Der Hinkelstein, der fliegen wollte
Weit draußen auf einer grünen Wiese stand ein großer, grauer Hinkelstein. Er war alt, sehr alt – so alt, dass er sich nicht einmal mehr erinnerte, wer ihn dort hingestellt hatte. Jeden Tag sah er die Vögel über sich fliegen, die Wolken ziehen und den Wind tanzen. Und jedes Mal seufzte er leise:
„Ach, wenn ich doch auch fliegen könnte! Nur ein einziges Mal…“
Die Blumen um ihn herum kicherten.
„Du? Fliegen?“, sagte die Butterblume. „Du bist doch viel zu schwer!“
„Und viel zu störrisch!“, fügte das Gras hinzu.
Doch der Hinkelstein gab nicht auf. Er wartete. Jahr für Jahr.
Eines Morgens kam ein kleiner Junge vorbei. Er legte seine Hand auf den Stein und sagte:
„Du bist schön. Ich nenne dich Flugstein!“
Von da an fühlte sich der Hinkelstein ein bisschen leichter.
Und als eines Nachts ein gewaltiger Sturm über die Wiese zog, hob ihn der Wind ein Stückchen an – nur ein kleines bisschen, kaum zu sehen. Aber für den Hinkelstein war es, als würde er durch die Wolken segeln.
Am nächsten Morgen lag er wieder an seinem Platz. Die Blumen fragten spöttisch:
„Na, bist du jetzt geflogen?“
Der Hinkelstein schwieg und lächelte innerlich. Denn er wusste:
Manchmal reicht schon ein kleiner Moment, um einen Traum wahr werden zu lassen.
Wohin ist er wohl geflogen?

Schlosscode=Versteckjahr