Lebensquell
[Zyklus 1: Das Schweigen des Steins]
O steinerner Freund, vom fernen Ort entrückt.
Den frohen Quell entbehrest du so bang.
Einst war dein Schoss vom Lebenswasser beglückt.
Nun schweigst du still in ödem Wiesengang.
Allein die Biene, dein einziger Gast.
Füllt mit Lehm ihr Haus fein im Stein.
Im Kleinen webt sie Fleiss zum Leben ein.
Und lässt das harte Herz mit Segen blühen fein.
Was führte dich hierher?
Vom schönen Hauses Blumengarten entflohn?
Was war der Grund, dass du gelandet hier?
Wirst du je wieder sprudeln, frisch und schön?
Den Lebensstrom zu schenken diesem Land?

'Lebensquell' ein Gedicht frei nach Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832),
von Lobi von GCoethe, bekannt auch durch das Zitat:
„Wo Worte Form gewinnen, liegt des Dichters Weg verborgen."
[Zyklus 2: Die Rückkehr des Liedes]
Im silberhellen Glanz der Mitternacht erglänzt dein Antlitz mild im stillen Traum.
Der Mond bescheint, was deine Ruh schon bracht.
Der Vogel zwitschert im Morgengrau. Es glitzert fein der Morgentau.
Doch eines Tages kommen fremde Reisende daher.
Unverhofft betreten sie dein altes Rondell.
Sie grüssen dich freudig, hinterlassen ein Wort, ein feines Gedicht.
Elegant signiert, das Pergament zur Seite des steinernen Stocks erblickt.
Und bald kehrt die Kunde an dein seit’nes Herz zurück.
Erblüht dein alter Stolz im frohen Schein.
Ja, mein steinerner Freund, welch ersehnte neue Stunde.
Ein Lebensquell sollst Du wieder sein!
* Lobi von GCoethe (*1976),
Dichter, Denker und Visionär des digitalen Zeitalters, verknüpft klassisches Wortgut mit neuen Sichtweisen auf die heutige Zeit.
Lobi24, 2025.06.30