Kalksteinbruch am Togdrang
Dieser Earthcache liegt in einer gesetzlich geschützten Naturlandschaft.
Das Naturschutzgebiet „Östlicher Teutoburger Wald“ ist ein rechtsverbindlich festgesetztes Gebiet, in dem ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist. Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebiets oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, sind verboten.



In Deutschland gibt es wohl nur wenige Städte, die wie Bielefeld, ein so breites Spektrum an mesozoischen Schichten aufweisen. Das Gebiet der Stadt Bielefeld kann im Grunde in drei geologische Großstrukturen unterteilt werden.
Der Teutoburger Wald (Osning) stellt das Hauptelement dar, welcher das Stadtgebiet fast mittig in Südost-Nordwest-Richtung teilt. Die flachhügelige Landschaft nördlich des Teutoburger Waldes bildet die Herforder Lias-Mulde eine eigenständige und zusammenhängende geologische Struktur. Die mesozoischen Schichten werden dort weitestgehend von Lößablagerungen abgedeckt. Auf der südlichen Seite des Osnings befindet sich der östliche Rand des Münsterländer Kreidebeckens. Geprägt wird das Landschaftsbild durch die überlagernde Verebenungsfläche der Sennesande.
Am südlichen Rand des Teutoburger Waldes wurden die Schichten durch die gebirgsbildenden Vorgänge vor ca. 55 Millionen Jahren steil aufgerichtet. Beckenwärts (südwestlich) hingegen fallen die Gesteine bei normaler Lagerung flach ein. Wenn man die Tafel im Steinbruch betrachtet, sieht man, dass die Steine sattelförmig herausgehoben sind. Es ergibt sich eine stratigraphische Abfolge.
Der zu besuchende Steinbruch wurde von der Stadt Bielefeld als Naturdenkmal ausgewiesen. Neben imposanten Steilwänden bietet dieser auch eine Erläuterungstafel. Besucht diesen fast vergessenen Ort und erhaltet einen guten Einblick in die Geologie der Region.

Hier im aufgelassenen Kalksteinbruch tritt vor allem die Lamarcki-Schicht in überkippter Lagerung zu Tage.
Der Name stammt von der als Fossil darin haupsächlich vorkommenden dickschaligen Muschelart Inoceramus lamarcki.
Diese Muscheln wurden vor etwa 90 Millionen Jahren im Kreidemeer abgelagert. Weitere, hier als Versteinerungen zu findende Arten,
sind Seeigel, Brachiopoden und Cephalopoden. Die chronostratigraphische Stufe, in der diese Vorgänge stattfanden, nennt man Turonium (kurz: Turon). Das Turonium folgte auf das Cenomanium, ihm schließt sich das Coniacium an.
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Kreide
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Oberkreide
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Maastrichtium
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Vor 72–66 Mio. Jahren
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Campanium
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Vor 83,6–72 Mio. Jahren
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Santonium
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Vor 86,3–83,6 Mio. Jahren
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Coniacium
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Vor 89,7–86,3 Mio. Jahren
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Turonium
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Vor 93,9–89,7 Mio. Jahren
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Cenomanium
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Vor 100,5–93,9 Mio. Jahren
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Unterkreide
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Albium
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Vor 112,9–100,5 Mio. Jahren
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Aptium
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Vor 126,3–112,9 Mio. Jahren
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Barremium
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Vor 130,7–126,3 Mio. Jahren
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Hauterivium
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Vor 133,9–130,7 Mio. Jahren
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Valanginium
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Vor 139,3–133,9 Mio. Jahren
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Berriasium
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Vor 145–139,3 Mio. Jahren
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Das Turon kann in drei Abschnitte unterteilt werden:
Unterturon:
- graue bis blaugraue Kalkmergel- bis Tonmergelsteine
- rot bis rotbraune Färbung der Basis (Rotpläner)
Mittelturon:
- karbonatreicher als die Schichten des Unterturon (70%)
- flaserige Mergelkalksteine
- sandig-glaukonitischer Horizont (Bochumer Grünsand)
- glaukonitischer Kalkarenit (Grünsand von Rothenfelde)
Oberturon:
- noch karbonatreicher als die unteren Schichten
- dunkelgrau bis bläulichweißer Plänerkalkstein
- sandig-glaukonitischer Horizont (Anröchter oder Soester Grünsand)
- kalkig-mergelige Normalfazies
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Turonium
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Oberturon
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Striatoconcentricus-Schichten
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Mittelturon
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Lamarcki-Schichten
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Unterturon
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Labiatus- Schichten
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Der im Steinbruch abgebaute Plänerkalk wurde vermutlich zur Gewinnung von Straßenschotter und vielleicht auch zur Herstellung von Branntkalk genutzt.
Begriffserklärungen:
Lößablagerungen - homogenes, ungeschichtetes, überwiegend vom Wind abgelagertes Sediment
Verebenungsfläche - durch planierende Abtragung entstandene Ebene
stratigraphisch - dem Prinzip der Ausdehnung von Gesteinsschichten, horizontalen Ablagerung von Sedimenten und dem Prinzip der
Lagerungsabfolge entsprechend (Naturforscher Nicolaus Steno 1638–1686)
chronostratigraphische - gliederung von Gesteinskörpern nach dem Alter ihrer Entstehung (Unterdisziplin der geologischen Stratigraphie)
Pläner - historische bzw. traditionelle summarische Bezeichnung für eine Reihe von marinen Sedimentgesteinen der Oberkreide
Fazies - alle Eigenschaften eines Gesteins vorhanden, die aus seiner Entstehungsgeschichte herrühren
glaukonitisch - soviel wie Glaukonit enthaltend
mesozonisch - aus dem Erdmittelalter oder dem Erdmittelzeit stammend
Branntkalk - gebrannter und anschließend (mit Wasser) gelöschter Kalk (auch Calciumoxid oder Ätzkalk genannt)
Glaukonit - häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“
Kalkarenit - Kalkstein in dem fossile Bruchstücke mit Bruchstücken anderer Kalkgesteine vermischt sind
flaserig - Bezeichnung für ein Gesteinsgefüge mit gelängten, gezerrten Gesteinskomponenten
Fragen und Aufgaben:
1. Wie verlaufen die Schichtfugen an der Felswand? Was glaubt Ihr, wie die zu sehenden Schichtfugen entstanden sind?
2. Versucht den Begriff "sattelförmig", im Zusammenhang mit den geologischen Begebenheiten vor Ort, mit eigenen Worten zu erklären.
3. Macht ein Foto von Euch oder einem persönlichen Gegenstand, der beweist, dass Ihr vor Ort gewesen seid.
Logbedingungen:
Ihr dürft den Earthcache loggen, sobald Ihr die drei oben genannten Aufgaben erfüllt habt. Die Antworten zu dem Earthcache schickt Ihr bitte über das Message Center oder alternativ direkt per mail an do2cv@gmx.de. Das Foto fügt Ihr Eurem Logeintrag hinzu. Sollte etwas nicht richtig sein, werde ich mich bei Euch melden. Sollte ich innerhalb von zwei Tagen keine Antworten von Euch zu den Fragen erhalten, wird der Logeintrag automatisch gelöscht. Ich werde keine Erinnerung schicken.
Postet bitte keine Fotos von der Infotafel!
Beachtet bitte die D-Wertung! Das ganze Areal hat inzwischen einen Lost Place Charakter, da die Stadt den Weg zur Infotafel nicht mehr wartet. Durch diverse Naturereignisse ist das Gebiet deshalb recht unwegsam. Es gibt ein paar umgestürzte Bäume und im Sommer reichlich Dornen und Brennnesseln. Jeder handelt auf eigene Gefahr!
Quellen:
Literatur:
"Erläuterungen zu den geologischhydrogeologischen Verhältnissen im Stadtgebiet von Bielefeld" -Umweltamt der Stadt Bielefeld - PDF
"Geologie des Teutoburger Waldes bei Bielefeld" -Naturkunde-Museum Bielefeld - PDF
"Stadt Bielefeld - Landschaftsplan Bielefeld-Senne" -Stadt Bielefeld -PDF
"Naturparktrails Bielefeld" - Naturparks Teutoburger Wald / Eggegebirge - PDF
"Die Oberkreide Westfalens" - Olaf Otto Dillmann - PDF
"Jahreswarven im Sennesander?" - Adolf Deppe und Fritz Fezer - PDF
Internet:
www.wikipedia.org;
www.bgu-geoservice.de;
www.naturpark-teutoburgerwald.de;
www.zeno.org

Viel Spaß bei diesem abenteuerlichen Earthcache und einer erfolgreichen Recherche!
Und bitte denkt daran: Take nothing than pictures, leave nothing than footprints!