Vorderen Oberwald im Zentrum geprägt. Der Gesteinsuntergrund entstand in unterschiedlichen Erdzeitaltern.
Das Felsenmeer ist eines der eindrucksvollsten Geotope und zählt zu den wichtigsten geologischen Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Es erstreckt sich über ungefähr 2 km Länge, ist bis zu 100m breit und hat eine Höhendifferenz von 200m. Am unteren Ende befinden sich mehrere Parkplätze, deren Nutzung für PKW aktuell 5€ kostet. Außerdem befindet sich hier ein Informationszentrum mit vielen interessanten Ausstellungen.
Direkt am Informationszentrum ist ein Kaffeeauschank mit Sitzmöglichkeiten.
Mehrere - zum Teil recht steile - Wanderwege führen zu einem oberen Aussichtspunkt (und mehreren dazwischen), man kann aber jederzeit Halt machen und den Blick auf sich wirken lassen. Zum Lösen dieses EarthCaches ist es nicht nötig, nach oben zu laufen. Es macht aber Spaß und wird von uns empfohlen. Ihr könnt hier gut und gerne mehrere Stunden verbringen oder zügig die Fragen beantworten. Das Klettern über die Felsen ist erlaubt (Stand: August 2024), das Verlassen der Wanderwege nicht.
Aber wie ist es entstanden und welche geologischen Besonderheiten lassen sich hier beobachten?
Einer alten Sage nach entstand das Felsenmeer durch den Streit zweier Riesen. Einer hauste auf dem Felsberg, der hieß Felsbeißer. Der andere, Steinbeißer, wohnte auf dem Hohenstein. Ihre Reiche wurden durch das Lautertal getrennt. Wie das nun mal bei Riesen so ist, gerieten sie in Streit. Sie bewarfen sich gegenseitig mit Steinen. Dabei war der Steinbeißer eindeutig im Vorteil, da er mehr Wurfmaterial zur Verfügung hatte. Er begrub Felsbeißer unter den Steinen und gewann. Wenn man ein Ohr an die Steine legt, kann man Felsbeißer noch immer tief unten wütend grollen hören.
Vielleicht stimmt die Entstehung dieser Sage nach, vielleicht wird man aber auch in der Geologie fündig.
Zur Entstehung des Felsenmeers
Der Kristalline Odenwald (Vorderer Odenwald) ist zum größten Teil aus kristallinen Gesteinen des Erdaltertums aufgebaut.
Vor 380 bis 340 Millionen Jahren (Paläozoikum) existierten zwei große Urkontinente, welche durch die Kontinentaldrift zu dem Urkontinent Pangaea verschmolzen. Der kleinere Kontinent tauchte unter den größeren Kontinent (Subduktion). Der obere Kontinent faltete sich gebirgsartig auf, das Gestein des unteren Kontinents schmolz und stieg als flüssiges Magma auf. Es durchbrach nicht als Vulkan die Erdoberfläche, sondern blieb im Deckgebirge "stecken" und erstarrte über einen langen Zeitraum. Die Blöcke des Felsenmeeres bestehen aus Diorit. Der Diorit entstand in 12 bis 15 km Tiefe, wo er 10 Millionen Jahre brauchte, um abzukühlen.
Während der Abkühlungsphase verändern sich Gesteine: Sie reißen und schrumpfen.
Zu dieser Zeit befand sich der heutige Odenwald ungefähr in der Höhe des Äquators. Vor etwa 2 Millionen Jahren kam es zu einem Klimawandel mit drastischer Abkühlung und Absenkung des Meeresspiegels. Dieser leitete zum Pleistozön (Eiszeitalter) über, in dem es mehrere Warm- und Kaltzeiten gab. Der Odenwald befand sich im gletscherfeien Bereich. So kam es zu intensiver physikalischer Verwitterung. Das verwitterte Material wurde abgetragen und wegbewegt - auch durch den Wind, der in der eizeitlichen, kargen Tundra kraftvoll war.

Quelle: Wikipedia
Wollsackverwitterung
Dem aufmerksamen Betrachter entgeht allerdings nicht, dass die Steine im Felsenmeer nicht mehr quaderförmig sind, sondern ein eigenartiges Verwitterungsmuster zeigen: die sogenannte Wollsackverwitterung. Der Name entstand, da die Steine die Menschen an mit Wolle gefüllte Säcke erinnerten, auf denen sie auch schliefen (den Wollsäcken, nicht den Steinen).
Sie ist eine besondere Form der Verwitterung kristalliner Gesteine wie Diorit oder Granit. Es entstehen durch das Zusammenwirken physikalischer Kräfte und chemischer Prozesse kantengerundete Gesteinsblöcke. Die Ecken der Kristalle aus denen das Gestein u.a. besteht sind nicht elektrisch neutral. Daher können einige Kationen (Na, Ka, und Ca) durch Wasserstoff ersetzt werden. Dies stört das Gleichgewicht innerhalb des Kristalls. Diesen Vorgang nennt man Hydratation. Die Kristalle zerfallen dabei.
Da an den Ecken und Kanten der Blöcke das Verhältnis von Angriffsfläche zu Steinvolumen größer ist als am Rest des Steins, geschieht die Verwitterung hier deutlich schneller. Die Steine weisen winzige Risse auf, die für das Auge nicht sichtbar sind, aber dennoch eine Angriffsfläche für physikalische und/oder chemische Verwitterung bieten. Durch diese Verwitterung kommt es zur Auflockerung der Steine.
Begünstigt werden die chemischen Lösungsvorgänge durch warme und wechselfeuchte Klimate der Tropen und Subtropen.

Foto: kikekatze
Quellen:
- Wikipedia
- Buch: Weber / Bühn: Zwischen Granit und Sandstein - Eine Reise in die Erdgeschichte des Geo - Naturparks
- Infobroschüre: Der Felsberg im Odenwald
Logbedingungen:
Hier gibt es keine Dose! Um diesen EarthCache als Fund zu loggen, müsst ihr uns erst die Fragen über unser Profil beantworten. Danach dürft ihr loggen. Wenn ihr mit mehreren Cachern vor Ort seid, reicht es aus, wenn uns ein Gruppenmitglied die Antworten unter Nennung aller Teammitglieder schickt. Sollten wir keine Antworten erhalten oder der Fotonachweis nicht erbracht werden, behalten wir uns vor, den Log zu löschen.
Aufgabe 1: Begib dich zu den Listingkoordinaten. Schaue dich um und suche dir einen Stein mit erkennbarer Wollsackverwitterung aus.
Beschreibe den Stein genauer! Achte hierbei besonders auf Farbe, Form und kristalline Struktur.
Aufgabe 2: Sieh dir die Kanten und Ecken des Steins an. Vergleiche sie mit den Flächen. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Farbe, Form und kristalliner Struktur kannst du erkennen? Beschreibe sie.
Aufgabe 3: Poste im Log ein Foto von dir oder einem persönlichen Gegenstand am Felsenmeer.

Foto: kikekatze
Optionale Aufgabe 4: Die Wollsackverwitterung gibt es noch an anderen Orten auf der Welt. Solltest du schon mal einen besucht haben, würden wir uns über Fotos davon sehr freuen.

Foto: kikekatze (Dartmoor, England)