Willkommen an einem Ort, an dem sich die Erdgeschichte scheinbar buchstäblich auf den Kopf gestellt hat.
In diesem kleinen Steinbruch im Emmertsgrund erwartet euch ein faszinierendes geologisches Fenster, das Einblick in eine ungewöhnliche Schichtenfolge bietet, da hier (jüngerer) Muschelkalk unter (älterem) Buntsandstein liegen soll - ein direktes Ergebnis von tektonischen Prozessen im Zusammenhang mit der Bildung des Rheingrabens. Dieses scheinbare Phänomen, das im Widerspruch der üblichen stratigraphischen Abfolge und der typischen Schichtenfolge der Trias steht, soll man an dieser Stelle beobachten können. Doch wie ist das möglich? Finden wir es gemeinsam heraus!
Hintergrundwissen - Trias und Schichtenfolge
Die sogenannte Germanische Trias besteht aus drei übereinanderliegenden Gesteinsschichten:
- Keuper (jüngste Schicht)
- Muschelkalk (mittlere Schicht)
- Buntsandtsein (älteste Schicht)

Normalerweise liegen diese Schichten in dieser Reihenfolge. Doch durch tektonische Bewegungen im Zuge der Bildung des Oberrheingrabens vor ca. 50 Millionen Jahren, kam es zu Schollenverschiebungen und Verwerfungen. Das Grabeninnere hat sich um mehrere tausend Meter abgesenkt, zeitgleich haben sich die Grabenschultern angehoben. Dabei gab es Bewegungen der angrenzenden Randschollen, in deren Folge in der Umgebung des Emmertsgrunds, die Schichtfolge der Südlichen Gaisbergscholle mit Muschelkalk in den Graben abgerutscht ist und dadurch von späterer Erosion weitestgehend verschont blieb. Heute bildet der Muschelkalk den obersten Teil dieser Schichtfolge. Der unmittelbar neben und topographisch oberhalb des Muschelkalks anstehende, ältere Buntsandstein, stammt von der östlich anschließenden Königsstuhlscholle, die nicht abgerutscht ist. Es scheint also nur, dass der Buntsandstein darüber liegt (und der Muschelkalk darunter); die Grenze zwischen Muschelkalk und Buntsandstein ist hier nicht stratigraphisch (die jüngere Formation folgt auf der älteren) – sondern tektonisch, also die Bruchlinie zwischen der Grabenrandscholle und dem Grundgebirge des Odenwalds mit dem obenliegenden Buntsandstein.
Absenkung und Anhebung
Die Absenkung des Grabens und die Anhebung der Ränder führten zu einer Verfüllung der Grabenräume mit Sedimenten und zur Bildung der Grabenschultern, die heute als Schwarzwald und Vogesen bekannt sind. Doch der Einbruch des Rheingrabens war kein erdgeschichtliches Katastropenereignis gewesen. Die Absenkung geschah für menschliches Zeitempfinden sehr langsam und dauert heute noch an.
Muschelkalk - Entstehung und Aussehen
Diese geologische Wand zeigt eine Aufschlussfläche im Oberen Muschelkalk - einem Gestein, das vor etwas 235 bis 240 Millionen Jahren in einem flachen, warmen Meer abgelagert wurde. Die Sedimentsschichten bestehen aus feinlagigen, meist hell hellgrauen bis gelbliche verwittertem Kalk und Mergelsteinen die durch tektonische Hebung und Erosion heute sichtbar sind. Muschelkalk ist horizonatlschichtig aufgebaut, ein typisches Merkmal von Sedimentgesteinen. Das Gestein erscheint gelblich bis hellgrau was auf Verwitterung und Tonanteile hinweist. Einige Lagen sind deutlich fester und plattiger , andere eher bröselig und tonig., dies lässt auf wechselnde Ablagerungebdingungen im ehemaligen Meeresboden schließen. In den härteren Schichten können sich bei näherer Untersuchung Fossilien von Muscheln und Brachioden finden, daher der Name Muschelkalk.
Deine Aufgabe:
Begebe dich zu den angegebenen Koordinaten und beantworte bitte die folgenden Fragen, um diesen Earthcache zu loggen. Die Informationen vor Ort, dein Beobachtungssinn und das Listing helfen dir dabei.
Aufgabe 1:
Schätze die Höhe und die Breite der Felswand. Welche Farben und Gesteinsstrukturen kannst du erkennen?
Aufgabe 2:
Schau dir den Muschelkalk nochmal genauer an, welche Schichtstärken von Sedimentsablagerungen kannst du hier erkennen?
Aufgabe 3:
Warum wird die hier sichtbare Schichtung als scheinbares "geologisches Paradoxon" ausgewiesen?
Aufgabe 4:
Wie hoch ist der gegenwärtige Absenkungsbetrag des Rheingrabens maximal pro Jahr? (siehe Informationsschild vor Ort)
Aufgabe 5: Bitte mache eine Foto von dir und dem Steinbruch im Hintergrund.
Hinweis:
Bitte keine Steine abschlagen oder mitnehmen - dies ist ein geschützter geologischer Ort. Die gestellten Fragen sind alle gut vom Weg aus beantwortbar. Danke!
Verwendete Quellen:
https://www.heidelberg.de/HD/Leben/Geopark+in+Heidelberg
https://geo-naturpark.net/
https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/geologie/schichtenfolge/trias
https://www.stratigraphie.de/perm-trias/images/image013.gif
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rueger1928
Informationsschild vor Ort