Tor der Träumer
Am Rande des Dorfes, dort wo die Bäume dichter und die Schatten länger werden, steht ein altes, halb überwuchertes Tor. Es führt nirgendwo hin, sagen die Dorfbewohner.
Doch das war nicht immer so.
Man erzählt sich von alten Zeiten, als das Tor nicht nur eins aus Eisen und Efeu war, sondern ein Eingang zu einer verborgenen Welt – dem Reich der Feen. Bei Dämmerung und Vollmond sollen jene, die dem Ruf der fernen Glocken folgten, durch das Tor getreten sein und in das Feenreich gelangt sein.
Dies änderte sich vor langer Zeit mit einem jungen Spross der O'Clairs.
Gleich zwei im Mondlicht tanzenden Feen hatten sein Herz erwärmt. Immer wenn der Mond voll am Himmel stand, besuchte er Loreley und Leonora nacheinander in ihrem Reich. Doch auch wenn der Weg verschlossen war, tauschte er mit ihnen Worte der Liebe am Tor, bis er eines Tages von der anderen Seite kommend Loreleys und Leonaras Seite verwechselte und die beiden voneinander erfuhren.
Heute meiden alle den Ort, wo die Wurzeln der Bäume nach einem zu greifen scheinen, wenn man zu lange verharrt.