Felsöfen am Fuße der Koralpe
Mit diesem Earth-Cache möchte ich euch die markanten Felsformationen am Fuße der Koralpe vorstellen und euch zeigen, wie sie entstanden sind. Im allgemeinen weststeirischen Sprachgebrauch werden diese Gebilde als Felsöfen bezeichnet. Geologisch betrachtet ist diese Bezeichnung jedoch nicht definiert, je nach Region und Sprachgebrauch werden unterschiedliche geologische Erscheinungen als „Felsöfen“ bezeichnet. So beschreibt dieser Begriff:
⦁ In Bayern wild durcheinander liegende Felstrümmer
⦁ Im Salzburgerland durch Wasser zerklüftete Felsen
⦁ In der Obersteiermark Nischen in einer Felswand
⦁ In der Weststeiermark markante Felsformationen auf Almen
Geologisch ist ihnen allen gemein eine starke Verwitterung, welche dazu geführt hat, dass sich die Felsöfen markant von ihrer Umgebung abgehoben haben.
Bei der Entstehung von Felsöfen sind die folgenden Bedingungen ausschlaggebend:
⦁ Geologie des Untergrundes, aus dem sie emporstehen
⦁ Petrologie des Muttergesteines
⦁ Art und Richtung der Erosionsprozesse
⦁ Kräfte, welche die Erosion hemmen
Jeden einzelnen dieser Faktoren möchte ich euch nachfolgend für die Felsöfen auf der Koralpe genauer beschreiben. Zuvor gibt es an dieser Stelle allerdings die Logaufgaben, welche ihr beim Felsofen an den gelisteten Koordinaten lösen könnt:
Deine Aufgaben:
Um diesen Cache als gefunden loggen zu dürfen, müsst ihr mir die Antworten auf die folgenden Fragen zusenden. Dies funktioniert am besten über das Message Center. Anschließend könnt ihr sofort loggen – falls etwas nicht stimmen sollte, melde ich mich.
1) Seht euch die Schichtebenen des Plattengneises an. Wie sind diese im Vergleich zur Hangneigung gerichtet?
2) Umrundet den Felsofen und gebt mir die Verwitterungserscheinungen in allen vier Himmelsrichtungen bekannt.
3) Welche erosionshemmende Vegetation könnt ihr im Bereich des Felsofens feststellen?
4) Zusätzlich ist ein Foto von euch, eurem GPS oder einem anderen persönlichen Gegenstand mit eurem Log hochzuladen. Ihr müsst dabei nicht zu erkennen sein, der Felsofen jedoch schon.
⦁ Geologie des Untergrundes
Der Untergrund der Almen, auf denen sich die Felsöfen der Koralpe befinden, stammt aus jungtertiären Verebnungen. Dies bedeutet, dass in tiefergelegenen Senken die erodierten Gesteinsfragmente (Sedimente) von den Bergrücken abgelagert wurden. All dies fand im Jungtertiär (Neogen) vor etwa 2,6 bis 23,8 Millionen Jahren statt.
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Dass auf den talwärts gerichteten Hängen der Koralpe keine Felsöfen zu finden sind liegt daran, dass diese – teils sehr steilen – Hänge einen jüngeren Erosionszyklus aufweisen. Die dort aus dem Untergrund herausgearbeiteten Felsformationen wurden also im Zuge der Hangerosion wieder zerstört.
⦁ Petrologie des Muttergesteins
Die Felsöfen der Koralpe sind an besonders widerstandsfähige und langsam verwitternde Gesteine gebunden. Im Laufe der Jahrmillionen wurden daraus die markanten Felsformationen geformt. Es ist deutlich zu erkennen, dass die einzelnen Felsöfen auf der Koralpe die Verwitterungsreste einer lang gezogenen und äußerst widerstandsfähigen Felsbank sind.
Das Muttergestein, also das Gestein aus dem die Felsöfen bestehen, ist der Hirschegger Plattengneis. Dabei handelt es sich um ein metamorphes Gestein (Umwandlungsgestein), welches durch hohen Druck und hohe Temperatur im Zuge der alpinen Gebirgsbildung gebildet wurde. Er ist eine Unterart des Stainzer Hartgneises und zeichnet sich durch Wechsellagen aus Granatglimmerschiefer und Pegmatitgneisen aus. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass zwischen den kompakten Lagen des Pegmatitgneises schwächere Schichten des Granatglimmerschiefer liegen. Entlang dieser Schichtwechsel kann der Plattengneis gut gespalten werden, weshalb er in der Weststeiermark auch als Baumaterial eingesetzt wurde und wird. Ein Beispiel für einen Hirschegger Plattengneis findet sich im nachfolgenden Bild.
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Wichtig zu erwähnen ist, dass der Plattengneis senkrecht zu den Schichtgrenzen schwerer angreifbar ist und hohe Belastungen aushaltet. Dies ist auch der Grund, weshalb die Orientierung zwischen den Schichtebenen und dem Hang sehr wichtig ist: Liegen die Schichtebenen des Plattengneises in etwa in derselben Orientierung der Hangneigung, so kommt es im Zuge der Erosion zu einem Abgleiten der einzelnen Platten. Somit können in diesem Fall keine größeren Felsöfen entstehen.
⦁ Art und Richtung der Erosionsprozesse
Bei der Erosion handelt es sich um einen natürlichen, schleichenden Abtrag von Böden und Gesteinen. Der hauptsächliche Erosionsprozess der Felsöfen auf der Koralpe erfolgt durch Wind (feinere Gesteinskörner werden durch den Wind an die Felsöfen geschleudert und wirken wie Geschosse), durch Wasser (Gesteinskörner können ausgewaschen und weggespült werden) und durch Frost (gefrierendes Wasser dehnt sich aus und sprengt die Felsen). Dies ist auch der Grund, weshalb die Orientierung der Gesteine zur Hauptregenrichtung entscheidend für die Erosion der Felsöfen ist.
Die Hauptrichtung der Regenwinde im Grenzgebiet zwischen Kärnten und der Steiermark ist westlich. Dies führt zu stärkerer Erosion an der westlichen Flanke der Felsöfen. Zudem können auf der Südseite Abschuppungen aufgrund der Sonneneinwirkung gesehen werden. Die östliche und nördliche Flanke der Felsöfen ist hingegen verwitterungsarm.
Wie im Abschnitt B) bereits angeführt, sind die Felsöfen die Reste von größeren Felsbänken. Wie die Erosion aus einer durchgehenden Bank die einzelnen Felsöfen formt, ist in nachfolgendem Bild skizziert.
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⦁ Kräfte, welche die Erosion hemmen
Den besten Schutz vor Erosion bewirkt eine Pflanzendecke. Diese hemmt den Angriff durch Wind und führt das auftreffende Wasser geregelt ab. Die Felsöfen weisen teilweise auf der Oberseite eine Grasdecke auf, vereinzelt wachsen darauf auch Bäume. Weiters wirken ringsum stehende Bäume erosionshemmend, da sie die Felsöfen vor Wind und Wasser abschirmen.
Quellen:
⦁ https://de.wikipedia.org/wiki/Ofen_(Felsen)
⦁ „Geologie und Petrographie der Koralpe III - Die »Steinöfen« des Koralpengebietes“ von Alois Kieslinger (Wien, 1927), Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, Abteilung I, 136. Band, 3. und 4. Heft.
⦁ https://www.wein-und-stein.de/Geologie_/Zeitreisen/Zeitabschnitte/Tertiar/tertiar.html
⦁ Infotafel vor Ort
⦁ https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stainzer_Hartgneis
⦁ „Strukturelle und morphologische Charakterisierung von Felsöfen auf der Koralpe“ von Georg Gosch (Graz, 2012), Masterarbeit TU Graz – Institut für Angewandte Geowissenschaften